Aurich (ub) – Blick links, Blick rechts – schnell rüber. Nach 40 Meter wieder Risiko: Hoffentlich kommt nicht ein Auto mit überhöhter Geschwindigkeit um die Kurve. Geschafft! Der Weg zur Bushaltestelle ist für viele Auricher Schüler ein Wagnis, teilweise müssen eine Kreis- und eine Landesstraße außerorts überquert werden. „Es ist nur viel Glück, dass noch nichts passiert ist“, ist die einhellige Meinung.
Auf das pure Glück will sich jetzt eine Initiative von Auricher Bürgern nicht mehr verlassen. Vehement wird das Ziel verfolgt, die Gefahren am Ortseingang von Aurich (Kreuzung Florian-Geyer-Straße/Hirsauer Straße/Albert-Schweitzer-Straße) zu entschärfen. So werden Sicherheit bei der Überquerung der Kreis- beziehungsweise Landesstraße zu den Bushaltestellen und eine sichere Überquerungshilfe in der Hirsauer Straße zwischen den Wohngebieten Ost und West gefordert. Ortsvorsteherin Helga Eberle: „Der Ortschaftsrat unterstützt die Initiative.“
Nicht nur den Aurichern ist die Kreuzung, die mittlerweile auch als offizieller Unfallschwerpunkt anerkannt ist, ein Dorn im Auge. Im Februar schrieb ein Autofahrer aus Illingen einen Brief an die Ortsvorsteherin: „Morgens um 7 Uhr passiere ich die Kreuzung Aurich – Vaihingen, an der außerhalb des Ortes die Bushaltestelle liegt. An dieser Stelle außerhalb der geschlossenen Ortschaft ist die erlaubte Fahrgeschwindigkeit 70 km/h. Häufig überqueren an dieser Stelle dunkel gekleidete Schüler aus dem Wohngebiet kommend die Hauptstraße und begeben sich in die Gefahr, in der dunklen Jahreszeit von Autofahrern nicht gesehen zu werden. Auch Personen mit Hunden wechseln hier oft die Straßenseite. Hier ist der Gehweg parallel zur Straße nicht ausreichend beleuchtet, auch ist keine Überquerungshilfe (Zebrastreifen) vorhanden.“
Die grundsätzliche Notwendigkeit für einen Kreisverkehr in diesem Bereich wurde zwar im vergangenen Jahr durch die zuständige Unfallkommission des Landes Baden-Württemberg anerkannt, doch in der Priorität liegt dieses Projekt nicht an oberster Stelle – im Gegenteil. Der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch ist trotzdem zuversichtlich: „Durch diesen Kreisverkehr haben wir aber auch die Chance, die Situation für die Fußgänger zu verbessern.“ Zwar wird der seit vielen Jahren geforderte Kreisverkehr auch vom Ortschaftsrat nachhaltig begrüßt, „doch“, so Eberle, „angesichts der finanziellen Situation des Landes können wir damit nicht in absehbarerer Zeit rechnen“.
Deshalb legt die Initiative von Auricher Bürgern den Fokus auf die Fußgängersicherheit. „Und da sehen wir die Stadt in der Pflicht, für die Sicherheit zu sorgen“, sagen Kristina Franke, Rita Gomeringer und Katharina Mirhadi. Die menschliche Brisanz müsse stärker zum Ausdruck kommen: So müssen alle Schüler weiterführender Schulen unabgesichert und – je nach Jahreszeit – in völliger Dunkelheit Kreis- und Landesstraße überqueren, um zur Bushaltestelle zu kommen. Auch eine sichere Überquerung zwischen dem Ost- und Westteil des Ortes ist nicht möglich. Deshalb wird an die Stadt appelliert, „ihrer Verantwortung gerecht zu werden und eine kurzfristige und verantwortungsvolle Lösung für die Sicherheit der Bürger zu veranlassen“. So wird auch eine Verlagerung der Bushaltestellen mit Fußgängerabsicherung in der Hirsauer Straße ins Gespräch gebracht.
Bei der Stadtverwaltung Vaihingen verweist man auf den Straßenbaulastträger, der entsprechende Maßnahmen bezahlen muss. Beim Regierungspräsidium sei die Kreuzung seither nicht auffällig gewesen. Eugen Weiss vom Ordnungsamt: „Auf die Kreisverkehre zwischen Horrheim und Kleinglattbach und auf der L 1125 beim Bahndurchlass warten wir schon seit Jahren. Frühestens 2010 wird jetzt gebaut.“ Oberbürgermeister Maisch will die Situation in Aurich nach Ostern mit der Verkehrsschaukommission (Polizei, Straßenbauamt) und den Busunternehmen erörtern. „Da kann dann alles vor Ort diskutiert werden.“ Und wenn es um die Verbesserung der Beleuchtung gehe, sei dies kein Thema.
Ortsvorsteherin Helga Eberle, die früher selbst ihre Tochter mit Bauchgrimmen auf den Schulweg schickte, stärkt der Initiative den Rücken: „Der Ortschaftsrat steht geschlossen hinter der Forderung, mehr Verkehrssicherheit an dieser Kreuzung herbeizuführen.“ Es müsse eine grundsätzliche Lösung gefunden werden, damit es für die Schüler sicherer werde. Zwar habe der Kreisverkehr Priorität, aber letztendlich sei es egal, mit welchen Maßnahmen die Sicherheit erhöht werde. Eberle spricht so von einer Beschränkung der Geschwindigkeit auf der Hirsauer Straße, von einer optischen Verengung der Straße durch die Pflanzung von Bäumen.
Damit das Thema weiter öffentlich bleibt, denkt die Auricher Ortsvorsteherin bei der nächsten Sitzung des Ortschaftsrates am 28. April an einen Vor-Ort-Termin.
