Mittwoch, 23. Mai 2012

Alkohol und junge Täter




Polizeichef Frank Rebholz. Foto: Bögel
Polizeichef Frank Rebholz. Foto: Bögel

Ludwigsburg (ub) – Alkohol, Übermut und Gruppendynamik – eine gefährliche Kombination, die immer mehr Polizeibeamten im Landkreis zu spüren bekommen. „Der Alkoholeinfluss bei jungen Tätern stimmt bedenklich“, sagte gestern Frank Rebholz, Chef der Polizeidirektion Ludwigsburg, bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik.
Die gut 700 Polizeibeamte im Landkreis Ludwigsburg müssen immer mehr mit unvermittelten Angriffen rechnen. Die enthemmende Wirkung von Alkohol und jugendlicher Übermut lasse jegliches Respektgefühl gegenüber dem Staat und seinen Repräsentanten missen. „Wurden Polizisten von unter 21-Jährigen angegriffen, dann standen drei von vier Tätern unter Alkoholeinfluss“, bilanziert Leitender Polizeidirektor Rebholz. Insgesamt nahm die Zahl der Widerstandshandlungen um 21,7 Prozent auf 84 Fälle im Jahr 2008 zu. Drei Beamte erlitten schwere Verletzungen. Besonders die von den Angreifern an den Tag gelegte Brutalität mache Sorgen, so die Polizeiführung. Am 11. Januar 2008 wurde ein Beamter im Rahmen einer Kontrolle in Ludwigsburg von einem Alkoholisierten unvermittelt derart traktiert, dass er mehrere Brüche im Bereich des Gesichts erlitt.
Bei den Wohnungseinbrüchen und den Pkw-Aufbrüchen konnte gestern für 2008 deutliche Entwarnung gegeben werden. Rebholz: „Die Wahrscheinlichkeit für die Bewohner im Landkreis ist gering, Opfer eines Wohnungseinbruchs oder eines Autoaufbruchs zu werden.“ Bei den Wohnungseinbrüchen wurden bei der Polizei 260 Fälle registriert, die Hälfte davon Einbruchsversuche. Das ist die geringste Zahl seit 20 Jahren.
Das führt Polizeichef Rebholz auch auf die Anpassung der Präsenzzeiten der Polizisten zurück. Wenn verstärkter Bedarf an Ordnungshütern bestehe (am Wochenende und in den Nachtstunden), seien jetzt mehr Beamte im Einsatz. Ein konkrete Zahl: In den Nächten von Freitag auf Samstag sind statt 42 jetzt 50 Beamte kreisweit im Einsatz. Rebholz: „Das bedeutet, dass bei jedem Revier eine Streifenwagenbesatzung mehr unterwegs ist.“
Während es bei den schweren Diebstählen einen Rückgang gab, beobachten die Statistiker der Polizeidirektion einen Trend hin zu Sachbeschädigungen. „Es scheint, dass die Freude an der Zerstörung in der Motivation der Täter einen deutlich zunehmenden Stellenwert erlangt“, so die Aussage von Frank Rebholz. Die Sachbeschädigungen nahmen seit dem Jahr 2003 mit nunmehr 3653 gegenüber 3272 Delikten im Vorjahr kontinuierlich zu. Oftmals scheint der Grund für Vandalismus wie das Anzünden von Mülleimern oder das Einschlagen von Scheiben in der „Freude“ an der sinnlosen Zerstörung zu liegen, so die Einschätzung der Polizei.
Um der stetig wachsenden Internetkriminalität zu begegnen, gibt es mittlerweile im Bereich der Polizeidirektion Ludwigsburg 40 speziell ausgebildete Fahnder. Vor allem bei den Warenbetrügereien gab es eine deutliche Zunahme von 46,6 Prozent. Rebholz: „Wir können zwar nicht im Internet Streife surfen, aber wir können immer besser reagieren.“
Ein leichter Anstieg um 2,6 Prozent (883 Fälle) ist bei den Rauschgiftdelikten zu beobachten. Nach Schätzungen der Polizei muss davon ausgegangen werden, dass im Landkreis Ludwigsburg zwischen 2000 und 3000 Personen Konsumenten sogenannter „harter Drogen“ sind. 16 Menschen starben durch den Drogenkonsum.
Bei den Tatverdächtigen ist der hohe Anteil von Jugendlichen (unter 18 Jahren) mit 14,5 Prozent und von Heranwachsenden (unter 21 Jahren) mit 9,4 Prozent auffällig. Dabei werden die Taten selten alleine, sondern meist in der Gruppe begangen. Die Begehung von Straftaten unter Alkoholeinfluss hat in den Jahren zugenommen. Die Tatverdächtigen unter 21 Jahren waren bei Delikten der Gewaltkriminalität zu 29 Prozent alkoholisiert. Mit 47,4 Prozent stehen heranwachsende Gewalttäter am häufigsten unter Alkoholeinfluss. Im Jahr 2007 mussten beispielsweise 222 unter 21-Jährige mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden.
Im Bereich des Polizeireviers Vaihingen wurden im letzten Jahr 2687 Straftaten gezählt, eine Steigerung um 3,5 Prozent gegenüber 2007. In Eberdingen gab es 121 Straftaten (2007: 92), in Markgröningen 504 (516), in Oberriexingen 51 (27), in Sachsenheim 446 (465), in Schwieberdingen 348 (354), in Sersheim 123 (112) und in Vaihingen 1094 Straftaten (1029).




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