Vaihingen (aa) – Dieter Faigle vom Horrheimer Weingut hatte es geahnt. „Das wird ein Wein für einen Vaihinger Löwen“, meinte er vor Kurzem zu seiner Frau, als sie einen Lemberger aus dem Weingut Notz aus Hohenhaslach genossen. So war es. Faigle konnte seinem überglücklichen Kollegen Martin Notz gestern bei der Vaihinger Weinmesse die höchste Auszeichnung überreichen.
Weitere Löwen gingen an die Weinkellerei Hohenlohe und an die Bottwartalkellerei (siehe Ehrungsliste auf dieser Seite). „Der Preis ist ein hohes Zeichen für Qualität“, rühmte die württembergische Weinkönigin Christl Schäfer im Einklang mit Peter Hauk, dem baden-württembergischen Minister für Ernährung und Ländlicher Raum, der erstmals bei der Weinmesse zu Gast war und von seinem „Chef“, Ministerpräsident Günther Oettinger, gebeten worden war, Proben von den Siegerweinen mitzubringen. Hoffentlich hat es Hauk nicht vergessen…
Der einzige deutsche Lemberger-Wettbewerb hat sich als Qualitätssymbol bei den Konsumenten und ambitionierten Weinfreunden sowie bei den Erzeugern positioniert. Bereits in 17. Auflage haben die inzwischen noch acht Mitgliedsbetriebe der Vaihinger Weinmesse diesen Vergleich, der einst von Richard Hachenberger angestoßen worden war, initiiert. Als Trophäe gibt es in den drei Kategorien die Nachbildung der Wappentiers der Stadt Vaihingen, den Löwenpokal. 32 Genossenschaften und 68 Weingüter hatten diesmal 240 Weine angestellt (Rekordmarke), die Mehrzahl in der Kategorie gesetzlich trocken (103). Die meisten Weine waren vom Jahrgang 2007 (143), gefolgt von 2006 (69). Aber auch noch sechs Tropfen vom Sonnenjahrgang 2003 waren dabei. Und auch schon fünf von 2008. Die Jury hatte zwei Tage lang getestet (die VKZ hat berichtet).
Dass im Rahmen einer Preisübergabe natürlich auch Wein-Weisheiten ausgetauscht werden, versteht sich fast von selbst. „Wein ist nicht nur ein Getränk, sondern Philosophie“, meinte Vaihingens Oberbürgermeister Gerd Maisch. Das Leben sei viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken, zitierte Maisch Goethe. Diese Gefahr bestehe bei der Weinmesse nicht. In der Region stehe der Wein auch für Lebensqualität. Man brauche engagierte Erzeuger und passende Rahmenbedingungen.
Minister Hauk hatte auf dem Kaltenstein die Atmosphäre eines Gipfeltreffens ausgemacht und lobte die Aktion der Vaihinger Weinmesse, „die dem Lemberger schon vor 16 Jahren neuen Glanz gegeben hat“. Insgesamt sei der Württemberger Wein durchaus in der Spitzengruppe mit dabei, bestätigte der Badener aus Adelsheim. Und die Regierung lasse nicht alles nur so dahinplätschern, widersprach er immer wieder gehörten Vorwürfen, die sich zum Beispiel auf die Steillagen-Problematik beziehen. Hauk: „Wer Premium-Wein will, kann auf die Steillagen nicht verzichten. Wir halten einen Plan B bereit.“ EU-Gelder wolle man gezielt in die Region zurückgeben, damit Strukturen und Qualität im Land stärken. Insgesamt gelte es, die Weine aus dem Land unverwechselbar zu machen, auf ihren Charakter zu setzen.
Umrahmt von Haydn-Streicherklängen eines Quartetts der CJD Jugendmusikschule stellte Albrecht Fischer, Sprecher der Vaihinger Weinmesse, die Besonderheiten des Lembergers hervor. Ein „Bodagfährtle“ müsse er haben, sprich: einen langen, erdigen Nachgeschmack. Der könne vom Boden kommen. Doch es gebe weitere wichtige Faktoren; den größten Einfluss auf die Qualität nehme der Mensch – von der Pflanzung bis zum Keller. Fischer lud die Gäste dazu ein, den Lemberger einmal tiefer zu ergründen, das „Bodagfährtle“ zu erschmecken und dann selbstständig festzustellen: Jawohl, das ist ein Lemberger, das schmeckt man. Rund 100 Weine und Sekte konnten gestern nach der Preisverleihung, die vielen Besuchern insgesamt zu lang dauerte (fast zwei Stunden) getestet werden – dazu natürlich die Siegererzeugnisse. Das nennt man einen Wein-Festtag.
Die Siegerweine
Kategorie 1, trocken
1. und Gewinner des Vaihinger Löwen:
Weingut Martin Notz, Hohenhaslach
2007er Hohenhaslacher Kirchberg
Lemberger Spätlese trocken
2. Weingut Erich Hirth, Willsbach
2007er Willsbacher Dieblesberg
Lemberger trocken
2. Weinkellerei Hohenlohe
2007er Fürstenfass Gala
Lemberger trocken
Kategorie 2, höhere Restsüße als trocken
1. und Gewinner des Vaihinger Löwen:
Weinkellerei Hohenlohe
2007er Verrenberger
Lindelberg Lemberger Spätlese
2. Weingärtner Brackenheim
2007er Neipperger Steingrube
Lemberger Auslese
3. Heuchelbergkellerei Schwaigern
2007 Schwaigener Grafenberg
Lemberger Spätlese
Kategorie 3, Barrique
1. und Gewinner des Vaihinger Löwen:
Bottwartalkellerei
2007er Villa Bodibura
Lemberger Barrique
2. Weingut Eberbach Schäfer, Lauffen
2006er Lauffener Riedersbückele
Lemberger Spätlese trocken
3. Fellbacher Weingärtner
2006er Fellbacher Goldberg
Lemberger trocken im Barrique gereift
