Mittwoch, 23. Mai 2012

Kreisgrenzen sind kein Hindernis




Ein gut ausgebildetes Team steht an der Vaihinger Rettungswache für Notfalleinsätze bereit.
Ein gut ausgebildetes Team steht an der Vaihinger Rettungswache für Notfalleinsätze bereit.

Vaihingen (rkü) – Wenn der Rettungsdienst gerufen wird, muss es oft schnell gehen. Ob Herzinfarkt, Beinbruch oder Verkehrsunfall – die Helfer bemühen sich, ihre Kundschaft nicht lange warten zu lassen. Trotzdem bekommen sie manchmal gesagt: „Das hat eine Ewigkeit gedauert.“ Tatsächlich sind es meist nur wenige Minuten, die zwischen Notruf und Eintreffen des Rettungswagens liegen.

In Vaihingen ist die Rettungswache mitten in der Stadt. Von dort aus fährt der Rettungswagen zu seinen Einsätzen. Die liegen zu einem großen Teil im Stadtgebiet, aber manchmal sind auch weite Anfahrtsstrecken zu überwinden. Wenn bei Unfällen mehrere Personen schwere Verletzungen erlitten haben, wie dies am Mittwochabend bei Schützingen der Fall war, reicht ein Rettungswagen bei weitem nicht aus. Darum ist im Rettungsdienst die kreisübergreifende Zusammenarbeit besonders wichtig. Zusätzliche Hilfe in den Bereich Vaihingen kommt von den umliegenden Rettungswachen Mühlacker, Bietigheim und Ludwigsburg. Die Notärzte kommen aus Mühlacker und Bietigheim, bei Bedarf auch aus Ludwigsburg. Tagsüber ist darüber hinaus der Einsatz des Rettungshubschraubers aus Leonberg eine Option. Für den Patienten ist es schließlich egal, ob der Arzt mit dem Auto oder aus der Luft kommt – Hauptsache, er ist nach Erkennen des Notfalls möglichst schnell vor Ort und leistet Hilfe.

Nicht nur bei Großeinsätzen, sondern auch dann, wenn der Vaihinger Rettungswagen durch andere Einsätze blockiert ist, kommt die Hilfe von einer der umliegenden Rettungswachen. Ist absehbar, dass die Abwesenheit länger dauert, weil zum Beispiel ein Patient in eine Spezialklinik nach Stuttgart gefahren werden muss, bleibt der Raum Vaihingen nicht lange verwaist. „Ein Fahrzeug verlässt dann die Rettungswache in Bietigheim und postiert sich in Sachsenheim“, erläutert DRK-Pressesprecher Arnim Bauer. Dadurch werde die Zeit verkürzt, die der Rettungswagen im Einsatzfall nach Vaihingen brauchen würde, er sei aber gleichzeitig auch nicht weit weg von Bietigheim.

Was mit den Patienten geschieht, nachdem sie vom Rettungsdienst vor Ort versorgt wurden, entscheidet sich jeweils im Einzelfall. Je nach Verletzungsmuster könnten kleinere Krankenhäuser wie in Vaihingen mit der Behandlung überfordert sein. Werden spezielle Geräte benötigt, um eine sinnvolle Behandlung zu ermöglichen, ist oft ein Transport nach Ludwigsburg angesagt. Gibt es bei einem Unfall mehrere Schwerverletzte, werden diese unter Umständen ohnehin auf verschiedene Krankenhäuser verteilt, um eine schnelle und gute Behandlung zu gewährleisten. Joachim Bohlinger, Leiter der Rettungswache Vaihingen, sagt: „Wir wollen ja nicht ein Krankenhaus mit Schwerverletzten überfluten.“ Bauer ergänzt: „Es brächte nichts, das Chaos von der Unfallstelle auf den Krankenhausflur zu verlagern.“ Mit dem Rettungshubschrauber ist ein Transport beispielsweise nach Stuttgart auch nicht viel zeitaufwendiger als wenn ein Patient mit dem Rettungswagen nach Mühlacker oder Bietigheim gefahren wird.

Die Koordination ist Sache des Einsatzleiters, der eng mit der Rettungsleitstelle zusammenarbeitet. Diese ist in Ludwigsburg angesiedelt und für den gesamten Landkreis zuständig. Tagsüber sind drei Arbeitsplätze in der Leitstelle besetzt, drei weitere Plätze könnten bei Bedarf jederzeit zusätzlich besetzt werden. Nachts hat in der Leitstelle nur ein Disponent Dienst. Die Zahl der Notfälle ist nachts geringer als tagsüber, vor allem fallen aber die vielen Krankenfahrten weg, die ebenfalls von dieser Zentrale koordiniert werden. Sollte der Disponent nachts doch einmal überlastet sein, wird der Anrufer sofort an die Feuerwehrleitstelle weiter verbunden. Diese ist ebenfalls in Ludwigsburg untergebracht. Sollte diese überlastet sein, wird zur Rettungsleitstelle weiterverbunden. Aus dieser Zusammenarbeit ergibt sich auch, dass Leitstellenpersonal eine vielseitige Ausbildung absolviert haben muss: Die Disponenten der Rettungsleitstelle müssen sich auch bei der Feuerwehr auskennen, diejenigen der Feuerwehr müssen medizinische Grundkenntnisse haben.

Bei einem Notfall sollte man sich trotz der verständlichen Aufregung daran erinnern, was man im Erste-Hilfe-Kurs gelernt hat: Das korrekte Absetzen eines Notrufs. Klare Angaben zum Ort, zur Art der Verletzungen oder Beschwerden und zur Zahl der betroffenen Personen sind wichtig. Nur dann kann der zuständige Disponent in der Leitstelle auf Grundlage dieser Fakten entscheiden, welche Mittel er in Bewegung setzen muss. Wird ein Rettungswagen benötigt? Reicht die Hilfe durch die beiden Rettungsassistenten aus, die dort mitfahren oder muss parallel dazu auch der Notarzt anfahren? Falls es sich um einen Unfall handelt: Muss die Feuerwehr hinzugezogen werden, um Verletzte aus einem demolierten Auto zu befreien? Helmut Brukner von der Rettungsleitstelle erklärt, dass inzwischen auch mehr als 700 Teilnehmer am Hausnotrufsystem mit der Leitstelle verbunden seien. Von dieser Zentrale aus werden sowohl die Einsätze des DRK als auch die des ASB abgewickelt.

Wird einem bestimmten Rettungswagen von der Leitstelle ein Auftrag zugeteilt, erhält das Navigationssystem dieses Fahrzeugs inzwischen automatisch die Koordinaten der Einsatzstelle. Flächendeckend und rund um die Uhr soll professionelle Hilfe innerhalb von 15 Minuten nach Eingang des Notrufs eintreffen. Das ist in Baden-Württemberg durch Rettungsdienstgesetz und Rettungsdienstplan geregelt und gilt für 95 Prozent aller Einsätze. Das bedeutet, dass maximal in jedem 20. Fall die vorgegebene Frist überschritten werden darf – beispielsweise wegen Verzögerungen durch dichten Feierabendverkehr oder weil der örtliche Rettungswagen gerade im Einsatz ist und darum der einer weiter entfernten Wache anfahren muss. Im Kreis Ludwigsburg wird die Frist in der Regel eingehalten.
Probleme gibt es eher in ländlichen Gebieten, wo zwischen Wache und Patient größere Distanzen liegen. Dort kann das System der „Helfer vor Ort“ Vorteile bringen. Dabei handelt es sich meist um DRK-Ortsvereine, die ähnlich wie die Feuerwehren über Meldeempfänger alarmiert werden und bei Notfällen in ihrer Heimatgemeinde Hilfe leisten, bis der Rettungsdienst aus der nächsten Stadt eingetroffen ist. Im Kreis Ludwigsburg wird dies nicht praktiziert, im Enzkreis dagegen in vielen Gemeinden.


Krankenwagen oder Notarzteinsatzfahrzeug? Ein Überblick über die gebräuchlichsten Rettungsmittel

Wenn Menschen dringend medizinische Hilfe benötigen, werden je nach Schwere ihrer Verletzung oder Erkrankung verschiedene Rettungsmittel eingesetzt.

Der Krankentransportwagen (KTW) ist ein Fahrzeug, mit dem erkrankte oder verletzte Personen sitzend oder liegend transportiert, während der Fahrt aber nur sehr eingeschränkt behandelt werden können. Darum spielt er im Rettungsdienst eine untergeordnete Rolle. Viele Krankentransportwagen sind nur tagsüber besetzt, wenn besonders viele Patienten zwischen Heimen, Kliniken und Fachärzten transportiert werden müssen.

Standardfahrzeug des Rettungsdiensts ist der Rettungswagen (RTW). Vereinfacht gesagt, handelt es sich hierbei um eine Art Lieferwagen mit Spezialaufbau. Er bietet eine umfangreiche medizinische Beladung und ermöglicht schon an der Einsatzstelle, aber auch während der Fahrt zum Krankenhaus eine Behandlung des Patienten nach modernen notfallmedizinischen Erkenntnissen. Oft bleibt der RTW zunächst einige Zeit vor Ort, um den Patienten vor dem Transport zu stabilisieren. Die Besatzung besteht im Kreis Ludwigsburg in der Regel aus zwei Rettungsassistenten, deren zweijährige Berufsausbildung speziell auf die Bedürfnisse des Rettungsdiensts zugeschnitten ist. Einer von beiden dürfte aber auch Rettungssanitäter sein.

Das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) ist in der Regel ein Kombi, der mit Notarzt und Rettungsassistent (als Fahrer) besetzt ist. Der Arzt wird bei besonders gravierenden Fällen oder unklaren Lagen hinzugezogen. Er wird im sogenannten Rendezvous-System mit diesem Fahrzeug zur Einsatzstelle gebracht, wo er dann auf die Besatzung des Rettungswagens trifft.

Der Rettungshubschrauber ist grundsätzlich mit Notarzt und Rettungsassistent besetzt. Ein Einsatzbereich ist der schonende Transport von Patienten mit Verdacht auf Wirbelverletzungen. Der Hubschrauber kommt aber auch zum Einsatz, wenn Patienten über längere Strecken verlegt werden müssen oder an einer Einsatzstelle dringend ein Notarzt benötigt wird, in der Nähe aber kein Notarzt-Einsatzfahrzeug verfügbar ist.




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