Vaihingen (ub) – „Alle waren sich einig, dass der Saal in einem gestalterisch unwürdigen Zustand war“, sagt Alfred Berenz. Künftig kann der stellvertretende Leiter des Vaihinger Jugenddorfes Schloss Kaltenstein dagegen von einem Schmuckstück sprechen. Derzeit wird der Rittersaal im Christlichen Jugenddorfwerk grundlegend umgebaut. Kosten: rund 60000 Euro.
Die Idee, den Rittersaal wieder in den Originalzustand zu versetzen, gibt es im Jugenddorf schon lange. Jetzt gab es von allen beteiligten grünes Licht: Schreinermeister Ernst Schreibbauer, früherer Ausbilder im Schloss, machte Pläne über den Rückbau des Saals, die Jugenddorfleitung mit Klaus-Dieter Drensek und Alfred Berenz nickten freudig, Dr. Norbert Bongartz vom der Denkmalpflege des Regierungspräsidiums Stuttgart machte Gestaltungsvorschläge, die Zustimmung über die Finanzierung kam vom Land Baden-Württemberg als Eigentümer des Schlosses.
Experten und Auszubildende des Jugenddorfes sind jetzt fleißig am Arbeiten. Gestern wurden beispielsweise die Stuckarbeiten abgeschlossen. Der neu gestaltete Rittersaal des 1096 erstmals erwähnten Schlosses Kaltenstein soll im Juni eingeweiht werden. Vom 19. bis 21. Juni findet das erste mittelalterliche Spektakulum zum 60-jährigen Bestehen des Vaihinger Jugenddorfes statt. Rittermahl, mittelalterliches Treiben und ein Tag der offenen Tür sind die Eckpfeiler des Programms.
Und wie wird der Rittersaal, der als Konferenzraum, für Konzerte und für repräsentative Zwecke genutzt wird, gestaltet? Die abgehängte Decke wird entfernt und es gibt es eine Felderung in Stuck, welche die Flächen der zwei Schiffe in je vier Felder gliedert. Hier kommen acht Leuchten hin, welche aus 1,50 Meter weit abgehängten lampen-besetzten Metallreifen von zwei Meter Durchmesser bestehen. Die Randstuckprofile der Zeit um 1900 werden in das neue Konzept integriert. An den Wänden entsteht eine umlaufende etwa 2,20 Meter hohe hölzerne Wandverkleidung. Ihre Höhe entspricht der Unterkante des Renaissance-Stuckfeldes an der südöstlichen Stirnwand. Es werden hochrechteckige Paneele von 60 bis 80 Zentimeter Breite entstehen, oben ein kräftiges Abschlussprofil, unten ein Sockel, in dem die Installationen geführt werden. Die Saaltüren sollen ebenfalls ein kräftige Einfassung erhalten. Auch ein vorhandener Kamin soll für optische Zwecke wieder dargestellt werden.
„Wir bekommen auf jeden Fall einen sehr schön restaurierten Saal wie er vor hunderten von Jahren gewesen ist“, freut sich Berenz.
Beim Fest im Juni werden die Rittersleut’ den neuen Rittersaal aber nicht in Beschlag nehmen. Der mittelalterliche Schmaus findet in der Aula statt und das Marktreiben, Gaukeleien und ein Bogenturnier in den Außenanlagen. Berenz: „Das mittelalterliche Treiben zu unserem 60-jährigen Bestehen soll aber keine Eintagsfliege bleiben.“ Das Vaihinger Schloss, das seit 25. Mai 1949 als christliches Jugenddorf genutzt wird, ist auch der ideale Rahmen für ein mittelalterliches Treiben.
