Vaihingen (aa) – Auf nach Ungarn! Vom 23. bis 26. April reisen über 100 Vaihinger nach Köszeg. Das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen Vaihingen und Köszeg soll zweimal ausgiebig gefeiert werden. Zuerst beim Weintriebefest in Ungarn, dann am 4. September als Vorspann zum Straßenfest unterm Kaltenstein.
„Wir brauchen für unseren Besuch im April zwei große Busse“, sagt Miriam Frick, bei der im Rathaus Vaihingen die Fäden in Sachen Partnerschaft zusammenlaufen. Mit von der Partie ist unter anderem der Roßwager Spielmannszug, der in Ungarn schon alleine mit über 30 Musikern in Aktion treten wird (zusammen mit der Blaskapelle Köszeg).
Da die Feier ins Köszeger Weintriebefest – es findet immer am 24. April statt – eingebunden ist, werden auch Vaihinger Weingärtner nach Ungarn reisen und sich dort an der internationalen Prämierung beteiligen. Der Förderverein Kinder- und Jugendtanz schickt sieben Tänzerinnen mit auf die Reise. Sie werden in Köszeg mit einer ungarischen Gruppe Tänze einstudieren.
Los geht die Reise am Donnerstag, 23. April um 6 Uhr; planmäßige Ankunft in Köszeg ist um 18 Uhr. Es versteht sich, dass Oberbürgermeister Gerd Maisch, Bürgermeister Wilfried Nestle und Vertreter der Gemeinderatsfraktionen die Delegation begleiten. Mit im Gepäck sind auch Weinreben aus Vaihingen, deren Vegetationszustand ebenfalls in das goldene Buch eingetragen wird. Seit 1740 wird in Köszeg am St.-Georgstag dieser Brauch gepflegt. Die Triebe werden am 24. April vor dem Rathaus der Stadt präsentiert.
Im Programm findet man unter anderem einen Vortrag über den Fall des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer; vorgesehen ist zudem ein Jugendworkshop mit Vertretern der österreichischen Partnerstadt Köszegs und eine Fotoausstellung mit dem Titel „Europäische Fußspuren“. Der offizielle Festakt mit anschließendem Ball ist am 25. April vorgesehen.
Wie kam es zur Partnerschaft mit Köszeg? Der Gemeinderat Vaihingen hatte 1985 an die Verwaltung den Auftrag gegeben, sich um eine Städtepartnerschaft zu bemühen. Angedacht war zunächst eine Kommune in der DDR. Man stieß letztlich auf die westungarische Stadt Köszeg, die von der Struktur und von der Größe her mit Vaihingen vergleichbar war. 1989 wurde die Partnerschaft offiziell besiegelt.
Die Überwindung des Ost-West-Gegensatzes wurde bereits 1990 durch die Öffnung der ungarischen Westgrenze Wirklichkeit. Die Stadt – 797 Kilometer von Vaihingen entfernt – liegt an der Grenze zu Österreich am Fluss Gyöngos und Fuße des Köszeger Gebirges. Mit 12000 Einwohnern ist Köszeg eine der kleinsten Städte Ungarns und gilt auch als eine der schönsten. Die meisten Menschen sind in Industrie und Gewerbe beschäftigt. Aber auch der Dienstleistungssektor gewinnt an Bedeutung. Um die Verluste aus dem Wegbrechen der Textilindustrie zu kompensieren, setzt die Stadt auf die medizinische Nutzung des vorhandenen, kohlesäurehaltigen Kaltwassers.
Berühmt wurde Köszeg im Jahre 1532, als der Burghauptmann Miklós Jurisics die Festung 25 Tage lang mit einer kleinen Besatzung gegen die viel stärkeren türkischen Truppen verteidigte – und damit wohl auch eine Eroberung Wiens verhinderte. Das heutige Stadtbild wird vor allem durch den Baustil des 18. Jahrhunderts geprägt.
Das Zentrum der Altstadt bildet der Jurisics tér, das man durch das Heldentor (Hösi Kapu) erreicht. Sehenswert ist die Rájnis József utca in der Nähe des Burgtors mit ihren stufenförmig versetzten Häusern aus dem Mittelalter. Die Burg Köszeg befindet sich am Nordwestrand der Innenstadt und ist durch eine Vorburg zu erreichen. Die Burg entstand im 13. Jahrhundert, wobei sie ihre heutige Gestalt erst nach dem Brand im Jahre 1777 erhielt.