Sersheim (elf) – Es war im Jahr 1981, als sie für einen handfesten Skandal sorgten – den „Skandal im Sperrbezirk“. Was folgte, war die beispiellose Karriere einer deutschen Musikgruppe, die mit bajuwarischem Rock’n’Roll begeisterte. Am Freitagabend gastierte die Spider Murphy Gang in der Sport- und Kulturhalle in Sersheim und ließ Erinnerungen sowie einiges vom alten Glanz wieder aufblitzen.
Günther Sigl ist das Gesicht der Spider Murphy Gang. Mit stoischer Mine und unverwechselbarer Stimme zieht er seine Fans seit 30 Jahren in den Bann. Heute ist er angegraut, hat ein kleines Bäuchlein und kann auch seine Falten nicht verstecken. Kein Wunder, schließlich ist er im Februar 62 Jahre alt geworden. Doch die sieht man ihm wahrlich nicht an. So passt es auch, dass die in die Jahre gekommenen Kultrocker aus München ihre E-Gitarren zuhause gelassen haben. Die Acoustic-Tour, mit der die Spider Murphy Gang durch Deutschland reist, schlägt leisere Töne an. So lässt die Band vom Veranstalter Sport und Kulturverein Sersheim (SKV) Stühle aufstellen. Somit ist klar: Es wird keine kreischenden Mädels geben wie in den 80ern, es wird auch keine Hörstürze geben. Dafür taugt auch das Publikum nicht, das – wie die Spider Murphy Gang – die Jugend schon einige Jahre hinter sich hat. Umso erfreulicher: Der Spaßfaktor ist so hoch geblieben wie einst. Der nostalgische Charme, den die Band versprüht, ist gewaltig. Bereits der erste Ton von Günther Sigls unverwechselbaren Stimme verspricht eine tollen Abend und eine musikalische Reise in die Vergangenheit. Die besteht nicht nur aus den Stationen des eigenen Wirkens, sondern auch aus zahlreichen Liedern von Rock’n’Roll-Größen wie Hank Williams, Carl Perkins, Chuck Berry, Rocco Granata oder Elvis Presley.
So wechseln sich Evergreens wie „Honky Tonk Blues“ und „Jailhouse Rock“ ab mit Eigenkompositionen wie „Ich schau Dich an“ und „Pfüah Di Gott Elisabeth“. Nach 30 Minuten dann der richtige Knaller: Die Spider Murphy Gang stimmt mit „Schickeria“ einen ihrer größten Erfolge an. Und kaum zu glauben: Die Bayernrocker spielen das Lied – im Sitzen! Doch es funktioniert. Der Funke springt auf das Publikum über, das feste in die Hände klatscht und die Beine wippen lässt. Da klingt es schon ein wenig selbstironisch, wenn Günther Sigl nach dem Lied feststellt: „Da seid’s ins Schwitza kemma – deshalb schpuiln m’r jetzt a Balladn.“ Dafür taugte „Sommer in der Stadt hervorragend. Und als die Band die knapp 1000 Zuschauer mit „Wer wird denn woana?“ in die Pause schickt , hat niemand Tränen in den Augen – höchstens vor Freude über das Konzert. Was folgt, ist noch einmal mehr als eine Stunde Hits der Rock’n’Roll-Geschichte. Spätestens „Rock around the Clock“ leitet das fulminante Finale ein, das mit „Skandal im Sperrbezirk seinen ultimativen Höhepunkt erlebt.
Die Spider Murphy Gang in Sersheim? Da hat es schon ein wenig an Überzeugungskraft seitens der Verantwortlichen des SKV gebraucht. Doch Vorsitzender Gerd Langer und seine Mitstreiter konnten nachweisen, dass sie Erfahrung haben mit dem Organisieren großer Events. Christoph Sonntag, Hans Söllner, Stumpfes Zieh und Zupfkapelle – jedes Jahr hat der Verein ein Zugfperd im Angebot. Das überzeugte auch die Münchner Rockmusiker, die dann zusagten. Die Konsequenz: Eine Riesennachfrage nach Tickets für das Konzert, das bereits zu Weihnachten schon so gut wie ausverkauft war. Und so gab es ihn noch einmal zu spüren, den rebellischen und witzigen Glanz der Spider Murphy Gang – „’s Leb’n is wia a Traum“.
