Mittwoch, 23. Mai 2012

Raser und Drängler als Unfallverursacher




Im Jahr 2008 hat es im Kreis Ludwigsburg rund 11000-mal gekracht. Wie hier im Januar 2008 zwischen Ensingen und Horrheim. Foto: VKZ-Archiv

Ludwigsburg – Der Straßenverkehr im Landkreis Ludwigsburg ist 2008 im Vergleich zum Vorjahr sicherer geworden. Weniger Unfälle, weniger Verletzte. Dennoch mussten 17 Menschen im Verkehr sterben.

Es ist erfreulich und traurig zugleich. Im Kreis Ludwigsburg sind im vergangenen Jahr weniger Verkehrsteilnehmer umgekommen als in anderen Teilen des Landes. Die Ludwigsburger Polizei spricht von einem „ausgesprochen niedrigen Wert“. Trotzdem wurde 17 Menschen der Verkehr im Kreis zum Verhängnis. „Noch immer 17 zu viel“, schreibt die Polizei in ihrer Verkehrsjahresbilanz für das Jahr 2008.

Stolz ist die Polizei auf das niedrige Niveau trotzdem. Und sie hat allen Grund dazu. Zum Vergleich: Im Jahr 1998 lag die Anzahl der Verkehrstoten noch bei 27. Und in den 70er-Jahren waren es noch mehr. Damals kratzte die Zahl regelmäßig an der 100er-Marke – und das, obwohl die Menge des Verkehrs in dieser Zeit noch relativ gering war. Auch im Jahr 2007 starben 17 Menschen auf den Straßen im Kreis Ludwigsburg.

Nicht nur die Anzahl der Unfalltoten ist in der Verkehrsbilanz der Polizei positiv vermerkt. Auch die Zahl der Unfälle hat sich reduziert. Genau 11268 Vorfälle hat die Polizei im Jahr 2008 registriert. Das sind 1,9 Prozent weniger Unfälle als im Jahr 2007. Rund 6000-mal handelte es sich um Bagatellunfälle. Die Anzahl der Personenschäden ging von 1603 im Jahr 2007 um 13,3 Prozent auf 1390 zurück. Schwer verletzt wurden 285 Menschen, mit leichten Verletzungen kamen 1445 Verkehrsteilnehmer davon.

Stark verbessert hat sich die Sicherheit auf dem Weg zur Schule. Um ein gutes Drittel sank die Zahl der Schulwegunfälle auf einen Wert von 35. „Hierbei wurde eine Person tödlich, sieben schwer- und 29 Personen leicht verletzt“, heißt es in dem Bericht der Polizei. Verändert hat sich laut der Statistik auch die Menge der Unfälle mit Kindern allgemein. Sie ging leicht um 1,9 Prozent auf 158 Fälle zurück. Ähnlich verhält es sich mit den Unfällen, in die Senioren verwickelt waren. Sie haben sich um 1,1 Prozentpunkte auf 916 Fälle nur geringfügig verringert.

Bei den motorisierten Zweiradfahrern – vom Mofa bis zum Motorrad – waren 11,6 Prozent weniger Unfälle zu verzeichnen. Der Wert sank auf 328 Fälle. Grund für den starken Rückgang ist das gute Wetter im Jahr 2007: Damals waren extrem viele Motorradfahrer auf den Straßen unterwegs. Im Jahr 2008 lockte das Wetter nicht ganz so viele Fahrer. Radfahrer verunglückten laut dem Papier der Polizei 304-mal. Bei Unfällen mit Fußgängern weist die Statistik die Zahl 184 aus.

In puncto Unfallursachen fördert die Statistik keine neuen Erkenntnisse zu Tage. Es sind altbekannte Fehler, die für die meisten brenzligen Situationen im Jahr 2008 gesorgt haben. Durch überhöhte Geschwindigkeit wurden 305 Unfälle verursacht. In 188 Fällen gab es Verletzte. Durch Nichtbeachten von Vorfahrtsregelungen passierten 849 Unfälle, 236-mal wurden dabei Menschen verletzt. „Somit ist die Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall mit der Ursache Geschwindigkeit verletzt zu werden deutlich höher, als bei einem Unfall durch Nichtbeachten der Vorfahrt“, heißt es in dem Papier.

Trotz vieler Kontrollen betrunken hinterm Steuer

Raser und Drängler waren auch für vier der 17 Unfälle mit Todesfolge verantwortlich. Jeweils zwei Menschen mussten sterben, weil ein anderer die Vorfahrt missachtete, Alkohol getrunken hatte oder beim Abbiegen nicht aufpasste. Zweimal waren Fußgänger, die sich falsch verhalten hatten, schuld. Neben sieben Autofahrern tauchen in der Statistik sechs Fußgänger, zwei Motorradfahrer, ein Mofa-Fahrer und die Mitfahrerin eines Motorradfahrers auf, die bei den Unfällen tödlich verletzt wurden.

Trotz vielfacher Kontrollen spielen Alkoholvergehen in der Unfallstatistik eine erhebliche Rolle. Die Gesamtzahl der Alkoholunfälle reduzierte sich jedoch von 290 auf 250. Drei Personen wurden dabei getötet, 34 Personen schwer und 89 Personen leicht verletzt.

Dem zu schnellen Fahren hat die Polizei im Kreis den Kampf angesagt. Auch in Zukunft wird sich daran nichts ändern: „Eine Möglichkeit, dieses Verhalten einzudämmen, liegt in der Geschwindigkeitsüberwachung“, sagt Frank Rebholz, Leiter der Polizeidirektion Ludwigsburg. Deshalb wurden alle sieben Polizeireviere im Kreis und die Verkehrspolizei mit mobilen Handmessgeräten ausgestattet. In dem Bericht wird angekündigt, dass es weiterhin „intensive und konsequente“ Verkehrskontrollen geben soll. Aber nicht nur in Sachen Geschwindigkeit – es werden auch Alkohol- und Drogentests durchegführt.

Philipp-Marc Schmid




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