Mittwoch, 23. Mai 2012

Naherholung und Naturerfahrung




Blick vom Hochsitz auf das Plangebiet „Staudenwald“ bei Nussdorf, das für die extensive Naherholung reserviert werden soll. Foto: Bögel
Blick vom Hochsitz auf das Plangebiet „Staudenwald“ bei Nussdorf, das für die extensive Naherholung reserviert werden soll. Foto: Bögel

Nussdorf (ub) – Die Idee für das Sondergebiet am ehemaligen Römerweg wurde publik, als die Diskussion um ein geplantes Sprengstofflager in Nussdorf vor zwei Jahren eskalierte. Der Gemeinderat verhängte eine Veränderungssperre für das Areal rund um das Weissacher Loch und wollte dort eine Schutzhütte, einen Naturlehrpfad, eine Feuerstelle und eine Finnenbahn bauen. Das Gremium will heute Abend einen erneuten Aufstellungsbeschluss fassen.
Allerdings werden diese Projekte fallen gelassen und der Fokus liegt auf mehr Naherholung und mehr Naturerfahrung. Deshalb wird das Bebauungsplanverfahren „Staudenwald“ eingeleitet, das im Wesentlichen die Gewanne Weissacher Loch, Margaretaforchen, Schinderbrunnen und Zabelbaum umfasst.
Die Planung sieht mit dem Schwerpunkt auf einem Flurstück folgende Maßnahmen und Einrichtungen für die extensive Naherholung vor: Anlage eines Tümpels im Bereich der topografischen Senke, Anlage von zwei sogenannten Insektenhotels, Errichtung von Trockenmauern, Anlage von Ruhe- und Beobachtungsplätzen, Errichtung von Infotafeln, Entwicklung eines gestuften Waldmantels, Freilegung des verrohrten Schinderbrunnens, ökologische Umgestaltung des vorhandenen Vorfluters.
Darüber hinaus soll es geeignete Maßnahmen zur Entwicklung eines Biotopverbundsystems geben: Einzelbäume, Feldhecken und Streuobstwiesen. Diese Maßnahmen sollen auch geeignet sein, als naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahmen gewertet zu werden und das Plangebiet weiter räumlich zu strukturieren.
Im „Staudenwald“ möchte die Gemeinde ein Angebot für die erholungssuchende Bevölkerung machen. Die Grundschulen sollen im Zusammenhang mit dem FFH-Gebiet „Lichthölzle“ im Westen ihren Naturerfahrungsexkursionen durchführen können. Auch die Kindergärten in Nussdorf und Eberdingen können das Gebiet zur spielerischen Naturerfahrung („Waldkindergarten“) nutzen.
Im ersten Aufstellungsbeschluss vom März 2007 sollte die Fläche südlich von Nussdorf mit mehr Freizeiteinrichtungen „aufgerüstet“ werden: Fitnessgeräte waren ebenso geplant wie eine Ball- und Liegewiese samt Feuerstelle mit Sitzgelegenheiten. Im neuen Bebauungsplan liegt der Schwerpunkt mehr auf Naherholung und Naturerfahrung. Durch die muldenförmig abgesenkte Lage sei das Gebiet frei von Lärm und sonstigen Immissionen. Überwiegend sind die Flächen nach Süden exponiert, der Waldsaum ist ost- und teilweise südorientiert, das heißt es herrschen dort optimale Besonnungsverhältnisse.
Westlich der vorhandenen Trinkwasserleitung im Staudenwald grenzt ein nach europäischem Recht geschütztes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) an, das sich auch über das südlich an den Wald angrenzende Heutal erstreckt.
Trotz der extensiven Naherholung, die auf ein Flurstück begrenzt werden soll, sollen in dem Gebiet weiterhin Flächen für Landwirtschaft, Grün- und Wiesenflächen, Flächen und Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft zulässig sein.
Bei der Gemeinderatssitzung heute Abend will der Gemeinderat auch die Veränderungssperre für das Gebiet Staudenwald um ein weiteres Jahr auf drei Jahre verlängern. Diese Veränderungssperre von März 2007 sollte das Sprengstofflager auf diesem Gebiet, das als Sondergebiet ausgewiesen wurde, verhindern.
 Da das Bebauungsplanverfahren noch nicht zum Abschluss gebracht wurde, sollen mit der Verlängerung der Sperre mögliche Veränderungen auf dem Areal, die den künftigen Zielen der Bauleitplanung widersprechen könnten, unterbunden werden.




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