Mittwoch, 23. Mai 2012

Kompromiss bei der Peterskirche




04/03 2009

Kompromiss bei der Peterskirche

Wie werden die Freiflächen bei der Peterskirche gestaltet: mit oder ohne Aufenthaltsqualität? Foto: Bögel
Wie werden die Freiflächen bei der Peterskirche gestaltet: mit oder ohne Aufenthaltsqualität? Foto: Bögel

Vaihingen (ub) – Die Planung für die Freianlagen an der Peterskirche in Vaihingen werden zum Dauerbrenner. Die Frage ist, ob die kommunalpolitischen Entscheidungsträger überhaupt einen Platz mit Aufenthaltsqualität wollen. Die Anwohner haben jedenfalls ihre Bedenken gegenüber eine „Kultur-Ecke“ als auch einer „Grünen Oase“ geäußert. Auch der Stadtteilausschuss favorisiert jetzt eine abgespeckte Version.
Der Stadtteilausschuss hatte sich am 12. Januar mehrheitlich für eine „Kultur-Ecke“ an der Peterskirche ausgesprochen. Zur Ergänzung der Peterskirche als Kulturstätte wäre ein Freiluft-Theater mit Sitzrängen vorstellbar gewesen. Der Technische Ausschuss kippte die Empfehlung und wollte zuerst eine Nachbaranhörung.
„Am liebsten will man, dass gar nichts geschieht oder das Gelände nur so gerichtet wird, dass es zum Aufenthalt von Menschen nicht einlädt“, fasste Stadtplaner Ernst Loos das Ergebnis zusammen. In einem Schreiben der Anwohner vom Graben heißt es: „Durch eine Kultur-Ecke wären wir einer enormen Lärmbelästigung ausgesetzt. Nicht nur unsere Terrassen sind zur Peterskirche ausgerichtet, sondern auch unsere Schlazimmer. Die selben Bedenken haben wir auch bei einer Grünen Oase. Der Grünwuchs, wie er bislang an der Peterskirche besteht, hat uns vor Blicken Fremder auf unsere Terrassen, Wohn- und Schlafzimmer bisher bewahrt. Wenn dies nun umgestaltet wird, wäre dieser Sichtschutz zerstört.“
Bei dem Anwohnergespräch machte die Stadtverwaltung klar, dass auf die sogenannte Nutzbarmachung der Fläche bei der Peterskirche nicht verzichtet werden könne, da es in der Innenstadt einen Mangel an Grün- und Freiflächen gebe. Loos: „Eine Attraktivitätssteigerung gerade in diesem Bereich ist besonders wichtig. Die einzige derzeit verfügbare Fläche ist der Bereich um die Peterskirche.“
Bei der Realisierung einer „Grünen Oase“ (hier sehen die Planer Wasser als belebendes Element sowie einen einladenden Weg, der sich stufig durch das Gelände schwingt und zum Verweilen einlädt) listete die Verwaltung für die Sitzung des Stadtteilausschusses am Montagabend eine Liste von Wünschen der Anwohner auf, die größtenteils berücksichtigt werden könnten: ein ausreichend hoher Sichtschutz entlang der Grundstücksgrenze, Zäune und Tore am Eingangsbereich, das Aufstellen von Mülleimern, die Verlagerung des Weges näher zur Peterskirche, das Abstellen von Wasser und Beleuchtung in den Nachtstunden, keine Veranstaltungen im Garten.
Über eine Stunde lang debattierten die Mitglieder des Stadtteilausschusses über das Projekt Freiflächen bei der Peterskirche. Schließlich gab es eine knappe Mehrheit (acht Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen) für einen Antrag von Friedrich Wahl: Eine abgespeckte Variante der „Grünen Oase“ mit dem Verzicht auf einen Wasserlauf. Keine Mehrheit fand der Antrag von Jürgen Rapp (fünf Ja-Stimmen, acht Nein-Stimmen), die Festverglasung im früheren Durchgang der Peterskirche zu öffnen, damit so der Platz während den Veranstaltzungen genutzt werden könne.
Damit war der Verwaltungsvorschlag für eine „Grüne Oase“ mit der Berücksichtigung der Wünsche der Anlieger erst einmal vom Tisch. Am 11. März diskutiert nichtöffentlich der Technische Ausschuss, am 18. März entscheidet der Gemeinderat.
Zuvor verteidigte Armin Zeeb die Umgestaltung: „Uns fehlen absolut die kleinen Plätze in der Innenstadt.“ Er sehe keine Gefahr von Störungen und Menschenansammlungen und plädiere deshalb für die Kultur-Ecke. Ulrike Schmidt-Hitschler: „Die Grüne Oase wäre ein Kompromiss. Wir haben nur elf Prozent grüne Flächen privat und öffentlich innerhalb der Stadtmauern. Da ist die Fläche bei der Peterskirche eine einmalige Chance.“ Bürgermeister Wilfried Nestle: „Wir haben den Rahmenplan mit Grünflächen für die Innenstadt beschlossen und sollten deshalb bei der Umsetzung nicht gleich einknicken.“ Es sei aber auch nicht sinnvoll, gegen den Willen der Betroffenen das Projekt stur durchzusetzen. Deshalb könne man sich an der Kompromisslösung „Grüne Oase“ aufrichten.
Als „Anwalt“ der Anlieger argumentierte Friedrich Wahl: „Die Anwohner wollen nur ein Aufräumen des Platzes. Da brauchen wir keinen Wasserlauf.“ Eberhard Zucker plädierte für eine abgespeckte Variante angesichts des „Mini-Platzes“ und der im Raum stehenden Kosten von 100000 Euro. Ein Kompromiss sei, den Hang zu bepflanzen und den Weg direkt an der Peterskirche vorbeizuführen. Walter Sämann: „Wir brauchen einen Kompromiss, so dass die Anlieger einigermaßen zufrieden sind.“
Bis zur Sitzung des Technischen Ausschusses sind nun die Planer gefordert. Sie sollen die Gestaltung der „Grünen Oase“ zeichnerisch neu erfassen – ohne einen schmalen Bachlauf und einen „Wasserfall“ in ein Becken.




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