Oberriexingen (elf) – Die französische Gemeinde Ennery ist mit 746 Hektar kleiner als Oberriexingen und hat 1000 Einwohner weniger (rund 2000). In diesem Jahr feiert die Partnerschaft zwischen den beiden Kommunen bereits ihr 30-jähriges Bestehen. Mit dem Bus und per Fahrrad werden Oberriexinger den Weg nach Frankreich antreten, um dort die Jubiläumsfeierlichkeiten von 1. bis 3. Mai miterleben zu können.
„Wenn ich bis dahin fit bin, werde ich mich mit dem Fahrrad auf die Strecke machen“, sagt Bürgermeister Willi Baur, der sich vorher noch einer Operation unterziehen muss. Genau 670 Kilometer sind es von Oberriexingen bis Ennery, das nördlich von Paris im Oise-Tal liegt und zum Kanton des Sausseron-Tals gehört. Deswegen werden die drei Radler (Willi Baur, Peter Haug und Samuel Karner) bereits eine knappe Woche vorher starten und die Strecke in sechs Etappen aufteilen. „Das wäre jetzt meine letzte Chance, nochmal als Bürgermeister hinzuradeln“, sagt Baur, der bereits zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft vor zehn Jahren mit dem Fahrrad nach Ennery fuhr. Damit es mit der Fitness auch klappt, wird bis dahin jeden Sonntagvormittag „bei gutem Wetter“ (Baur) trainiert. Für die Strecke können die drei Sportsmänner auf die Tourplanung von 1999 zurückgreifen.
Wenn alles gut läuft, treffen die Radler und die Oberriexinger Bürger, die mit dem Bus fahren, am späten Nachmittag des 1. Mai gegen 16.30 Uhr in Ennery ein. Dort werden sie nach dem Empfang in die Gastgeberfamilien verteilt. Abends gibt es im Foyer Rural, der örtlichen Halle, ein geselliges Beisammensein, bei dem der Gesangverein „Vulkania“ Oberriexingen die Programmgestaltung übernehmen wird.
Am zweiten Tag (Samstag) wird eine Gruppe zu einer historischen Stadtrundfahrt nach Gisors fahren, während eine zweite Gruppe – vorwiegend Jugendliche – entweder Sport treiben oder eine Kunstausstellung in Auvers-sur-Oise besuchen wird. Nachmittags geht es zum Fête médiéval, einem mittelalterlichen Fest, nach Ennery. Vor dem Rathaus wird es dann noch eine symbolische Schlüsselübergabe geben, bevor es abends zu einem ritterlichen Mahl geht.
Nach dem Gottesdienst am Sonntag folgt der offizielle Teil mit Grußworten und Ehrungen. So wird es für die Altvorderen, die die Partnerschaft seinerzeit vorangetrieben haben, Urkunden und Medaillen geben. Außerdem werden die Oberriexinger ein ganz besonderes Geschenk im Gepäck haben: Sie bringen eine Broschüre anlässlich 30 Jahre Partnerschaft zwischen Oberriexingen und Ennery mit. Sie wird derzeit von der Verwaltung erstellt. Am Nachmittag des 3. Mai geht es wieder auf die Heimreise. Dann werden übrigens auch die Radler im Bus nach Hause fahren, teilt Schultes Baur mit.
Die Partnerschaft zwischen Oberriexingen und Ennery hat einen eher ungewöhnlichen Ursprung. So war es der Gemeinderat Georges Guilpin, der 1977 vom Skifahren in Österreich nach Hause fuhr. Irgendwie führten ihn die Wege nach Oberriexingen – „ein bezauberndes Städtchen“ – wie er fand. Er setzte sich für eine Partnerschaft ein, die zwei Jahre später zwischen den Bürgermeistern Willi Baur und Georges Claudel vertraglich besiegelt wurde. Seitdem wird die Freundschaft – anfangs jährlich, inzwischen alle zwei Jahre – mit gegenseitigen Besuchen gepflegt. Seit einem Jahr hat Ennery mit Jean-Pierre Borges einen neuen Bürgermeister.
Seit 1989, anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Partnerschaft, gibt es in Ennery einen „Place d’Oberriexingen“ bei der Schule und Festhalle. Dort wurde ein Findling aus der Enz aufgestellt, auf dem die Entfernung nach Oberriexingen markiert ist. 1991 gab man im hiesigen Städtchen an der Enz der neugestalteten Grünanlage beim Feuerwehrmagazin den Namen „Ennery Platz“.
Übrigens: Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten vom 1. bis 3. Mai fahren nicht nur „Offizielle“ nach Frankreich. Jeder Bürger der Stadt darf mitreisen, teilt Hauptamtsleiterin Michaela Ruof mit. Bei ihr gibt es Informationen unter Telefon (07042) 90931. Anmeldungen können noch bis 10. März vorgenommen werden.
