Schlossherr will in acht Monaten einziehen
Mühlhausen – Das verträumte Schloss in Mühlhausen hat seit Februar einen neuen Besitzer: Der Pforzheimer Schmuckfabrikant Roland Rauschmayer hatte das Anwesen in der letzten Minute gekauft und damit eine Zwangsversteigerung abgewendet. Wenn bei der Sanierung alles gut geht, möchte der neue Schlossherr in acht Monaten in das Gebäude einziehen.
Jahrelang stand das Mühlhäuser Schloss leer. Der ehemalige Weinstädter Besitzer des Objekts kümmerte sich nicht um das Anwesen: Die Räume wurden nicht beheizt, das Dach wurde im Laufe der Zeit undicht, der Garten verwilderte. Jetzt soll das verwahrloste Anwesen in neuem Glanz erscheinen.
Eigentlich stand Anfang Februar die Zwangsversteigerung des rund 450 Jahre alten Schlosses auf der Tagesordnung des Pforzheimer Amtsgerichts. Nachdem die Finanzierung der Anlage durch den ehemaligen Besitzer aus Weinstadt zu bröckeln begann, forderte die Dresdner Bank aus Mannheim als Hauptgläubigerin diesen Schritt. Doch zur Versteigerung kam es nicht: In der letzten Minute äußerte der Pforzheimer Trauring-Hersteller Roland Rauschmayer seine Kaufabsicht.
„Ich finde historische Gebäude sehr interessant“, erläutert der Pforzheimer Geschäftsmann. Das Anwesen müsse unbedingt erhalten bleiben, deshalb habe er es gekauft.
Mit den Aufräumarbeiten rund um das Schloss hat der Geschäftsmann bereits begonnen. Eine Pforzheimer Baufirma wurde damit beauftragt, die knapp zwei Zentimeter dicke Moosschicht mit einem Kleinbagger von den Fußwegen und dem zum Anwesen gehörenden Tennisplatz zu kratzen. „Das Moos sah so schrecklich aus, dass es einfach weg musste“, sagt der Pforzheimer Geschäftsmann Roland Rauschmayer.
Um den Innenbereich des Schlosses kümmern sich momentan verschiedene Handwerker. „Ich lasse den Pfusch der Vorbesitzer entfernen“, sagt der frischgebackene Schlossbesitzer. Decken und Wände seien bisher mit Nut- und Federbrettern verkleidet gewesen. Darunter kommt nun „wunderschöner Stuck“ zum Vorschein. Dadurch entstehe ein ganz anderes Ambiente im Schloss.
Ganz glücklich ist der Pforzheimer Schuckfabrikant mit seinem Schlosskauf allerdings nicht. Es tauchen immer mehr Schäden auf, die vorher nicht sichtbar waren. „Zum Beispiel sind viele Rohre geplatzt, da der Vorbesitzer einfach das Wasser nicht aus dem Rohrsystem abgelassen hat“, sagt Rauschmayer, der das Gebäude als „reinste Wundertüte“ bezeichnet.
Wenn er sich die verborgenen Schäden ansehe, fühle er sich schlecht. Außerdem hatte er sich erhofft, dass für die Sanierung Fördergelder zur Verfügung gestellt werden. „Die Verantwortlichen haben aber vergessen, das Schloss in den Sanierungsplan aufzunehmen“, sagt Rauschmayer. Gelder könnten deshalb frühestens in zwei bis drei Jahren fließen. Dass die Schäden nicht noch größer werden, saniert der Geschäftsmann das Gebäude vorerst auf eigene Faust.
In spätestens vier Wochen sollen eine neue Heizung eingebaut und der Garten grob gerichtet werden. „Momentan rechnen wir alle möglichen Heizvarianten durch“, sagt er. Über die Kosten für die Sanierung möchte Roland Rauschmayer aber keine Auskunft geben.
Wenn die Arbeiten wie geplant ablaufen, könnte der neue Schlossherr bereits in acht Monaten mit seiner Familie in das Mühlhäuser Schloss einziehen. Auf dem Anwesen, welches 28 Zimmer und eine Fläche von rund 12000 Quadratmetern umfasst, soll neben den privaten Wohnräumen aber auch Platz für verschiedene Veranstaltungen geschaffen werden.
„Ich könnte mir Vorstellen, dass im Wirtschaftsgebäude und auf zwei Stockwerken Vernissagen, Ausstellungen und Empfänge stattfinden können“, erläutert er seine Pläne. Im Gewölbekeller des Wirtschaftsgebäudes soll außerdem eine Besenwirtschaft eingerichtet werden. Was mit dem Tennisplatz auf dem Gelände passiert, steht unterdessen noch nicht fest. „Ich habe als Jugendlicher Tennis gespielt und ich könnte es heute bestimmt auch noch“, sagt der Schuckfabrikant. Ob er den Platz behalte, entscheide er später.
Schlossherr hat sich vorgestellt
Bei der Mühlacker Stadtverwaltung hat sich der neue Schlossherr inzwischen offiziell vorgestellt. „Herr Rauschmayer kam mit Frau und Sohn ins Rathaus“, sagt Mühlackers Bürgermeister und oberster Denkmalschützer Winfried Abicht. Er habe einen guten Eindruck hinterlassen. Von Rauschmayers Einzugsplänen ist man bei der Verwaltung begeistert. „Der Wohnbezug ist die idealste Lösung, auch aus Gründen des Denkmalschutzes“, freut sich Abicht. So sei sichergestellt, dass der Schlossherr vor Ort sei und sich um das Gebäude kümmern könne.
Dass an dem Gebäude vor einem Einzug viel gerichtet werden muss, weiß auch Winfried Abicht. Die größten Mängel seien die defekte Heizungsanlage, das undichte Dach und die dadurch entstandenen Schäden am Gebäude. „Roland Rauschmayer lässt das alte Gemäuer aber noch fachmännisch untersuchen und bleibt mit uns im Gespräch.“
Im Fall des Mühlhäuser Schlosses seien regelmäßige Gespräche von großer Wichtigkeit. Denn schließlich stehe das Anwesen unter Denkmalschutz. „Jede Maßnahme, die sich auf die Substanz auswirkt muss vom Amt für Denkmalschutz genehmigt werden“, erläutert Bürgermeister Winfried Abicht.
Philipp-Marc Schmid
