Mittwoch, 23. Mai 2012

Osterfest im Gnadenhof


Tanja Steffen kümmert sich um Desperado. Foto: Elsässer
Tanja Steffen kümmert sich um Desperado. Foto: Elsässer

Illingen (elf) – Beim Osterfest auf dem Gnadenhof in Illingen gaben sich die Tierfreunde am vergangenen Wochenende wieder die Klinke in die Hand. Dabei wurde deutlich, dass den Verein „animal hope“ nach wie vor die gleichen Sorgen plagen: kein Geld, kein neues Zuhause.
Aufgeweckt und mit neugierigem Blick steht „Desperado“ in seiner Box und begrüßt die Kinder, die ihn streicheln wollen. Wie er jetzt aussieht und wie er sich verhält, lässt nicht ahnen, wie es mit dem Hengst noch Ende Oktober 2007 bestellt war. Abgemagert, dehydriert, verängstigt und in einem lebensbedrohlichen Zustand kam das Tier mit zwei weiteren Hengsten auf den Illinger Gnadenhof. Aufgrund schlechter Haltung wurden die Pferde im vergangenen Oktober vom Veterinäramt des Landkreises Ludwigsburg bei einem Landwirt beschlagnahmt und zur Versorgung auf dem Gnadenhof eingestellt.
Doch obwohl sich der Gesundheitszustand der Hengste dank der liebevollen Pflege zusehends verbesserte, waren zwei der Pferde nicht mehr zu retten. Sie litten an erheblichen Knochenkrankheiten, die keine Aussicht auf Heilung boten, und mussten von ihren Schmerzen erlöst werden. „Desperado“ hingegen hatte keine bleibenden Schäden zurückbehalten und erholtesich immer besser. Um ihn verkaufen zu können, muss er allerdings für erhebliches Geld (1500 Euro) zugeritten werden. Unglaublich: Vom Verkaufserlös darf „animal hope“ den Unkostenanteil einbehalten, der Rest des Erlöses muss an das Amt abgeführt werden. „Wir betreiben einen Wahnsinnsaufwand und dann geht das Geld gerade so wieder raus“, schüttelt Marianne Hehr, 2. Vorsitzende des Vereins, den Kopf.
An diesem Beispiel wird deutlich, dass der Gnadenhof ständig viel Geld benötigt, um seinen Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Ausgaben für das Futter sind schon immens. Doch nahezu erdrückt wird der Gnadenhof von den hohen Tierarztkosten. „Die Tiere, die zu uns kommen, haben allesamt ein schweres Schicksal erfahren und benötigen viel Aufwand, um wieder hochgepäppelt zu werden“, weiß Marianne Hehr.
Ein weiteres Problem, mit dem „animal hope“ zu kämpfen hat: Der Pachtvertrag mit dem Besitzer des Grundstückes, auf dem der Gnadenhof untergebracht ist, läuft zum 31. Dezember 2009 aus. Seit zwei Jahren suchen die Verantwortlichen um Felicia Ruhland (1. Vorsitzende) und Marianne Hehr verzweifelt nach einer neuen Bleibe. Doch kaum haben sie einen Hof in Aussicht, erfüllt sich die Hoffnung auf einen Vertrag nicht. „Das zerplatzt immer wieder wie eine Seifenblase“, sagt die zweite Vorsitzende.
Aktuell hat sie wieder von einem Hof in einer Enzkreis-Gemeinde erfahren, der angeblich verpachtet wird. Umgehend will sie den betreffenden Bürgermeister fragen. „Die Zeit läuft uns davon“ sagt Marianne Hehr. Spätestens bis Anfang 2009 muss ein Ersatz gefunden werden, denn das neue Domizil muss hergerichtet und an die Anforderungen eines Gnadenhofs angepasst werden. Gleichzeitig stehen Rückbauarbeiten an der seitherigen Stätte an. Die Zukunft für den Gnadenhof ist also sehr ungewiss. Doch Marianne Hehr kämpft weiter: „Wir geben die Hoffnung nicht auf.“


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