Kleinglattbach (dr) – Für die Verwaltungsangestellte Zozan Erincik aus Kleinglattbach ging ein Traum in Erfüllung. Die seit ihrer Kindheit an einer Osteogenesis Imperfecta (Knochenkrankheit und Kleinwuchs) leidende Zozan bestand, und das ist fast deutscher Rekord für einen derart gehandicapten Menschen, in 50 Fahrstunden ihren Führerschein.
„Jetzt kaufe ich mir ein Auto, um nicht immer mit dem Fahrdienst von Vaihingen nach Stuttgart und zurück gefahren werden zu müssen. Das ist letztlich billiger, für mich angenehmer, weil ich auch mal zu Freunden, in die schöne Landschaft oder zum Einkaufen fahren kann“, strahlt die junge Frau voller Glück über ihre für sie lebenswichtige Errungenschaft.
Dabei hat die Kleinglattbacherin, von Beruf Verwaltungsangestellte, vorher tiefe Enttäuschungen erlebt. „Geht nicht bei diesem Kleinwuchs“ oder „Sie müssen mit rund 150 Fahrstunden rechnen“ und so ähnlich waren die ersten Auskünfte sogenannter Behinderten-Fahrschulen.
Bis Zozan im Internet von Carsten Seidler vom Kompetenzzentrum Heidelberg erfuhr, der dort eine besondere Behinderten-Fahrschule leitet. „Schon beim ersten Gespräch wurde ich freundlich, fast familiär empfangen, als ob ich gar kein Handicap haben würde. Ich war nicht nur Fahrschülerin – mit dem gesamtem Team von Kompetenzzentrum entstand eine Art Freundschaft. Wenn mich mal der Mut oder in Stressphasen der Glaube an mich selbst verließ, bauten mich die Männer wieder auf, als ob dies selbstverständlich sei“.
Und dann zu Carsten Seiler: „Ein einfühlsamer Mensch mit großem Fachwissen, jedes Handicap kennend und mit unendlicher Geduld, toll“.
Seidler: „Ich freue mich, dass das mit Zozan so gut geklappt hat. Sie war eine willensstarke und intelligente Fahrschülerin. Einem solchen Menschen zu seiner gewünschten Mobilität, beginnend mit dem Führerschein, zu helfen, ist inzwischen meine Passion“.
Dann erklärt er und geißelt gleichzeitig die sogenannten Behinderten-Fahrschulen, die zwar teilweise einfache Bedienelemente (Lenkraddrehknopf, Pedalverlegung, Handgas oder -bremse) haben, die Finger aber von schweren Behinderungen lassen sollten, weil damit (so auch Günter Sührer von der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg, dem größten Kostenträger überhaupt) oft großer Schaden angerichtet wird, der kaum wieder gut zu machen sei. Seidler: „Bei uns steht der Mensch im Vordergrund. Bevor er ins Fahrschulauto steigt oder fährt, werden erst seine Bewegungsmöglichkeit, seine Kräfte, seine Belastbarkeiten und – wie im Falle Zozan Erincik – Pedal- und Griffverlängerungen angepasst, damit sich schon von Beginn an ein absolutes Sicherheitsgefühl beim Fahrschüler einstellt.“
Dann berichtet er, dass in seiner Fahrschule in der Realität auf der Straße gefahren und nicht in einem stationären Simulator. Ein wichtiger Faktor, um auch die Psyche eines Menschen auf unvorhergesehene Ereignisse einstellen zu können. Für Zozan Erincik steht auf jeden Fall fest, dass sie ihr neues Auto von Carsten Seidler und dem ihn umgebenden Team von Kompetenzzentrum Heidelberg umrüsten lässt. „Es kommt auf das Vertrauen an, besonders bei einem umgebauten Auto.“
