Vaihingen (aa) – Die Felsengartenkellerei Besigheim ist der Überflieger beim Wettbewerb um den Deutschen Lembergerpreis. Kellermeister Reiner Bucher und seine Truppe holten sich gestern auf dem Vaihinger Kaltenstein den Lemberger Löwen für die Barrique-Wertung, in der 62 Weine zu beurteilen waren. Dazu kamen noch zwei Treppchen-Platzierungen. Genossenschaften und Weingüter aus Vaihingen und Umgebung gingen diesmal leer aus.
Der Wettbewerb um den Lemberger Löwen, der ja dem Wappentier der Stadt Vaihingen nachgebildet ist, gilt als größte überregionale Prämierung für den Vorzeigewein, der vor allem in Württemberg angebaut wird (Rebfläche rund 1600 Hektar). Die Prämierung, die einst von Richard Hachenberger angeregt worden war, fand bereits in 16. Auflage statt und hat sich über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht.
Weinbaupräsident Hermann Hohl: „Der Vaihinger Löwe ist ein Highlight in Württemberg.“ Jahr für Jahr sei die Qualitätslatte höher gelegt worden. Der Wettbewerb habe für Feinschliff gesorgt. Hohl: „Wir können begeistert sein.“ Im kommenden Jahr wolle man den Lemberger Löwen auch auf der weltgrößten Weinmesse „ProWein“ vorstellen. Hohls Anerkennung galt gestern den Veranstaltern, „die eine Messe mit Stil geschaffen haben“. Es sei selten, dass sich eine Weinregion so geschlossen präsentiere. „Andere Anbauregionen können sich ein Vorbild an Vaihingen nehmen.“
Die Grüße der Landesregierung überbrachte Staatssekretär Richard Drautz vom Wirtschaftsministerium. „Du kennst dich am besten aus“, habe ihm Ministerpräsident Oettinger gesagt, erzählte Drautz, der gelernter Weingärtner ist. Wenn man Drautz glauben darf, liegen dem Wirtschaftsministerium Vaihingen und seine Weinberge sehr am Herzen. Derzeit prüfe man zum Beispiel die Denkmaleigenschaft der faszinierenden Roßwager Trockenmauern.
Frisch und unkompliziert trat am Kaltenstein die neue Weinkönigin Mirjam Kleinknecht vors Publikum: „Eine Weinprobe macht Freude, der Lemberger auch. Und jetzt will ich mal sehen, welche Perle sich im Vaihinger Löwen verbirgt.“
69 Betriebe haben sich am Wettbewerb des Jahres 2008 beteiligt und 188 Weine der Jahrgänge 2003 bis 2007 angestellt (auch zwei aus der Pfalz und fünf aus Baden waren dabei). Kräftiger und dichter sei der Lemberger geworden, fand Albrecht Fischer, der Sprecher der Vaihinger Weinmesse. Inzwischen werde überzeugend und gekonnt mit der Holzfassreifung gearbeitet. Die gesteigerte Qualität der deutschen Rotweine sei aber nach seiner Einschätzung bei manchen Weintrinkern noch nicht angekommen, bedauerte er.
Fischers Meinung zum Wettbewerb: „Wein probieren und Qualität feststellen kann man nicht in Metern und Zentimetern, in Sekunden und Minuten. Man muss sehen, riechen, schmecken, also subjektiv beurteilen, ob die Qualität gut oder weniger gut ist.“ Und durch die genügend große Zahl der Weinprüfer und die Mischung der verschiedenen Geschmacksvorlieben bilde sich ein Standard heraus, an der sich ehrgeizige Weingärtner und Kellermeister orientieren würden.
Sehr gut eingestellt haben sich offensichtlich die Besigheimer mit den Plätzen eins, zwei und drei. „Der Vaihinger Löwe ist eine hohe Anerkennung für unsere Qualitätsbemühungen“, freute sich Vorstandsvorsitzender Dr. Götz M. Reustle. Die Besigheimer mit Sitz in Hessigheim produzieren jährlich rund fünf Millionen Liter Wein. Der Felsengartenkellerei gehören rund 1500 Mitglieder an. Beim Vaihinger Wettbewerb waren sie schon mehrmals dabei, doch zu einem Löwen hatte es noch nie gereicht.
Die beiden anderen Löwen gingen an das Weingut Burg Ravensburg (Lemberger gesetzlich trocken, 80 Weine), für das Geschäftsführer Claus Burmeister die Anerkennung entgegennahm.Den Löwen für Lemberger mit höherer Restsüße als gesetzlich trocken (46 Weine) holte sich das Weingut Laicher aus Obersulm-Willsbach. Für den Betrieb durfte sich Reimund Laicher auf der Bühne und vor der Fernsehkamera der geplanten SWR-Sendung „Fahr mal hin“ freuen.
Die Auszeichnungen wurden von den Vertretern der Mitgliedsbetriebe Vaihinger Weinmesse übergeben: von Alfred Weiberle (Weingärtner Horrheim-Gündelbach), Ulrich Allmendinger (Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen), Sabine Nonnenmacher (Weingut Nonnenmacher, Vaihingen), Andrea Zimmermann (Weingut Zimmermann, Roßwag), Bastian Walz (Weingut Walz, Ensingen), Klaus-Dieter Drensek (CJD Jugenddorf Schloss Kaltenstein), Dieter Faigle (Weingut Faigle, Horrheim), Nana Eißler (Weingut Steinbachhof, Gündelbach) und Albrecht Fischer (Weingut Sonnenhof, Gündelbach).
