Mittwoch, 23. Mai 2012

Großes Interesse an Demenz-Vorträgen


Großer Andrang bei den Vaisana-Vorträgen über Demenz. Foto: Arning
Großer Andrang bei den Vaisana-Vorträgen über Demenz. Foto: Arning

Vaihingen (aa) – Sie schleppten jeden Stuhl heran, der im Haus noch zu finden war. Doch irgendwann passten die Sitzgelegenheiten nicht mehr in den Raum. Am Mittwochabend stieß die Vaisana-Veranstaltung zum Thema „Was Sie unbedingt über Demenz wissen müssen“ auf riesiges Interesse. „Damit haben wir nicht gerechnet“, gab Dr. med. Christoph Schöll, Geschäftsführer von Vaisana, zu.
„Das ist der Wahnsinn!“ Vaisana-Arzt Dr. Karl Bausch konnte im Foyer nur fassungslos den Kopf schütteln. Wohin nur mit den vielen Leuten? Irgendwie hat es sich dann doch alles eingerenkt. Sogar eine Lautsprecheranlage konnte noch schnell im Vaihinger Karl-Gerok-Stift organisiert werden. Sonst wär’s peinlich geworden.
Seit fast einem Jahr gibt es nun das Vaihinger Gesundheitszentrum Vaisana beim Krankenhaus. Die dort ansässigen Ärzte wollen sich künftig zusammen mit Gästen regelmäßig mit Vortragsveranstaltungen präsentieren. Das Thema Demenz wurde vor allem nach dem erschütternden Ausgang der Suche nach Rosa Hetzel im vergangenen Jahr in Vaihingen stark diskutiert. Initiatorin Dr. Birgit Gaupp-Senke: „Da bot es sich an, dazu mit möglichst vielen Referenten umfassend zu informieren und Hilfestellungen zu geben.“
Was ist Demenz? Diese Frage musste natürlich am Anfang stehen. Dr. Julia Schwarz-Kumpf ging darauf ein (siehe auch Stichwort). Malte Neurath, Facharzt für Innere Medizin, setzte sich mit der Diagnose einer Demenz auseinander. Eine einmalige Testung sei nicht ausreichend, betonte er. „Ich kann doch alles“, sei eine typische Aussage des Patienten, der unter Umständen auch aggressiv reagiere. Dr. Wolfgang Kral, Facharzt für Neurologie, beschäftigte sich mit der Therapie durch Medikamente. Nur vier Medikamente (Nebenwirkungen unter anderem Erbrechen, Durchfall, Haluzinationen…) hätten nachgewiesenermaßen eine Wirkung. Sie würden den Zustand aber allenfalls für einige Zeit stabil halten. Der medikamentösen Behandlung dürfe man nicht zu viel Gewicht beimessen. Viel wichtiger seien prophylaktische Maßnahmen.
Auf die rechtlichen Maßnahmen ging Notar i. R. Gerhard Kapp in seinem Kurzreferat ein. „Machen sie sich rechtzeitig schlau“, konnte er den rund 200 Besuchern nur dringend ans Herz legen. Stichworte waren Vorsorgevollmacht (sie bedarf keiner Form, es wird jedoch geraten, zum Notar zu gehen), die rechtliche Betreuung („Schreckgespenst“), Patientenverfügung und Testament.
Dietmar Hammer (Sozialstation) ging auf die Pflegestufen und die Zuschüsse ein. Pflegegeld Stufe 1: 205 Euro, Stufe 3: 665 Euro, Pflegesachleistung Stufe 1: 384 Euro, Stufe 3: 1432 Euro. Es gebe die Möglichkeit der Kurzzeitpflege (maximal 28 Tage/Jahr) und der Verhinderungspflege. Und durch das Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetz würden die Leistungen für Betreuung ab 1. Juli auf 2400 Euro steigen.
Schwester Utta Fietz (Sozialstation) machte klar deutlich: „Es gibt kein Rezept im Umgang mit Demenzkranken.“ Man müsse eine ruhige Atmosphäre schaffen, einen klar strukturierten Tagesablauf bieten, die Sichtweise des Betroffenen anerkennen („Wenn ein Baum rosa Blätter hat, dann ist das halt so“), die Informationen dosieren und auch das Umfeld in Kenntnis setzen.
Über die Demenz-Gruppe im Karl-Gerok-Stift berichteten Schwester Monika Palmer, Heimdirektorin Ute von Querfurth und Helga von Seggern. Nicht jede Schwester könne im Demenz-Bereich arbeiten, machte von Querfurth deutlich. Das laufe unter Umständen recht eigenwillig. Dringend sei man aber auf die Hilfe der Angehörigen angewiesen. Mit Bildern wurde verdeutlicht, wie es auf der A1 zugeht. Vor allem das gemeinsame Handeln (Kochen, Singen…) hat hier einen hohen Stellenwert.
„Niemand, der Hilfe braucht, wird alleine gelassen“, unterstrich Rosemarie Kapp aus ihrer langjährigen Erfahrung als Schwester und Vorsitzende des Krankenpflegevereins. Man müsse die Hilfe nur annehmen und unbedingt die Gefühlswelt des Kranken auch akzeptieren. Dessen Rucksack werde immer leichter, „Ihrer aber wird immer schwerer“.
„Holen Sie rechtzeitig Hilfe“, war die Bitte von Reinhard Findeisen-Tietze (Sozialstation). Der Einsatz der Nachbarschaftshilfe müsse hier zwiespältig gesehen sehen („Ein klares Jein“). Bei fortgeschrittener Erkrankung sei dringend die Qualifikation angesagt. Die Vaihinger Sozialstation plane in diesem Jahr den Aufbau einer Betreuungsgruppe für an Demenz erkrankten Menschen im Haus am Pulverturm und suche auch Ehrenamtliche.
Derartige Vortragsveranstaltungen im Gesundheitszentrum Vaisana sollen fortgesetzt werden. Birgit Gaupp-Senke hat da schon eine Liste von möglichen Themen. Doch zunächst will man die Erfahrungen der Premiere auswerten. Fragebögen sind auf jeden Fall ausgegeben worden. Man darf sicher sein, dass künftig auch gleich zu Beginn eine Lautsprecheranlage vorhanden sein wird…


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