Vaihingen (aa) – Ist es notwendig, den Baumbestand an der Enz so radikal auszudünnen? Diese Frage treibt die Vaihinger Bürger immer wieder stark um. Auch in den letzten Wochen hatten die Männer mit den Kettensägen heftig gewirkt.
„Wir wollen Antworten von kompetenter Stelle“, sagte man sich bei der Vaihinger Aktion Innenstadt (VAI) und genierte sich nicht, beim Regierungspräsidium Stuttgart und seinem Landesbetrieb Gewässer, das seinen Dienstsitz in Heilbronn hat, anzufragen. Und dort ging man auch nicht auf Tauchstation. „Wir wollen miteinander, nicht gegeneinander schaffen“, betonte der stellvertretende Flussmeister Bernhard Kinzler. Er und ein Mitarbeiter aus dem Vaihinger Betriebshof des ehemaligen Wasserwirtschaftsamtes standen gestern am Enzufer hinter dem Parkhaus Innenstadt (Köpfwiesen) Rede und Antwort.
Die Arbeitskolonne des Betriebshofes ist für Unterhaltungsmaßnahmen an der Enz, die als Gewässer der 1. Ordnung gilt, verantwortlich. Zwischen Besigheim und Niefern sind 53 Kilometer zu betreuen. Insgesamt gibt es drei Gewässer-Ordnungsklassen, für die der Bund, das Land und die Gemeinden zuständig sind. Im Wesentlichen fallen folgende Aufgaben an: Mähen der Böschungen und Gewässerrandstreifen, Gehölzpflege, Gehölzanpflanzungen, Uferbefestigungen, Unterhaltung der Pegelanlagen, Messdienst, Reinigung des Gewässerbettes und Ufersanierungen.
Speziell durch die Gehölzpflege ziehen sich die Männer des Landesbetriebs Gewässer immer wieder den Unmut der Bevölkerung zu. Da wird über einen regelrechten Kahlschlag geschimpft. Dem Amt wird unsensibles Agieren vorgeworfen. „Warum müssen Bäume gleich reihenweise gefällt werden?“, war gestern eine Frage. Oder: „Was haben Sie gegen die Pappeln?“ – „Wird auch wieder nachgepflanzt?“
Das mit dem „Kahlschlag“ sah Bernhard Kinzler natürlich aus anderer Warte: „Wir wollen anschließend einen gleichmäßigen Bestand erreichen.“ Thema neuer Bestand: Es ist die klare Zielsetzung der Behörde, auf Hochwasserdämmen wie in den Vaihinger Köpfwiesen langfristig keine hohen Bäume mehr zu haben. Kinzler: „Es geht uns hier vor allem um den Sicherung der Ufer. Hohe Bäume sind ein Gefahrenpotenzial. Werden sie bei einem Sturm umgeweht, reißen sie durch ihr Wurzelwerk Wunden in die Dämme.“ Pappeln, speziell Hybridpappeln, seien in der Regel durch ihr flachen Wurzelwerk auch völlig ungeeignet für die Uferbepflanzung. Man könne allenfalls Schwarzpappeln verwenden. Bei Nachpflanzungen favorisiere man Erlen oder Eschen, „doch wir wollen die Ufer lieber der Natur selbst überlassen“. Dass das funktioniere, sei überall zu sehen.
Warum sind die Bäume am Köpfwiesen-Spielplatz umgesägt worden? Hier hat Kinzler vor allem auch den Sicherheitsaspekt angeführt. Ebenso wird das für die verlängerte Mühlstraße genannt, wo die Stadt Vaihingen, zuständig für den „ebenen Bereich“ zwischen Böschung und Straße, vor einigen Wochen eine ganze Reihe von Bäumen fällen ließ. Kinzler: „So lange nichts passiert, ist ja alles in Ordnung, aber wenn dann was geschieht, ist das Geschrei groß.“
Die Männer vom Fluss haben übrigens neben den Bäumen noch eine Gefahr für die Uferbefestigungen ausgemacht: die Bisamratten. Die durchlöchern mit ihren Gängen die Dämme. Und da kennen die Flussschützer keine Gnade. Sie haben schon Hunderte von Bisamratten erlegt.
