Ludwigsburg/Vaihingen (aa) – Auf die Reise gebracht hat der Ausschuss für Umwelt und Technik des Ludwigsburger Kreistags die Fortschreibung des Nahverkehrsplans (NVP). Darin wird die Entwicklung in den nächsten fünf Jahren fixiert. Es gab nur Gegenstimmen von den Grünen. Im April hat der Kreistag das letzte Wort.
Zum Entwurf der Fortschreibung waren in den letzten Monaten nahezu 200 Stellungnahmen eingegangen. Wünsche und Anregungen der Städte und Gemeinden bezogen sich überwiegend auf die Einrichtung von Haltestellen, verbesserte Anbindung von Wohn- und Gewerbegebieten, Linienführungen sowie auf die Ausweitung von Fahrmöglichkeiten.
Einige der Wünsche aus Vaihingen betrafen zum Beispiel die Anbindung des „Perfekten Standorts“ an den ÖPNV. Es wird empfohlen eine zusätzliche Haltestelle der Buslinien 579 und 590 einzurichten. Auch das Baresel-Gelände, in dem künftig rund 440 Menschen leben werden, soll durch eine Änderung des Verlaufs der Buslinie 576 an den ÖPNV angeschlossen werden. Die Stadt, das bedienende Verkehrsunternehmen und der VVS haben sich auf die Einrichtung zweier neuer Haltestellen verständigt. Erschließungsdefizite werden im östlichen Vaihingen (östliche Eichendorffstraße) gesehen. So wird die Einrichtung einer Haltestelle im Verlauf der Linie 579 bei der Kehlstraße vorgeschlagen.
Aus Oberriexingen kam unter anderem die Bitte, das Angebot zwischen Sachsenheim und Oberriexingen zu verbessern, auch um das Eichwald-Gebiet anzubinden (hier laufen bereits Gespräche). Gewünscht wird eine bessere Schülerverbindung nach Kleinglattbach (optimal wäre eine Linie über Sersheim), denn die Kinder sind über Vaihingen sehr lange unterwegs. Allerdings nimmt der NVP die Detailvorschläge aus Oberriexingen nicht auf. Empfohlen wird, die Problematik in jedem Schuljahr im direkten Kontakt mit dem Landratsamt und dem Verkehrsunternehmen anzusprechen und zu lösen.
Aus Eberdingen wird eine Haltestelle für das Wohngebiet Winterhaube/Lettenäcker gewünscht (und im Plan auch empfohlen). Dagegen wird eine weitere Haltestelle beim Hochdorfer Friedhof nicht für notwendig erachtet. Die gleiche Aussage gibt es für die Hemminger Straße und auch für die Auricher Straße in Nussdorf.
Eine umfangreiche Stellungnahme hat die Stadt Sachsenheim abgegeben. Zur Forderung nach einer besseren Anbindung des Naherholungsgebietes Kirbachtal wird festgestellt, „dass es aufgrund der Bedienungshäufigkeit aus Kreissicht keinen Handlungsbedarf gibt“.
Solche Aussagen wurden im Ausschuss speziell von den Grünen kritisiert. Daniel Renkonen (Ludwigsburg) sah einen Nachholbedarf vor allem im ländlichen Raum. Die Anbindung habe abends und an den Wochenende noch deutliche Schwächen. Aus umwelt- und verkehrspolitischen Gründen müsse der Kreis deshalb ein Förderprogramm auflegen und „richtig Geld in die Hand nehmen“ (Vorschlag: Zuschuss von einer halben Million Euro pro Jahr an die Kommunen). Ziel der Grünen ist es, den Anteil öffentlicher Verkehrsmittel im Kreis von derzeit 15 auf 25 Prozent zu erhöhen. Die Grünen konnten sich letztlich mit ihren Anträgen (sie verlangten unter anderem eine langfristig lückenlose Andienung aller S-Bahnen auch an Wochenenden bis Betriebsschluss und den Anschluss aller Teilorte ab 5 bis 24 Uhr an den ÖPNV) nicht durchsetzen. Sie lehnten den Nahverkehrsplan deshalb ab.
Auch bei der FDP wurden im Nahverkehrsangebot deutliche Schwächen ausgemacht (Volker Godel, Ingersheim). Godel wünscht sich vom Kreis mehr Mut zu neuen Angeboten, doch dürfe man die Kommunen nicht aus der Verantwortung entlassen. Der FPD-Mann sah Defizite vor allem im Spätverkehr und an den Wochenenden. Die musste auch VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger einräumen. Sein Vorschlag: Einführung einer Status-quo-Analyse, um so nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.
Von Landrat Dr. Rainer Haas wurde darauf hingewiesen, „dass der Plan kein fest zementiertes Werk ist, sondern einen Dauerprozess darstellt“. Man werde im direkten Kontakt mit den Städten und Gemeinden immer die Möglichkeiten der Fortschreibungen prüfen. Dabei gelte eine 50:50-Finanzierung. Haas: „Es ist noch nie vorgekommen, dass sich der Landkreis Ludwigsburg verweigert hat, wenn die Gemeinde bereit gewesen ist, ihren Anteil zu übernehmen.“
Aus Sicht der CDU wurde der Nahverkehrsplan als „überwiegend sehr gut“ eingestuft (Hans Schmid, Ludwigsburg). Schwach ausgelastete Linien müssten auf den Prüfstand gestellt werden. Die Verknüpfung mit den Nachbarkreisen müsse verbessert werden. Eine angebotsorientierte Nahverkehrspolitik müsse auch finanzierbar bleiben, unterstrich für die Freien Wähler Rainer Gessler (Markgröningen). „Verbesserungen kann es geben, wenn sie wirtschaftlich und bezahlbar sind.“ Gessler wünschte sich vor allem für das Kirbachtal mehr Mut bei der Schaffung von Bus-Angeboten. Leopold Schlobach (SPD, Bietigheim-Bissingen) wertete die Anregungen aus den Kommunen zu Einrichtung von weiteren Buslinien als Zeichen der Verantwortung, „denn sie wissen, dass sie auch in gleicher Weise mitfinanzieren müssen“.
