Vaihingen (aa) – „Vaihinger Kulturmomente … Unterhaltung, die bewegt und begeistert!“ Unter dieser Überschrift steht das städtische Kulturprogramm. Hat das Angebot des Jahres 2007 begeistert? Heute Abend wird im Sozial- und Kulturausschuss eine Bilanz gezogen. 18 Uhr, Rathaus.
Der Kulturbetrieb einer Stadt kann nicht kostendeckend sein. Doch unter der Regie von Martin Morczinietz hat sich da seit 2005 viel getan. Die Steigerung des Kostendeckungsgrades gilt als wichtige Kennzahl. Sie ist für 2005 mit 29 Prozent ausgewiesen, 2006 lag sie bereits bei 69 Prozent. Für 2007 werden sogar 78 Prozent genannt. Zurückgeführt wird der Boom unter anderem auf ein gezieltes Direkt-Marketing-Konzept. Es wurde ein Besucherservice eingeführt und Rabattaktionen angeboten. Es gibt Bonushefte, Werbebriefe, Gutscheine und zusammen mit der Vaihinger Kreiszeitung die Reihe Abo & mehr.
Stellt man Ausgaben und Einnahmen jedoch in nackten Zahlen nebeneinander, so beträgt die tatsächliche Kostendeckung rund 50 Prozent. Bei Ausgaben von 50445 Euro (Planansatz 55000 Euro) gab es Einnahmen von 25943 Euro, wobei die Eintrittsgelder 18700 Euro ausmachen. Bei den Eintrittsgeldern war vorsichtig nur mit Einnahmen von 10000 Euro kalkuliert worden. Bei 13 Veranstaltungen gab es 1857 Besucher, damit lag der Durchschnitt bei 143 Gästen (was gegenüber 2006 ein Minus von sechs Prozent ausmacht).
Kulturamtsleiter Morczinietz sucht ständig den Kontakt mit den Besuchern , was unter anderem durch Fragebogenaktionen geschieht (Rücklaufquote 28 Prozent). Für 76 Prozent der Gäste ist der Besuch einer Kulturveranstaltung kein einmaliges Erlebnis: Sie kommen gelegentlich bzw. regelmäßig. Als Werbemittel hat sich offensichtlich das klassische Kulturprogrammheft bewährt. Das wundert Morczinietz nicht weiter, sind doch 62 Prozent seiner Gäste älter als 50 Jahre. Und zwei Drittel sind Frauen. Lediglich zwei Prozent der Besucher informieren sich über die städtische Homepage oder über Newsletter. Deshalb will man auch künftig an der Verteilung des Programmheftes festhalten, „denn wir müssen die Kultur zu unseren Gästen bringen“. Auch der Mund-zu-Mund-Werbung misst der Kulturamtsleiter eine große Bedeutung zu: „21 Prozent der Gäste kommen dadurch zu uns. Und das ist natürlich die günstigste und nachhaltigste Werbung.“
Die „künstlerische Qualität“ wurde im letzten Jahr von 95 Prozent der Besuchern als gut bis sehr gut eingestuft. Die gleiche Quote wird auch bei der Beurteilung der Organisation der Veranstaltungen angegeben. Hier wird vor allem das gehobene Catering der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Vaihingen herausgestellt. Auch die atmosphärische Gestaltung bzw. die Ausstattung der Peterskirche, in der nahezu alle Termine stattfinden, wird durchweg gelobt.
Langfristiges Ziel im Direkt-Marketing-Konzept ist eine ganzheitliche kulturtouristische Entwicklungsstrategie für die Stadt, denn das touristische Attraktivitätsprofil wird nach Ansicht von Martin Morczinietz immer auch durch die kulturellen Angebote bestimmt. Die Festlegung der kommualpolitischen Zielsetzungen für den Tourismus müsse in Abstimmung mit den touristischen Leistungsträgern erfolgen und erfordere vor allem Geduld und Augenmaß.
Beraten wird heute Abend übrigens auch der Antrag der SPD-Fraktion, jährlich mindestens zwei Gastspiele der Württembergischen Landesbühne ins städtische Kulturprogramm aufzunehmen (in Abstimmung mit den Schulen). Das Kleinkunstprogramm in der Peterskirche könne nur ein Baustein sein und bediene nicht alle Bevölkerungsgruppen. Große Theateraufführungen in der renovierten Stadthalle würden Vaihingen aber mehr Urbanität verleihen und das Profil als Große Kreisstadt, Schulstadt und Mittelzentrum stärken.
Debattiert wird heute auch über die Arbeit des Jugendgemeinderates und über die CJD Jugendmusikschule.
