Hochdorf (ub). Die Archäologie bedient sich heutzutage modernster Technik, um vorgeschichtliche Spuren zu erfassen und zu dokumentieren. In einer Sonderausstellung – einmalig in Deutschland – will das Keltenmuseum in Hochdorf sogenanntes High-Tech in der Archäologie präsentieren.
Die Kosten der als Wanderausstellung konzipierten Schau mit dem Titel „Kelten, Karten und Computer“ belaufen sich auf rund 33 500 Euro. Mit 10 000 Euro beteiligt sich das Landesamt für Denkmalpflege, 23 500 Euro sollen von der Gemeinde Eberdingen kommen. Diesen Zuschuss entscheidet der Gemeinderat am Donnerstag bei seiner Sitzung.
Das Keltenmuseum Hochdorf wurde 1991 eröffnet. Es widmet sich dem frühkeltischen Fürstengrab aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., das 1978/79 unweit des Ortes entdeckt wurde. Mit der authentisch wiederhergestellten Grabkammer und seiner aus dem Rahmen fallenden Architektur nimmt das Keltenmuseum seit zwei Jahrzehnten seinen Platz in der deutschen Museumslandschaft ein. Im letzten Jahr wurde die Didaktik grundlegend erneuert und zweisprachig umgesetzt.
Von Anbeginn seines Bestehens organisiert das Keltenmuseum Sonderausstellungen in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Institutionen. In der Vergangenheit konnten schon hochkarätige Spitzenfunde keltischer Zeit aus Frankreich, der Schweiz, Österreich, Ungarn, Rumänien, Slowenien, Serbien und Kroatien gezeigt werden.
Im Gespräch mit den Besuchern hat Museumschefin Dr. Simone Stork erfahren, dass die neuen Möglichkeiten der Archäologie auf großes Interesse stoßen. War die Luftbildarchäologie noch auf die Beobachtung freier Flächen beschränkt, so gelingt es heute, Bewuchs aus dem digitalen Bild „wegzurechnen“ und die darunter verborgenen Geländestrukturen sichtbar zu machen. Geomagnetik und Geophysik erfüllen den Traum vom „Blick in den Boden“, digitale Grabungsdokumentation erfasst Ausgrabungssituation und Objekte bis hin zur dreidimensionalen Darstellung.
Die Ausstellung soll am 19. September eröffnet werden. Am gleichen Tag findet auch der diesjährige Keltensonntag statt. Die Ausstellung soll bis 1. Mai 2011 gezeigt werden.
Modernste Technologie zur Erforschung längst vergangener Epochen ist für die archäologische Wissenschaft heute unverzichtbar und findet immer breiter gefächerte Einsatzgebiete. „Die Faszination, die von den unterschiedlichen High-Tech-Methoden zur Entdeckung und Erkundung archäologischer Fundstellen ausgeht, liegt nicht zuletzt darin begründet, dass zerstörungsfrei und ohne Einsatz von Bagger in den Boden geschaut werden kann und so Unsichtbares sichtbar wird“, sagt Museumsleiterin Stork.
Von der klassischen und gut etablieren Methode der Luftbildarchäologie über Geomagnetik und Georadar bis hin zum Abscannen ganzer Landschaften reicht die Bandbreite der modernen Techniken zur Entdeckung und Lokalisierung neuer archäologischer Fundstellen. Dabei werden beispielsweise feinste Reliefunregelmäßigkeiten als Indizien für Grabhügel, Gräben oder Befestigungswälle herangezogen. Auch bei der modernen Feldarchäologie und Ausgrabungstechnik hat in den letzten Jahren die digitale Technik Einzug gehalten und diese Disziplin geradezu revolutioniert. GPS, Tachymeter und Digitalkamera zur computergestützten Vermessung und Dokumentation von Grabungsergebnissen gehören heute ebenso zum Werkzeugarsenal einer archäologischen Ausgrabung wie der 3D-Laserscanner zur Dokumentation komplexer Strukturen.
Stork: „Diese ganze Bandbreite moderner Technologie möchten wir in der geplanten Ausstellung präsentieren. Die archäologischen Zeugnisse keltischer Zeit bieten dafür eine hervorragende Ausgangsbasis, denn die reich ausgestatteten Grabkammern oder die topographisch und baulich außergewöhnlichen Siedlungen der frühen Eisenzeit werden mit neuen Methoden untersucht.“
