Enzweihingen (sr). Seit einigen Tagen zieht eine Routineaktion Blicke auf sich. In luftiger Höhe sind Spezialisten damit beschäftigt, den Zustand der Enztalbrücke zu begutachten. Alle sechs Jahre veranlasst die Deutsche Bahn eine derartige Kontrolle.
Schwindelfrei müssen die Experten wohl sein, die sich im Metallkorb an der Enztalbrücke entlangbewegen.
Bis zu 47 Meter Höhe erreicht das Bauwerk, über das die Züge rauschen. „Es ist eine regelmäßige Brückenprüfung, die alle sechs Jahre stattfindet“, ist vom Sprecher der Bahn zu erfahren. Im sogenannten Fachwerkkorb aus Metall schweben die Prüfer an der 1044 Meter langen Brücke entlang. Vornehmlich von unten und von der Seite wird das Material der Brücke in Augenschein genommen, während sich das Fahrwerk des Korbes oben auf dem Randweg der Brücke bewegt.
Eine bis eineinhalb Wochen Arbeit sind nötig, um das ursprünglich 28,4 Millionen Mark teure Bauwerk von beiden Seiten zu begutachten. Dabei sind entweder Mitarbeiter der Bahn oder Fachleute beauftragter Unternehmen im Einsatz. Ein Gutachten wird im Anschluss daran erstellt und dient als Entscheidungsgrundlage für mögliche weitere Aktionen.
Es sei allerdings nicht damit zu rechnen, dass größere Schäden an der Brücke gefunden werden, so der Bahnsprecher. „Die Brücke ist noch jung, wir haben Brücken, die mit über 100 Jahren alt genannt werden können“, erklärt der Pressesprecher.
Die Grundsteinlegung für den herausragenden Bau fand im Oktober 1986 statt, Richtfest wurde rund zwei Jahre später gefeiert und im August 1989 gab’s die Fertigstellung zu vermelden. Insgesamt stützen 17 Pfeiler die Trasse zwischen Marksteintunnel und dem Pulverdinger Tunnel.
„Bauwerk erscheint
leicht und elegant“
Die damalige Leiterin des Vaihinger Stadtplanungsamtes, Eleonora Deppert, hatte angeregt, den ursprünglichen Plan zu überarbeiten. Hierdurch wurde ein Pfeilerabstand von 58 Metern erreicht, was wiederum das „Bauwerk leicht und elegant scheinen lässt“, wie die VKZ in einer Sonderbeilage vom Oktober 1990 befand.
Pfeiler Nummer fünf beim Leinfelder Hof sorgte 1987 für Aufsehen, da sich dort ein Gräberfeld aus der Zeit um 600 befand. In einer Notgrabung wurden von Juli bis September 14 Gräber freigelegt und ausgeräumt. Einziges mutmaßliches unberaubtes Grab war die 2,6 mal 1,4 Meter große Kammer einer Frau, die um 500 nach Christi Geburt gestorben war.
Bei den Männergräbern fanden sich als Besonderheiten ein Toter in einem Sarg mit Eisenbeschlägen und daneben ein Pferdegrab.
Die Neubaustrecke Stuttgart-Mannheim sorgte von Anfang für große Emotionen. „Das Projekt war noch vor wenigen Jahren in unserer Bevölkerung heftig umstritten“, schrieb der damalige Oberbürgermeister Heinz Kälberer in der Sonderveröffentlichung.
Im Oktober wird der „neue Bahnhof“ Vaihingens auch schon 20 Jahre alt.
