Vaihingen (elf). Mit zwei mehr als beeindruckenden Aufführungen feierte die Ballettschule Gudrun Schreiber aus Ensingen am Wochenende in der Vaihinger Stadthalle ihr 35-jähriges Bestehen. Das Märchen Aschenputtel lieferte den Stoff für begeisternde Tanzszenen.
Warum mit Superlativen geizen, wenn sie zutreffen und nach der Aufführung zuhauf vom Publikum gebraucht wurden? „Wahnsinn!“, „Unglaublich!“, „Wunderschön!“: Die Begeisterung der Zuschauer spiegelte sich nicht nur im lang anhaltenden Applaus wider. Was Gudrun Schreiber in Zusammenarbeit mit Thies Seeger auf die Bühne zauberte, knüpfte nahtlos an die Erfolge der Vergangenheit an. Mit dem Ballettmärchen Aschenputtel traf sie nicht nur den Geschmack des Publikums, sondern erreichte auch die wichtige Identifikation der 135 Mitwirkenden mit dem Stoff auf der Bühne. „Es ist wichtig, dass die Tänzerinnen und Tänzer das Stück kennen“, sagte Gudrun Schreiber.
In ihrer Version des Märchens sind es der Prinz und sein Zeremonienmeister, die zweimal zum Ball bitten. Der Rest ist bekannt: Der Prinz ist von Aschenputtel derart fasziniert, dass er nur noch mit ihr tanzen will. Aus Angst vor ihrer Stiefmutter und ihren Stiefschwestern verschwindet sie allerdings direkt nach dem Tanzvergnügen. Vor dem Prinz will jede der drei Schwestern die Schönste sein. Doch der lässt sich nicht von schönen Kleidern und eitlem Geschwätz blenden. Den Ausschlag für die Auswahl der richtigen Braut liefert der Schuh, der nur Aschenputtel passt. Dem rauschenden Hochzeitfest steht nichts mehr im Wege.
Die Choreografie des Ballettmärchens war auf die jeweiligen Tanzgruppen abgestimmt und schaffte es perfekt, die jeweilige Stimmung und den Inhalt des Stücks zu transportieren. Herrlich, mit welcher Autorität und Strenge Barbara Schreiber die böse Stiefmutter mimte. Ebenso sehenswert Sabine Laible als Aschenputtel, die ihren Part gefühlvoll und auf tänzerisch hohem Niveau absolvierte. Kein Wunder: Seit ihrem fünften Lebensjahr trainiert sie dreimal in der Woche. Doch auch die zahlreichen Kinder meisterten ihre Rollen als Mäuse, Täubchen, Gemüse, kleine Köchinnen, Konditoren, Pagen, Knappen und Hofnarren perfekt.
Zum zweimaligen Erfolg des Ballettmärchens trug einmal mehr Musikdirektor Bruno Gießer bei, der einst die Schreiber-Aufführungen mit dem Vaihinger Musikverein begleitete, am Wochenende die Aufführung aus alter Verbundenheit zu Gudrun Schreiber mit dem Musikverein Freudenstein begleitete. 40 bestens vorbereitete Musiker hat Gießer mitgebracht, um dem Ballettmärchen den richtigen und passenden Ton zu geben.
Sehenswert waren nicht nur das Ballett und das Bühnenbild, sondern auch die bunten Kostüme, die teilweise bereits im Fundus der Ballettschule vorhanden waren, teilweise ausgeliehen wurden und auch eigens für die Aufführung genäht werden mussten. Ein Augenschmaus vor allem die Schlussszene, als nahezu alle Mitwirkenden zum Hochzeitsfest auf der Bühne waren. Da darf man jetzt schon gespannt sein, was sich Gudrun Schreiber in fünf Jahren einfallen lässt, wenn das 40-jährige Bestehen der Ballettschule gefeiert wird.
