Vaihingen (sr). Tausende von Menschen haben sich seit Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Vaihingen und dem Umland zum Public-Viewing versammelt. In der Stadt unterm Kaltenstein gibt es vonseiten der Polizei keinerlei Beanstandungen. „Feiern ohne Aggression“ laute bis jetzt das Motto.
Michael Kuhne von der Führungsgruppe des Polizeireviers Vaihingen findet ausschließlich lobende Worte. Bisher sei das Public-Viewing auf dem Vaihinger Marktplatz völlig entspannt abgelaufen. „Die Leute feiern ohne Aggressionen, es gibt gar keine Probleme, besser können wir’s nicht haben“, sagt Kuhne.
Je nach Attraktivität des laufenden Spiels sei eine variierende Anzahl von Kräften beim Public-Viewing im Einsatz. „Die lassen sich auch mal auf dem Marktplatz sehen“, so Kuhne. Am Mittwoch nach dem Spiel Deutschland gegen Ghana habe sich circa eine Stunde lang ein Autokorso durch die Stadt bewegt. Danach feierten die Fans an der Aral-Tankstelle am Vaihinger Eck bis circa 24 Uhr weiter. „Dort gab es auch keine Vorkommnisse“, zählt Hauptkommissar Kuhne auf und fasst zusammen: „Wir sind vollkommen zufrieden.“ Obwohl die Personalplanung für die Vaihinger Polizisten derzeit durchaus stressig ist, da „eine ganze Gruppe von uns zum Public-Viewing nach Ludwigsburg abgeordnet ist“.
3000 Fans beim
Public-Viewing in Ludwigsburg
Dort hatten sich am Mittwoch auf der größten Veranstaltung in der Grönerstraße rund 3000 Fans zum gemeinsamen Schauen eingefunden. Weil nicht alle Platz fanden, schwangen sich rund 500 Fans auf die Dächer benachbarter Gebäude, mussten aber aufgefordert werden, diese zu verlassen. An die 1200 Personen feierten den Sieg anschließend friedlich auf der B 27 im Tunnel unterhalb der Ludwigsburger Sternkreuzung. 1500 Autofahrer fanden sich zu einem großen Autokorso auf der B 27 zusammen. Insgesamt sei es „erfreulicherweise zu insgesamt wenig Beschwerden über Ruhe störenden Lärm“ gekommen, so die Polizei.
Im Enzkreis feierten in Mühlacker auf dem Kelterplatz rund 1100 Personen beim Public-Viewing den Sieg, im Pforzheimer Enzauenpark frönten circa 7500 Zuschauer dem gemeinsamen Glotzen. Ein Jubelmarsch von 500 Personen zog anschließend durch die Pforzheimer Innenstadt, wodurch ein planmäßiger Linienverkehr der Busse nicht möglich war. In Mühlacker rotteten sich 150 Fahrzeughalter samt Gefährt zu einem Korso zusammen. Die Polizei registrierte insgesamt fünf Straftaten.
Eine ganz eigene Reaktion hat Wolf Graeter aus Vaihingen, wenn er auf das Public-Viewing vom Marktplatz angesprochen wird. Er schlägt erst mal die Hände vors Gesicht. Kein Wunder, denn Anwalt Graeter ist doppelt „gestraft“. Er wohnt und arbeitet direkt am Marktplatz.
Egal ob beim Diktat, Mandantengespräch oder Telefonat – bei manchen Spielen herrsche ein Lautstärkepegel, der das Arbeiten unmöglich mache. Seinen Kindern Emilia und Lena dagegen wird die Nachtruhe gestört, was auch Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Mutter hat. „Das Public-Viewing ist von der Idee her gut“, sagt Graeter. In der Innenstadt seien aber zu viele Anwohner belastet. Am Bad- oder Verkehrsübungsplatz könne er sich das Spektakel dagegen gut vorstellen. Einziger Vorteil, den Graeter für sich erkennt: Dank den Aufbauten kann sich bei dieser WM kein Korso über den Marktplatz schieben.
Elisabeth Lampl-Hegazy freut sich in ihrem Laden in der Heilbronner Straße dagegen mit, wenn einige Meter weiter unten am Rathaus gejubelt wird. „Mein Radio ist aber schneller“, verrät sie.
Zugucken kann sie gar nicht, denn „das halten meine Nerven nicht aus“. In ihrer Wohnung in der Mühlstraße bekomme sie dagegen gar nichts mit. Außerdem sei ja schließlich WM-Zeit und „das ist ein Ausnahmezustand, da fühle ich mich nicht belästigt“.
