Mittwoch, 23. Mai 2012

Römischen Siedlungsresten auf der Spur




Diese Mauerreste eines römischen Gutshofs sind noch sehr gut zu erkennen. Foto: Küppers
Diese Mauerreste eines römischen Gutshofs sind noch sehr gut zu erkennen. Foto: Küppers

Kleinglattbach (rkü). Archäologen sind zwischen Vaihingen und Kleinglattbach auf der Suche nach Spuren der Besiedlung durch die Römer. Bereits im vierten Jahr graben sie auf dem Areal eines römischen Gutshofs. Die Einfriedung ist weitgehend gefunden. Jetzt gilt das Interesse den Resten der damaligen Gebäude.

„Das Areal ist seit dem 19. Jahrhundert als dicht mit Archäologie besiedelt bekannt“, erklärt Dr. Ingo Stork, Hauptkonservator der Archäologischen Denkmalpflege, die beim Regierungspräsidium Stuttgart angesiedelt ist. „Der römische Gutshof ist auch schon in der Oberamtsbeschreibung von 1855 enthalten.“ Dieser Gutshof steht auch im Mittelpunkt des Interesses von Grabungsleiter Andrzej Szymanski und seinem fünf, sechs Man starken Team. Gestern waren die Männer unter sengender Sonne damit beschäftigt, die Überreste einer ehemals sehr stabilen Steinmauer freizulegen. Mit kleinen Schaufeln, teils auch mit Besen arbeiten sich die Helfer langsam, aber äußerst behutsam vorwärts. Szymanski vergleicht auf einer Karte die Lage der Mauer mit den zu erwartenden Umrissen des Gutshofs. Wo sind die Gebäude, die es damals wohl gegeben hat? Ein Speicher mit ungewöhnlich dicken Mauern von bis zu 1,20 Metern wurde freigelegt. Jetzt suchen die Archäologen und ihre Helfer nach der Villa und den Ställen.

Wertvolle Hilfe leisten Fotos des Geländes aus verschiedenen Jahreszeiten, der Blick aus der Luft und technische Hilfsmittel der Geophysiker. Je nach Vegetationsphase lassen sich auf dem Boden Strukturen erkennen, die Rückschlüsse auf Siedlungsreste knapp unterhalb der Humusschicht zulassen.
Die Archäologen haben bei Kleinglattbach mit zwei Problemen zu kämpfen. Einerseits steht die Ausweisung eines Bebauungsplans bevor, so dass die Arbeiten zügig voranschreiten sollten. „Wir dokumentieren und bergen die Funde“, sagt Stork. „Denn Ende nächsten Jahres droht die Zerstörung durch Bebauung.“ Um allerdings die Kosten für die Ausgrabungsarbeiten in einem überschaubaren Rahmen zu halten, darf auch die Landwirtschaft nicht allzu sehr beeinträchtigt werden. „Es gibt eine Vereinbarung mit der Stadt Vaihingen, dass sie den betroffenen Landwirten die Nutzungsausfälle bezahlt“, erklärt Stork. Darum werde nicht die gesamte Fläche auf einmal, sondern immer nur etappenweise von Humus befreit, nach Siedlungsresten durchsucht und dann wieder an die Landwirtschaft zurückgegeben.

Um bei all diesen Zwängen zu einem wissenschaftlich belastbaren Ergebnis zu kommen, konzentrieren sich die Archäologen seit zwei Jahren ganz auf den römischen Gutshof. „Den wollen wir möglichst vollständig erfassen – das hat man nicht alle Tage“, sagt Stork, der die Bedeutung der Funde bei Kleinglattbach insgesamt als „normal“ einstuft. Neben den Spuren römischer Besiedlung aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus gibt es auf dem Areal zahlreiche Überreste wesentlich früheren Datums. „Aber da ist vieles durch Erosion in einem schlechten Zustand“, bedauert Stork.

Auch bei den Ausgrabungen sind die Archäologen und ihre Helfer von der Natur abhängig. Nicht nur, weil sie erst nach der Ernte auf die Äcker dürfen, die noch für den Anbau von Mais und Zuckerrüben genutzt werden. Regnet es, wird es unangenehm glitschig. Bei Starkregen kann es sogar vorkommen, dass sorgsam freigelegte Strukturen überspült werden – das ist erst kürzlich geschehen. Ist es dagegen zu heiß und trocken, gestalten sich die Arbeiten sehr schwierig. „Über Nacht decken wir darum die Mauer mit einer Plane zu“, erklärt Grabungsleiter Szymanski. „Dann hält sich da ein bisschen Feuchtigkeit und es lässt sich am nächsten Tag besser arbeiten.“

Bis Ende November sollen die Arbeiten fast täglich fortgesetzt werden. Nicht weit von der momentan freigelegten Mauer entfernt, erhoffen sich die Archäologen einen weiteren Fund. Auf Fotos ist gut erkennbar, dass Pflanzen in einem ganz bestimmten Muster nicht so gut gedeihen wie auf dem übrigen Acker. Dort könnten die Reste der römischen Villa im Boden verborgen sein. Wahrscheinlich nicht allzu weit unter der Oberfläche, denn sie stören ganz offenbar die Pflanzen im Wachstum.




Seitenanfang