Vier scharfe Richterinnen in der Peterskirche
Vaihingen (nm). Ein übervoller Saal, vier streng dreinschauende Richterinnen in ihren Roben, ein Angeklagter in Sträflingsuniform mit seinem überforderten Anwalt und eine Anklage wegen Mordes: Ort des Geschehens ist nicht etwa ein Gerichtssaal in den USA, sondern die mehr als ausverkaufte Vaihinger Peterskirche. Am Freitagabend feierte das Theaterhaus Vaihingen e.V. die Premiere seines neuen Stückes „Vier scharfe Richterinnen“ von Leslie Darbon. Wenn vier gelangweilte Ehefrauen sich als scharfe Richterinnen in Selbstjustiz üben und den Gigolo des Dorfes auf die selbst gebastelte elektrisierte Anklagebank bringen, dann sind das die gelungenen Zutaten eines spannenden Psychothrillers. Und wenn dann noch die Akteure eine so herausragende schauspielerische Leistung abliefern wie die sechs jungen Darsteller des Theaterhauses Vaihingen, dann lohnt es sich auf jeden Fall, die öffentliche Verhandlung zu besuchen. Maggie Parkes, die von der 15-Jährigen Antonia Okrassa gespielt wird, ist momen-tan psychisch etwas labil. Ihr Mann hat kaum Zeit für sie. Und dann hat sich auch noch vor kurzer Zeit ihre Freundin selbst umgebracht. Maggie bezweifelt allerdings, dass dieser Selbstmord korrekt untersucht wurde und hält den selbst ernannten Lie-besgott Alan Sexton alias Florian Pech-brenner für definitiv mitschuldig an ihrem Tod. Sie fühlt sich von der Justiz im Stich gelassen, und gemeinsam mit ihren drei Freundinnen, ebenfalls gelangweilte Ehe-frauen, lockt sie den vermeintlich Schuldi-gen in ihre Wohnung und inszeniert eine gefährliche Gerichtsverhandlung der besonderen Art. Mit von der scharfen Richterinnen-Partie sind Helen Francis, dargestellt von Elena Eckert, Jane Abbott alias Rieke Busch und die törichte Tina-Liz Thomas, gespielt von Josephin Gerlach. Abwechselnd schlüpfen die strengen Richterinnen in ihren rosa Roben in die Rollen von Staatsanwältin, Richterin, Protokoll-Führerin, Stenografin und natürlich selbst ernannten Zeuginnen. So richtig spannend wir die inszenierte Selbstjustiz, als Maggies Mann Don Parkes, den Lukas Zimmer mimt, unerwartet auftaucht und in die Rolle des Verteidigers seines Freundes Alan schlüpft. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als dieser sich als Mitschuldiger entpuppt und sich herausstellt, dass auch eine der Richterinnen wesentlich mehr Dreck am Stecken hat, als anfänglich erwartet wurde. „Also ich bin völlig überwältigt von der schauspielerischen Leistung“, sagte Clau-dia Zeller, Mit-Regisseurin, Verantwortliche für das Bühnenbild und erste Vorsitzende des Theaterhauses. „Die Darsteller haben vor der Aufführung gesagt, sie seien so aufgeregt, und dann war auf der Bühne alle Aufregung weg“, berichtete sie. Die sechs beteiligten Schauspieler sind zwischen 15 und 28 Jahre alt. „Das ist unser Nachwuchs. Die Jugend hat das ganz toll gemacht, da kommt auf jeden Fall was nach“, betonte Claudia Zeller stolz nach dem Stück. Bei den Proben seien die jungen Akteure sehr diszipliniert und motiviert gewesen. Das bestätigte auch Regisseurin Annika Eckert, die mit den Darstellern seit etwa einem halben Jahr zweimal wöchentlich geprobt hat. Das Ergebnis kann sich definitiv sehen lassen. Und damit auch die Zuschauer sich aktiv am Stück beteiligten konnten, gab es ein kleines Rätselspiel für zwischendurch. „Wer ist der Mörder?“, lautete die schwierige Preisfrage. Nur sieben Zuschauer hatten den richtigen detektivischen Riecher und konnten sich hinterher über ein Freigetränk freuen. Wer nun Lunte gerochen hat und der öffentlichen scharfen Verhandlung in der Vaihinger Peterskirche selbst beiwohnen möchte, hat noch die Möglichkeit dazu am kommenden Freitag um 20 Uhr oder am Samstagmittag um 17 Uhr (WM-freundlich: das Stück soll vor dem Spiel zu Ende sein).
