Nussdorf (aa). Die Reihe der Hängungen im Nussdorfer „Kunstwerk“ geht bereits in die sechste Runde. Arbeiten auf Papier aus der Sammlung von Alison und Peter W. Klein werden ab Sonntag (20. Juni) bis zum 16. März 2011 ausgestellt. „Kunstwerk“-Besucher dürfen sich auf eine „ruhige“ Schau freuen. „Arbeiten auf Papier sind ehrlich und unverfälscht“, sagt Peter Klein, „denn Korrekturen sind nur bedingt möglich. Leinwände kann man überpinseln, doch Papier verzeiht nichts.“ Als Klein, ehemals Inhaber der Firma Rectus, und seine Frau im Oktober 2007 ihr Museum in der Siemensstraße eröffneten, um die in über 20 Jahren in aller Welt gesammelten Werke zeitgenössischer Kunst, nicht nur im Depot horten zu müssen, da stand eher die Farbe im Vordergrund. „Diesmal wollen wir die unendlichen Möglichkeiten, die das Papier bietet in Hängung #6 aufzeigen“, sagen die Eheleute, denn die große Bühne bleibe künstlerischen Arbeiten auf Papier leider oft verwehrt. Die Kleins betrachten die Papierarbeiten keineswegs als Randerscheinung. Für sie markieren sie insgeheim so etwas wie den Ausgangspunkt oder den Kern ihrer Sammlung. Vielleicht ist es kein Zufall, dass das erste Werk, mit dem Peter Klein zum Sammler wurde, ein Mohnfeld-Aquarell des Malers Wolfgang Kappis war. Papier übt auf Künstler einen ganz besonderen Reiz aus, wissen sie. Das empfindliche und zugleich sehr robuste Material bietet in seinen unterschiedlichen Strukturen und Oberflächen eine schier unerschöpfliche Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten. Die neue Nussdorfer Ausstellung präsentiert circa 100 Arbeiten rund um das Medium Papier – bis hin zu einer begehbaren Installation, die Simon Schubert aus Köln aus zahlreichen Papierbahnen aufgebaut hat. Das Innere ist mit Architekturfaltungen ausgestattet. Die verzierten Türen, barocken Ornamente und verschachtelten Flure werden durch die in der papiernen Decke eingelassenen Beleuchtung erst sichtbar. Ganz ohne Pinsel oder Bleistiftstrich entstehen unter den Händen des 34-Jährigen reliefartige Erhebungen. Je nach Tageszeit und Lichteinfall verändern sich Licht und Schatten in den Bildern. Schubert begreift sich als Bildhauer, der dreidimensionale Raumszenerien in der Fläche konstruiert. Besonders aufmerksam macht Klein auch auf die Arbeiten von Brigitte Waldach, die ausschließlich mit blutroter Farbe auf weißes Papier zeichnet oder schreibt. Viele Arbeiten der 44-Jährigen sind zweiteilig. Die meist weiblichen Figuren bewegen sich in undefinierbaren, nur angedeuteten Landschaften und Räumen. Mit sparsam eingesetzten Linien schafft Waldach eine dreidimensionale Raumwirkung und eine hohe emotionale Aufladung der Bilder. Die Inszenierung der Kultur- und Mediengeschichte ist seit einigen Jahren das Thema von Waldach. Immer wieder werden Bezüge zu Filmen oder Fotografien deutlich. Neben international renommierten Künstlern (Gotthard Graubner, Katharina Hinsberg, Max Neumann, Dieter Roth, Joseph Beuys, Andy Warhol...) stellen Alison und Peter Klein in der Hängung # 6 auch zahlreiche junge Künstler vor. Seit Kurzem in der Sammlung befinden sich Werke von Franziska Degendorfer (geboren 1980), Sebastian Nebe (1982) und Tabimo (1975). Erst vor wenigen Tagen wurde zum Beispiel ein Werk der japanischen Künstlerin Tabimo geliefert, das die Kleins im Mai in Hongkong gekauft haben. In „Skinpots 3“ sind zwei Schichten Papier übereinandergelegt, welche für die menschlichen Hautschichten stehen. Das skulptural anmutende Werk weist biografische Züge auf, denn die Künstlerin leidet an einer Hautkrankheit und stellt das permanente Kribbeln in Form von Insekten dar, die sich unter der Haut bewegen. Das „Kunstwerk“ in Nussdorf wurde im Oktober 2007 eröffnet. Peter Klein schätzt die bisherige Besucherzahl auf nahezu 15 000. An „normalen“ Sonntagen kommen bis zu 100 Gäste – nicht nur aus dem Heimatraum. „Wir haben inzwischen einen Namen und zählen zu den wichtigsten deutschen Sammlungen“, freut sich Klein. Auf die größte Resonanz stieß bisher die Aborigines-Hängung im Jahr 2008. Das „Kunstwerk“ soll übrigens weiter ausgebaut werden. „Wir brauchen dringend ein neues Depot“, erzählt Klein. Deshalb werde die „blaue Halle“ abgerissen und in einen Neubau auch ein Museumscafé eingebaut. Bis im März 2011 soll es so weit sein. Dann denkt man auch an eine Ausweitung der Öffnungszeiten. „Kunstwerk“ Nussdorf, Siemensstraße 40, Öffnungszeiten: mittwochs und sonntags von 11 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt. Öffentliche Führungen jeden ersten Sonntag und Mittwoch im Monat um 14 Uhr (Kosten: drei Euro). Führungen für Gruppen und Schulklassen auf Anfrage unter kunstwerk@sammlung-klein.de.
