Eberdingen (sf). Seit vielen Jahren ist in der Diskussion, was aus dem alten Rathaus in Eberdingen werden wird. Am Donnerstagabend gab der Gemeinderat nun grünes Licht für eine Außensanierung. Die Kosten liegen, je nach Ausschreibungsergebnis, voraussichtlich im Bereich zwischen 250 000 und 300 000 Euro.
Seit vielen Jahren, so Bürgermeister Peter Schäfer, überlegen Gemeinderat und Verwaltung gemeinsam, welche Maßnahmen für das alte Rathaus sinnvoll wären. Einig waren sich schließlich alle darin, dass es – gerade im Ensemble mit Rathaus und Kirche – einen ortsbildprägenden Charakter hat und alleine schon aus diesem Grund erhalten werden muss.
Für eine Sanierung ist die Zeit nun günstig: Bis Ende des Jahres stünden Fördermittel in nicht unerheblicher Höhe aus dem Landessanierungsprogramm bereit. Schäfer wollte deshalb am Donnerstagabend eine zeitnahe Lösung herbeiführen. Der Vorschlag der Verwaltung: das Gebäude außen zu sanieren, wie es zuletzt auch auf einer Klausurtagung besprochen worden war. Der Debatte zugrunde lag ein Maßnahmenkatalog, den Dipl.-Ing. (FH) Sabine Mauer erarbeitet und bei der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellt hat.
In ihrer Berechnung kommt Mauer auf Gesamtkosten von rund 272 000 Euro. Der größte Teil fällt dabei mit 212 254,35 Euro auf den Bereich Baukonstruktion. An den Außenwänden sollen schadhafte Holzteile ausgewechselt werden. Leibungen müssen demontiert werden. Die Glasbausteine sollen durch Holzfenster ersetzt werden. Nicht mehr tragfähige Balken und Unterzüge der Holzbalkendecken müssen ausgetauscht werden. Ein umfangreiches Paket aus über fünfzig einzelnen Positionen, das möglicherweise noch um ein neues Dach erweitert werden wird. Auf Bitte des Gemeinderats wird diese Position alternativ mit ausgeschrieben. Mauer regt zudem an, auch im Innenbereich über einzelne Maßnahmen nachzudenken, wie eine zweiläufige Holztreppe ins erste Dachgeschoss, dem Rückbau der Sirene oder die Demontage der Elektro-Nachtspeichergeräte. Vor allem letztere sieht die Verwaltung als unausweichlich. „Es geht nicht an, dass wir nachher noch Asbest in dem Gebäude haben“, betonte Schäfer.
Auch wenn die Gesamtkosten hoch erscheinen – „Die Zahlen haben mich fast erschlagen“ (Otto Elser, FWE) – sind es doch zwei Dinge, die die Gemeinderäte dazu bewogen haben, das Maßnahmenpaket einstimmig zu beschließen. Zum einen wird das alte Rathaus damit aus seinem „Dornröschenschlaf“ (Schäfer) geholt; zum anderen wird die Maßnahme zu etwa 50 Prozent aus dem Landessanierungsprogramm finanziert. „Machen wir es – aber nur den Status quo“, befand daher Ulrich Strobel (FWE), der sich zuvor auch sehr kritisch geäußert hatte: „Wir spendieren 300 000 Euro für ein Haus, von dem wir nicht wissen, was wir damit machen werden.“ Die Frage der Nutzung ist in Teilen zumindest unklar. Derzeit sind die offenen Jugendarbeit und ein Lagerraum für Revierförster Wolfgang Steinacker dort untergebracht. Dies soll auch weiterhin der Fall sein. Ein weiterer Ansatz, Wohnungen im alten Rathaus anzubieten, wurde bereits als unwirtschaftlich verworfen.
Trotzdem herrschte weitestgehend Einigkeit über die Notwendigkeit der Sanierung. „Es ist richtig, dass wir das jetzt endlich angehen“, bekräftigte Barbara Klein (SPD/Grüne Liste). Fraktionskollegin Veronika Wernstedt unterstrich die Bedeutung des „ortsbildprägend und kulturell wichtigsten Gebäudeensembles“ in Eberdingen. Bernd Hasenmaier (CDU) wertete den Zuschuss von etwa 50 Prozent als „Glücksfall“, die Sanierung selbst als Pflichtaufgabe, der sich das Gremium stellen müsse - nach dem Motto: So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig.
