Riet (aa). Die Rieter Ortsvorsteherin sieht die Sache nüchtern. „Im Moment beschäftigen wir uns mit Planspielen, denn es ist ja kein Geld da“, sagt Roswitha Haid. Gestern Abend wurde im Ortschaftsrat von Riet der Rahmenplan für den Ortskern vorgestellt. Eine Bürgerinformation soll schnellstens folgen. „Viele Dinge sind wünschenswert“, meint Roswitha Haid. Und einige seien dringend. Sie denkt dabei zum Beispiel die Sanierung des Spielplatzes an der Strudelbachstraße, der im Plan auch auf der Agenda steht. Da hat sie im Vorfeld der 1200-Jahr-Feier (2012) Gedankenspiele: „Hier könnte man doch – auch mit Eigenleistung der Bürger – zum Beispiel eine Kneippanlage integrieren.“ Als Reminiszenz an den Heilgelehrten Theophrastus Bombastus Paracelsus, der einige Jahre bei seinem Onkel in Riet gelebt haben soll. Und die Erneuerung der desolaten Fußgängerbrücken über den Bach liegen Roswitha Haid am Herzen. Seit Jahren habe man das auf der Wunschliste. Schon 1989 wurde für Riet ein Entwicklungskonzept gefertigt; die Ergebnisse von damals sind jetzt aktualisiert worden. Die Struktur des Ortes ist in einer Bestandsaufnahme ermittelt und bewertet worden. Das Leitbild für das Entwicklungskonzept des Rahmenplans wird so definiert: Erhalt historischer Strukturen in dem Haufendorf, das neun unter Denkmalschutz stehende Gebäude ausweist, Strukturwandel und Umnutzung im Einklang mit Schutz und Pflege des kulturellen Erbes, Stärkung des Ortskerns als Standort für Wohnen, Nutzung innerörtlicher Wohnflächenpotenziale. Vorrang hat durch Nachverdichtung und Umnutzung die Innenentwicklung, wobei sich vor allem auch leerstehende Gebäude und Scheunen für den Umbau zu Wohnhäusern anbieten. Alleine zehn Scheunen sind ermittelt worden, die sich eignen würden. 35 Gebäude werden in dem 11,4 Hektar großen Gebiet als sanierungswürdig eingestuft. Bei 38 Häusern wurde kein Sanierungsbedarf festgestellt, 45 Gebäude sollen einen geringen Sanierungsbedarf aufweisen. Vor diesem Hintergrund ist natürlich die Sicherung der Grundversorgung in dem rund 950 Einwohner zählenden Vaihinger Stadtteil ein großes Thema. Die vorhandenen Läden (Dorflädle, Elektrohandel) reichen für eine Grundversorgung nicht aus; ihr Erhalt kann mit stadtplanerischen Mitteln nicht gesichert werden. Die Sicherung muss aus dem Ort heraus erfolgen. Im Rahmenplan hat der beauftragte Architekt Gert Wilhelm Bechtle (Besigheim) diverse Varianten zur Neuordnung und Nachverdichtung im Bereich Ludwigsburger Straße/Raiffeisenstraße. Im hinteren Bereich der Strudelbachstraße (bei der Mühle) könnten durch eine Neuordnung der Grundstücksgrenzen drei Baugrundstücke entstehen. Die Mühle gilt als Sanierungsfall. Für die Gestaltung des Dorfplatzes an der Ludwigsburger Straße (vor der „Eintracht“) wird eine neue Raumkante durch Pflanzen von drei zusätzlichen Bäumen angeregt. Auch sollen unter anderem neue Sitzmöglichkeiten geschaffen werden. Insgesamt wird die Ortsdurchfahrt als unattraktiv gestaltet eingestuft; die Kreisstraße wirke störend und zerschneide den Platz. Zur Gestaltung des Rathausplatzes hat Architekt Bechtle gleich mehrere Varianten ausgearbeitet: Mit Stützmauern, kleinen und großen Treppenabgängen, Bäumen... „Wenn es irgendwie geht, würde ich den Rahmenplan gerne noch vor den Sommerferien vorstellen“, sagt Ortsvorsteherin Haid. Und am liebsten wäre es ihr, wenn bei dieser Gelegenheit auch das Ergebnis der Hochwasserschutzplanung ein Punkt wäre...
