Roßwag (ub). Ortsvorsteher Hans-Dieter Eisinger setzt auf Lyrik: „Das Werk ist gelungen.“ Nach über einjähriger Bauzeit ist die neue Roßwager Brücke fertig. Offiziell wird am 16. Juni gefeiert, drei Tage später gibt es für die Roßwager ein Brückenfest.
Seit Montag ist die neue, 63 Meter lange Brücke über die Enz fertiggestellt, gestern wurde der Vorplatz geräumt. Für den Verkehr ist die Brücke noch nicht (offiziell) freigegeben.
Dies passiert am Mittwoch (16. Juni) um 13 Uhr. Zur offiziellen Übergabe geben sich Regierungspräsident Johannes Schmalzl, Landrat Dr. Rainer Haas und der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch die Ehre. Drei Tage später, am Samstag (19. Juni), ab 17 Uhr feiern die Roßwager ihr Brückenfest. Um 17.30 Uhr ist auf der neuen Enzbrücke ein Vespergottesdienst geplant, anschließend übernehmen die Vereine die Bewirtung. Eisinger: „Ich will noch zwei Akkordeonspieler verpflichten, so dass wir die alten Roßwager zum Tanz auf der Brücke auffordern können.“ Damit soll auch die Bindung der Brücke zur Bevölkerung demonstriert werden. Denn zu früheren Zeiten war es Usus, im Mai sonntags auf der Brücke zu tanzen.
Am Montagabend zog der Ortschaftsrat ein positives Fazit von der größten Baustelle des Landkreises Ludwigsburg. „Wir Roßwager sind sehr zufrieden“, formuliert es Ortsvorsteher Hans-Dieter Eisinger. In der über einjährigen Bauzeit – der offizielle „Rammstoß“ des Landrats war am 19. Mai 2009 – habe es 50 bis 60 „Bauingenieure privater Natur“ gegeben, die sich immer wieder um das Bauwerk kümmerten. Eisinger: „Das ist in so einem Dorf auch notwendig und es sind immer wieder kleine Dinge herausgekommen, damit man etwas besser machen konnte.“
Auch in turbulenten Zeiten, als bei der Anbindung der Südseite eine „Klagemauer“ zur Disposition stand, habe man, so Eisinger, gemeinsam eine Lösung gefunden. Ein Roßwager Bürger war bereit, seinen Grund zu verkaufen, ein anderer verzichtete auf langfristige Pachtverträge. Ein anderer stimmte zu, dass sein Acker aufgefüllt werden konnte. Ein Lob hat Eisinger auch für die Stadtverwaltung Vaihingen in petto: Oberbürgermeister Gerd Maisch und Tiefbauamtsleiter Matthias Röser seien bei Problemen immer vorort gewesen, der OB habe selbst die Baustelle abgeschritten und habe so geprüft, ob alle Daten eingehalten worden sind.
Trotz des „gelungenen Brückenbauwerks“ hat der Ortschaftsrat Roßwag noch zwei Wünsche. Zum einen steht die Gestaltung des Brückenparkplatzes auf der Agenda. Dieser Platz ist auch im Rahmenplan verankert. Eisinger: „Da wollen wir jetzt verstärkt Stadtplaner Ernst Loos einschalten.“ Bei dem Platz gehe es um die maximale Zahl von Parkplätzen, um eine saubere Gestaltung und um die weitere Nutzung als Festplatz. Der zweite Wunsch, der im Zusammenhang mit der neuen Brücke steht, ist die Verlegung des Enztalradwegs auf die andere Enzseite. „So wie es jetzt ist, kann dies kein Zustand sein“, kritisiert Ortsvorsteher Eisinger vor allem die prekäre Lage an der Seemühle. Wenn wie am letzten Sonntag Tausende von Radfahrern unterwegs sind, sei das Chaos programmiert. Bereits bei der Bürgerversammlung wurde der Ruf nach einer neuen Route für die Radler laut. Eisinger rechnet mit Kosten von 230 000 bis 250 000 Euro.
Der Neubau der Brücke kostet nach Angaben des Landratsamtes insgesamt 1,8 Millionen Euro. Für das Brückenbauwerk sind 1,3 Millionen, für die Straßenmaßnahme 400 000 und für die Bepflanzung sowie die naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen etwa 100 000 Euro veranschlagt.
Die neue Enzbrücke wurde flussaufwärts mit einem Abstand von einem Meter neben der 60 Jahre alten Überquerung, die aus Gründen der Stand- und Verkehrssicherheit angerissen werden musste, gebaut. Die Fahrbahn der neuen Brücke ist mit insgesamt 10,75 Metern fast doppelt so breit wie bisher. Es gibt einen einseitigen Geh- und Radweg. Die neue Brücke wird 60 Tonnen tragen können, die alte Enzüberquerung konnte mit maximal 16 Tonnen belastet werden.
