Vaihingen (js). So etwas hat die Vaihinger Stadtkirche in ihrer langen Geschichte wohl noch nicht oft erlebt. Der tosende Applaus am Ende der gut zweistündigen Darbietung des Chorprojekts Go.Go North! ließ beinahe den Putz von den Wänden platzen. Es dauerte allerdings recht lange, bis das Publikum derart aufgetaut war.
Der Start hätte aber auch kaum holpriger ausfallen können. Ein nicht eingeschaltetes Funkmikrofon ließ Ursula Eckert bei „Wayfaring Stranger“ ihren Soloeinsatz verpassen – zumindest für die Ohren des Publikums. Ein Techniker war zwar schnell zur Stelle, doch ein paar damit verbundene Kracher aus dem Funknetz machten die Arbeit des Chores nicht gerade leichter. Obwohl viele der Sänger über keinerlei Bühnenerfahrung verfügen, wurden diese Klippen aber professionell umschifft.
Dass das Publikum bis weit in die zweite Hälfte des Konzertes brauchte, um völlig aufzutauen, lässt sich aber selbst mit einem solch holprigen Auftakt nicht unbedingt erklären. Von „die Vaihinger sind ja grundsätzlich zuerst skeptisch“ bis zur Atmosphäre einer Kirche, in der man ja eigentlich nicht klatscht, reichten die Erklärungsversuche für die anfängliche Zurückhaltung der Zuschauer. An der Darbietung des Chores kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Der zeigte sich nach dem anfänglichen kleinen Problem in Bestform. Selbst die eher besinnlich-melancholischen Töne der ersten Konzerthälfte packten kompromisslos zu und ließen einen nicht mehr los. Zugegebenermaßen taugten sie aber auch nicht unbedingt für ekstatisches Mitklatschen und Jubelorgien.
Das änderte sich jedoch spätestens mit „Ride up in the chariot“ direkt nach der Pause. Dieses Spiritual hätte mit dem Solopart von Ulrike Schumm auch ins Hollywood-Klischee über Gospels à la Sister Act gepasst. Die jazzig daher kommende Version von „Jetzt fahrn wir über den See“ schaffte es dann mit einigen eingebauten Gags wie Tröten zur Liedzeile „Der Jäger blies ins Horn“, das Publikum weiter zu packen. Ausgerechnet das mittelalterlich-sakral klingende „Die Nacht ist vorgedrungen“ mit dem Solopart von Iris van Bergen war dann aber dazu in der Lage, endgültig das Eis zu brechen. „Das war auch ein richtig hartes Stück Arbeit. Das war eigentlich kein neues Arrangement, sondern gleich eine neue Komposition und hat richtig Hirnschmalz gekostet“, freute sich Eva Württemberger über den besonderen Erfolg dieses Stücks von Jochen Klepper.
Der Soloauftritt der Chorleiterin mit „Oh Glory“, bei dem der Chor das gesamte Publikum mit seinen Seidentüchern umfasste und in seine Mitte aufnahm, sowie „Coming around again“ mit Peter Schlossers sonorer Solostimme hatten anschließend leichtes Spiel. Nichtsdestotrotz waren sie genauso brillant vorgetragen wie die vorhergehenden Stücke. Der eingangs schon erwähnte donnernde Applaus und eine obligatorische Zugabe waren die logische Folge. Ohne technische Probleme konnte „Wayfaring Stranger“ nun endlich beweisen, dass es eigentlich prima als Eisbrecher getaugt hätte. Mit Begeisterung schnippte und klatschte das gesamte Publikum nun mit. Und so galt schließlich wie im Märchen: „Ende gut, alles gut“. Bei all der Begeisterung für den Chor wurden auch die Begleitmusiker um Projektinitiator Georgie Hocker nicht vergessen. Hocker (Schlagzeug), Markus Metzger (Keyboards), Thomas Dirr (Kontrabass) und Movie Machowetz (Gitarre) hatten zwar eher dezent untermalt, dennoch waren sie für das Gesamtkunstwerk unabdingbar
