Mittwoch, 23. Mai 2012

Kunst auf dem Bauernhof




Leidner und der ehemalige Kälberstall. Foto: Rücker
Leidner und der ehemalige Kälberstall. Foto: Rücker

Kleinglattbach (sr). Seit einem Jahr haben sich in Kleinglattbach scheinbar große Gegensätze vereint: In ehemaligen Stallungen ist das Atelier der Vaihinger Künstlerin Renate Leidner entstanden. Beim Workshop in Kälberstall und Milchküche kann Landluft geschnuppert werden.
 Malen in der Provence, zeichnen in der Toskana. Da klingt der Workshop auf dem Kleinglattbacher Bauernhof erfrischend anders.
Dort, in der Bahnhofstraße 13/15, steht das vermutlich älteste Wohngebäude Kleinglattbachs. Und dort hat die Vaihinger Künstlerin Renate Leidner ihr Atelier eingerichtet. Künstlerin oder Malerin, wie hätte sie’s denn gerne? „Das ist wurst, total egal, mir geht’s mehr ums Schaffen“, sagt die 57-Jährige.
Im Mai 2009 bugsierte sie Bilder, Skulpturen, Materialien und was der Kreative sonst so braucht in zwei Gebäude des Hofes von Georg und Dorothee Vollmer. Im Milchtrakt und im Kälberstall lässt sich Leidner nun von der Muse küssen. Eine Symbiose aus Landluft und Schaffenskraft, die allen Beteiligten sichtlich gut tut.
„Wir sind sehr glücklich, dass hier positive Dinge passieren“, sagt Dorothee Vollmer, während sie vor großformatigen Bildern im ehemaligen Milchtrakt sitzt. Schweren Herzens sahen sich die Landwirte vor zwei Jahren gezwungen, das geliebte Milchvieh zu verkaufen. 75 Schwarzbunte, die bei den Vollmers mit Familienanschluss lebten, mussten gehen. Einerseits altersbedingt, andererseits aufgrund der schlechten Lage haben sich die Vollmers dazu entschlossen, nur noch Ackerbau zu betreiben. Drei Vollerwerbsbetriebe gibt es noch in Kleinglattbach, sagt die Bäuerin. Ihr Anwesen dürfte mit dem Gebäude aus dem Jahr 1547 das älteste sein.
Nachdem die Tiere untergebracht waren, sollten die Räume vermietet werden. „Ich hatte die Befürchtung, dass es normale Abstellräume werden würden. Doch dann kam sie“, sagt Vollmer mit Blick auf Renate Leidner. Spontan habe Leidner gesagt: „Ich male euch eine Kuh für den Stall.“ Woraufhin Dorothee Vollmer gleich das Fotoalbum der Zuchttiere anschleppte. Doch später beschlich die Malerin das Gefühl, dass der Landwirtin etwas an den Bildern nicht behagte.
Schwarzbunte, das sind die Araber der Kühe, sagt Vollmer mit Begeisterung in der Stimme. Die sind grazil und edel. Mit schmalen Fesseln und edlen Köpfen. „Was ich gemalt habe waren eher so urige Albkühe“, erkennt Leidner heute die feinen anatomischen Unterschiede. Immerhin: Der älteste Sohn hat in einem der Kuhbilder sein Kälbchen von damals, die Molly, wiedererkannt. Renate Leidner ist dem ländlichen Dasein schon immer verbunden. Ursprünglich kommt sie aus einem Dorf bei Hildesheim. Auf Wunsch der Eltern habe sie mit Einzelhandelskauffrau zunächst einen gescheiten Beruf gelernt. Doch im Verborgenen habe sie schon immer gemalt und war kreativ. Das Selbermachen sei immer da gewesen, auch beim Schneidern der eigenen Klamotten. Leidner: „Die Leidenschaft ist einfach wichtig, egal, was man macht.“
Mit Mitte 30 lernte sie bei Kunst-Dozenten in diversen Sommerakademien und hat „in der Hausfrauenzeit daheim gemalt“. Ihre drei Kinder seien damit aufgewachsen, dass sich die kreative Mutter in allen Zimmern mit ihren Malutensilien ausbreitete.
Inzwischen könne sie sich gut mit der Kunst über Wasser halten. Von Flugzeugen auf großen Leinwänden für einen Vaihinger Unternehmer bis zum Anmalen eines Schwarzwald-Markthäuschens reicht die Bandbreite ihre Schaffenskraft.
Skulpturen aus Beton – „brauche leichtere Materialien, hatte schon zwei Leistenbrüche“ –, Gips, Speckstein, Malerei und Druck sind ihre künstlerische Leidenschaft. Jetzt entstehen die Objekte in der ehemaligen Milchküche des Vollmer-Hofs. Wenn sie sich von einem ihrer Werke partout nicht trennen kann, gibt es einen Trick: „Manchmal schenke ich mir selbst was.“
Auf dem Hof in der Bahnhofstraße 13/15 in Kleinglattbach finden Workshops in Malerei, Holzschnitt und Plastik statt. Aktuell besteht heute und am Wochenende die Gelegenheit, von 10 bis 17 Uhr bei einem solchen vorbeizuschauen. Informationen bei Renate Leidner unter Telefon 0 70 42/81 33 17 oder Handy 0170/151 61 30.




Seitenanfang