Mittwoch, 23. Mai 2012

Dekan Leins geht in Ruhestand






Dekan Hartmut Leins. Foto: Arning
Dekan Hartmut Leins. Foto: Arning

Vaihingen (aa). "Leins wie Leinsamen, nur ohne amen.“ So stellte sich Hartmut Leins vor, als er vor 15 Jahren in Vaihingen seine Stelle als erster Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde und Dekan des Bezirks antrat. Auf die Eselsbrücke konnte er bald verzichten. Hartmut Leins ist sehr schnell ein Begriff geworden. Ende Juli endet seine Dienstzeit. Wer kennt ihn nicht? Mit großen Schritten „rennt“ er durch die Stadt. Die Aktentasche ist fast immer dabei. Leins gibt zu, immer von einer gewissen Unruhe getrieben zu sein. Wie es im Ruhestand werden wird, mag der Noch-Dekan nicht einzuschätzen, doch seine Frau erhofft sich durchaus positive Veränderungen. Hartmut Leins ist in Vaihingen der Nachfolger von Gerhard Weimer. Wer ihm nachfolgen wird, steht noch nicht fest. Fast ein Dutzend Interessenten um die Stelle hat er in den letzten Wochen durch das Dekanatsamt geführt. „Die Wohnung muss ja für eine Familie passen“, sagt Leins. Nach Lage der Dinge wird der Wahlvorschlag in der kommenden Woche eröffnet; bis Ende Juli soll eine Entscheidung getroffen sein. War Pfarrer der Traumberuf von Hartmut Leins? „Es war für mich relativ früh klar, dass nichts anderes ernsthaft infrage kommen würde“, sagt der Sohn eines kaufmännischen Angestellten und einer Verkäuferin in der Rückschau. Die Vielfalt der menschlichen Begegnungen hätten ihn immer schon gereizt. Als Dekan habe ihn die Verwaltung natürlich stark in Beschlag genommen („Ich habe mir manchmal schon ein wenig mehr Zeit für die Seelsorge gewünscht“). Dettenhausen bei Tübingen, Zaisersweiher (zunächst als Pfarrverweser) und Großaspach bei Backnang waren die Stationen im Berufsleben vor Vaihingen. Vor allem in Großaspach hat Leins zusätzlich Freude an der Arbeit im Bezirk bekommen, war dort unter anderem Diakoniepfarrer. Die Bewerbung in Vaihingen war eine logische Folge. Ein überschaubares und eher ländlich geprägtes Dekanat sollte es sein. Das ist der Bezirk Vaihingen mit seinen rund 30 000 Gemeindegliedern in 20 Pfarreien zwischen Häfnerhaslach und Hochdorf. „Die Möglichkeiten der persönlichen Kontakte sollten schon vorhanden sein“, sagt Leins. Der Dekan, damals noch mit einem Bärtchen auf der Operlippe, hat sich unterm Kaltenstein schnell heimisch gefühlt. „Ich denke, es war insgesamt ein gutes Miteinander“, meint Leins, der sich als Mann der Mitte sieht. Und zur Zusammenarbeit mit den Pfarrern: „Mir war von vornherein wichtig, die vielfältigen Ausprägungen des Glaubens zu respektieren und Brücken zu bauen. Die pietistisch geprägten Gemeinden – zum Beispiel Enzweihingen, Hohenhaslach, Gündelbach – im Bezirk habe ich ernst genommen, die offeneren, liberaleren Gemeinden – Vaihingen, Großsachsenheim, Nussdorf – auch. Mit all ihren Stärken und Schwächen.“ Im Rückblick gibt Hartmut Leins zu, dass er mitunter wohl zu viele Ämter zu betreuen hatte. Da war er unter anderem lange Jahre in der arbeitsrechtlichen Kommission der Landeskirche, im Landesausschuss Kindergarten, im Vorstand des Kirchengemeinde- tages. Doch als er vor fünf Jahren einen gesundheitlichen Crash hatte, musste er zwangsläufig kürzertreten. „Es war ein bissle viel, ich hab ja auch noch in zwei Chören gesungen“, gibt er heute zu. Jetzt freut er sich jedoch unbändig darauf, wieder als Sänger einsteigen zu können. In Horrheim ist er schon aktiv, demnächst werden die Eheleute Leins auch bei der Maulbronner Kantorei wieder antreten. Öffentlichkeitsarbeiter für die Kirche Wie wird Hartmut Leins in Erinnerung bleiben? Sicher als ein Dekan, der die Öffentlichkeitsarbeit für sein „Unternehmen“ in Vaihingen völlig neu definiert hat. Die Außendarstellung liegt ihm enorm am Herzen. Da vergeht kaum eine Woche, in der nicht eine Mail an die Zeitungen verschickt wird. Oft mit Bild. Und da sind vor allem auch die baulichen Aktivitäten, die das Wirken von Leins bestimmt haben. Als er 1995 in Vaihingen antrat, war die Außenrenovierung der Stadtkirche schon voll am Laufen. Mit den Jahren sind das historische Interesse und die Liebe zum Stadtkirchengebäude ständig gewachsen. Daraus entwickelte sich die Mitwirkung an den Denkmalstagen. Heute könnte Leins stundenlang Vorträge über die Kirche halten. Fast sechs Millionen Mark flossen in die Sanierung – mit dem i-Tüpfelchen der Innenbeleuchtung. Umgebaut wurde das Gemeindehaus („Gute Gemeindearbeit braucht gute Räume“), jetzt ist das Gemeindezentrum am Wolfsberg am Entstehen. Demnächst steht das Richtfest an. Die Beziehungen zur katholischen Kirchengemeinde und zur evangelisch-methodistischen Gemeinde wertet Leins als „gut gewachsen, verlässlich und geistlich trägfähig“. Es sei eher das Problem, dass alles als selbstverständlich angesehen werde. Man müsse schauen, dass die nächste Generation überhaupt wahrnehme, was da an Wertvollen geschaffen worden sei. Hat Leins auch schlechte Erinnerungen an die letzten 15 Jahre? Da gab es Unstimmigkeiten in Zusammenhang mit dem Verein Innenhof („Wir haben aber schnell für klare Verhältnisse gesorgt, aber das ist schon mächtig durch mich durchgegangen“). Man sei von großen Konflikten weitgehend verschont geblieben („Ich habe immer geschaut, Konflikte möglichst früh zu erkennen und zu vermitteln“). Doch für Leins haben insgesamt die vielen guten menschlichen Kontakte, Gespräche und Kooperationen in der Gemeinde und im Bezirk überwogen. Die Kontakte wird Leins in Zukunft sicher vermissen. Das ist ihm jetzt schon klar. Wahrscheinlich auch die Gottesdienste (ein- bis zweimal im Monat in der Stadtkirche und dazu noch in den Bezirksgemeinden), die Hochzeiten (am Samstag war die letzte als Dekan) und Taufen. Die noch ausstehenden Predigten stehen indessen schon im Gerüst (wie gesagt, die Unruhe). Wenn dann am 13. Juni die Abschiedsfeier, Beginn um 17 Uhr in der Stadtkirche mit anschließendem Ständerling ebenfalls in der Kirche, überstanden ist, kann Hartmut Leins Luft rauslassen. Bis zur Fußballübertragung der deutschen Mannschaft (20.30 Uhr) soll die Feier beendet sein. Den Sommer will der Dekan a. D. dann in seinem Garten genießen. Der geliebte Dänemark-Urlaub ist in diesem Jahr gestrichen.


Seitenanfang