Vaihingen (elf) – Kaum zu glauben, wie viel Leben in einem Bach herrscht. Diese Feststellung machten diese Woche auch die Drittklässler der Schlossbergschule, die unter der Anleitung des Bezirksfischereivereins Vaihingen das Tierleben im Glattbach bei der Esso-Tankstelle (Vischerkurve) unter die Lupe nahmen.
Die etwas empfindlicheren Gemüter hatten Gummistiefel dabei, die hartgesottenen zogen einfach Schuhe und Socken aus: Im Rahmen der Aktion „Fischer machen Schule“ stapften die Schüler der dritten Klassen der Vaihinger Grundsschule durch den für diese Jahreszeit noch sehr kalten Glattbach. Gestern war die Klasse 3d mit ihrer Lehrerin Linda Hünermann dran.
Was die Kinder da so alles aus dem kleinen Bach fischten, war erstaunlich. Köcherfliegenlarven, Bachflohkrebse, Libellenlarven, Molche und vereinzelt sogar ein paar Blutegel – anschaulicher kann Biologieunterricht nicht sein. Doch das Fach ist ja schon seit langem Vergangenheit. Heute heißt das „Mensch - Natur - Kultur“. In diesem Fächerverbund gehen die Drittklässler derzeit das Thema „Lebensraum Wasser“ durch. Da passte es hervorragend, dass sich der Vaihinger Bezirksfischereiverein bereits vor einem Jahr dem Projekt des Verbandes für Fischerei und Gewässerschutz in Baden-Württemberg „Fischer machen Schule“ angeschlossen hat. Darin haben es sich die Fischer zur Aufgabe gemacht, den Schülern bei der Reise in die Unterwassertierwelt behilflich zu sein und ihnen die Wassertiere vorzustellen.
Bevor sich die Kinder allerdings dem Lebensraum Wasser nähern durften, erklärte ihnen Vereinsvorsitzender Franz Hönekop, mit welchem Gewässer sie es überhaupt zu tun hatten. Der Glattbach, an dem sie gerade saßen, sei die Fortführung des Brünnelesbaches. Der entspringe im Stromberg und versorge den Ensinger See mit Wasser. Zwischen dem See und Kleinglattbach werde der Brünnelesbach zum Glattbach. Kurz vor der Enz münde der Glattbach in den Schmiebach, der nur wenige Meter später in die Enz münde. Diese führe im Moment nur wenig Wasser, da das E-Werk naturverträglicher gemacht werde.
Der Bezirksfischereiverein gebe pro Jahr 10000 bis 15000 Euro für den Fischbesatz aus. Vor allem gefährdete Arten, die auf der Roten Liste stehen, sollen in den hiesigen Fließgewässern wieder heimisch werden. Bauliche Veränderungen, die am Vaihinger Wehr vorgenommen werden, sollen unter anderem auch einer Verringerung der Artenvielfalt in der Enz entgegenwirken.
Mit dem Hinweis, dass alle Tiere, die die Kinder aus dem Glattbach holen, Lebewesen und wieder zurückzuwerfen seien, ging es los. Mit Eimer, Sieb und Becherlupe machten sich die Drittklässler ans Werk und holten erstaunlich viele Kleinlebewesen heraus. Unfreiwillig gab es gleichzeitig eine Bachputzete, denn neben den Tierchen fischten sie auch eine Plastikplane und ein Kondom aus dem Bach.
Heute Morgen geht es ab 8 Uhr am Ensinger See weiter. Die Schüler wurden von den Vaihinger Bezirksfischern zum Angeln eingeladen. Doch eines hat Franz Hönekop den Kindern gleich klargemacht: „Wenn ein großer Fisch gefangen wird, wird der auch getötet.“ Das gehöre halt dazu.
