Mittwoch, 23. Mai 2012

Auricher Ängste vor dem Hochwasser




27/06 2009

Auricher Ängste vor dem Hochwasser

Aurich (aa). Was nun? Die Bürgerinformation zum Thema Kreuzbach in Aurich offenbarte am Donnerstag eine gespaltene Stimmungslage und hat Wellen geschlagen. Der Bogen der Meinungen reichte von „Die wollen uns ersäufa!“ bis „Es wäre eine Blamage für Aurich, wenn das Geld für die Kreuzbachumgestaltung woandershin abfließen würde“. Jetzt deutet sich eine abschnittsweise Umsetzung an.
Warum soll der Kreuzbach überhaupt umgestaltet werden? Ganz einfach: Das Projekt ist eine Maßnahme, die 2006 im Rahmenplan Aurich als wichtig eingestuft wurde. Der kanalisierte innerörtliche Abschnitt des Bachs soll erlebbar gemacht werden. Bisher verläuft der Kreuzbach versteckt hinter Hecken und eingekeilt von Mauern. Ziel der Planung ist, den Ort schöner zu machen. Und der Kreuzbach bietet sich an, da die Flächen allesamt in städtischem Besitz sind.
„Aber es gibt doch viel wichtigere Dinge!“ Solche Aussagen sind von den rund 200 Besuchern in der Turn- und Festhalle deutlich formuliert worden. Vor allem die schlechten Straßen wurden immer wieder genannt.
Der Bach soll etwas Besonderes
für den Ort werden
Das Planungsbüro Essig aus Ensingen hat eine Planung für die Umgestaltung erarbeitet und eine Einteilung in fünf Abschnitte vorgenommen. Der Bach soll nach den Vorstellungen von Michael Essig etwas Besonderes für den Ort werden.Vom Auricher Ortschaftsrat gibt es die Empfehlung einer Umsetzung von drei Abschnitten: Zwischen Richthofenstraße und Hirsauer Straße (Öffnung und Abstufung der Böschung beziehungsweise der Mauer, Entfernen der Hecken), zwischen Hirsauer Straße und Fußweg an der Schule (Zurücksetzung der oberen Kante der Mauer) sowie Abflachung der Grünanlage Bolzplatz zum Bach hin, um das Wasser erlebbar zu machen. Das würde Kosten von rund 180000 Euro verursachen. Die große Lösung mit einer Renaturierung auch weiter Richtung Enzweihingen hätte Kosten von 400000 Euro produziert. Sie ist vom Ortschaftsrat schnell abgelegt worden.
„Das gibt keine Bereicherung, keine Verbesserung“, wurde gewettert. Flussbausteine würden das Wasser künftig bremsen. Die Hochwassergefahr steige. „Alles isch onötig.“ Ja, das Hochwasser. Davor haben die Bachanlieger höllische Angst. Oberbürgermeister Gerd Maisch versuchte mit Engelsgeduld zu verklickern, dass man doch nichts baue, das die Hochwassergefahr verschärfe: „Das dürfen wir nicht und machen wir nicht. Das wäre doch töricht. Eine solche Planung würde nicht genehmigt. Das Gegenteil ist der Fall! Der Abflussquerschnitt wird größer, die Hochwassergefahr kleiner.“ Natürlich könne er aber keine Garantie geben, dass es nie mehr ein Hochwasser gibt. Doch vor einer Umsetzung der Planung gebe es natürlich entsprechende Gutachten. Jetzt befinde man sich noch im Stadium des Vorentwurfs. Maisch: „Wir können zu einer Bürgerinformation doch nicht mit einem weißen Blatt Papier kommen.“
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Es gab durchaus auch Bürger, die sich mit der Umgestaltungsidee anfreunden können, das Projekt als Chance für die Zukunftssicherung sehen. Nicht alles, was in der Vergangenheit gemacht worden sei, habe für alle Zeiten Bestand. Es gehe um die Bewahrung der Schöpfung, um mehr Lebensqualität: „Saudomms G’schwätz!“, war dazu ein dazwischengebrüllter Kommentar. Und OB Maisch sah sich zu einem Ordnungsruf genötigt: „Man ist ruhig, wenn andere reden; das ist ein Akt der Höflichkeit.“
„Wir haben ja nichts dagegen, wenn der Bach schöner wird. Und den Kämmerer schicken wir ungern mit 200000 Euro wieder nach Hause“, war eine Meinung. Doch durch die Umgestaltung würden auch bestehende Ökosysteme kaputt gemacht. Und an Steinen im Wasser würden sich Äste verfangen. Ein Geländer am Bach lade doch die Kinder regelrecht dazu ein raufzusteigen. „Das Bestehende besser pflegen“, war eine dringende Bitte. „Überall hat es Zengessla.“ Eine interessantere Bepflanzung wurde angeregt, die Ratten sollten bekämpft werden. „Und was sagen die Fischer?" Die seien nicht begeistert, musste Ernst Loos, Leiter des Stadtplanungsamtes, zugeben, „sie sehen Steine und Kinder als Störung“.
Zu den „Alternativvorschlägen“. Bessere Straßen seien doch wichtiger. Und sichere Überwege für Kinder. „Machen Sie Druck!“, war die Aufforderung an den OB, der natürlich darauf hinwies, dass es sich hier zum großen Teil um Landes- und Kreisstraßen handle. Da sei in den letzten Jahren sicher viel liegen geblieben. Aber man bringe die Straßen immer wieder ins Gespräch, zuletzt beim Besuch des Regierungspräsidenten.
Es wurde durchaus die Gefahr gesehen, dass das Geld am Ende aus Aurich abfließen könnte. Gerd Maisch: „Wenn die Auricher es nicht wollen – wird finden was.“ Doch er kam dann mit dem Vorschlag einer Umsetzung in Abschnitten. „Kleine Häppchen machen, bevor das Geld nach Gündelbach fließt“, war ein Kompromiss aus der Besucherschar. Und am Bergle-Hang gebe es ja so schöne Trockenmauern, die saniert werden könnten.
Was nun? „Der Abend war aufschlussreich und notwendig“, fand Ortsvorsteherin Helga Eberle nach über zweistündiger Diskussion. „Wir wollen im Ortschaftsrat darüber nachdenken.“ Viel Erfolg bei der Ergebnisfindung!

Eingemauerter Kreuzbach in Aurich. Foto: Bögel
Eingemauerter Kreuzbach in Aurich. Foto: Bögel



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