Vaihingen (sr) – Das lockte in der Pause Schüler des Friedrich-Abel-Gymnasiums in Vaihingen nach draußen: Polizisten machten sich gestern an den Fahrrädern vor der Schule zu schaffen. Diese Aktion bildet den Auftakt einer Reihe von Maßnahmen, bei denen Beamte des Polizeireviers Vaihingen die Sicherheit der Vehikel unter die Lupe nehmen und in Sachen Fahrraddiebstahl aufklären.
„Was machen Sie hier?“, fragt ein Mädchen aus dem Pulk der Schüler, der die Polizisten umringt. Schon vom Klassenzimmer aus haben einige das Treiben rund um die Fahrräder vor dem Schulgebäude beobachtet. Und dann gibt’s in der Pause kein Halten mehr.
Von 11.30 bis 13 Uhr kontrollieren gestern sieben Polizisten vom Revier Vaihingen die Drahtesel vor dem Friedrich-Abel-Gymnasium. „Es wird keiner verhaftet oder gebührenpflichtig verwarnt“, gibt Hauptkommissar Diethelm Beier Entwarnung. Außerdem wolle man bei diesem Fahrrad-Check nicht päpstlicher sein als der Papst. Aber Sicherheitsmängel werden gesucht und an manchen Fahrzeugen auch gefunden.
Infolge dessen werden einige Eltern von ihren Sprösslingen eine Mängelliste überreicht bekommen. An rund 100 Fahrrädern hantieren die Männer und Frauen vom Revier: Hier klingelt eine Polizistin, dort überprüft ein Kollege die Vorderradbremse. Ein Beamten-Trio versucht, die Rahmennummer eines Zweirads zu entziffern. Diese Nummer wird umgehend mit denjenigen verglichen, die als gestohlen gemeldet sind.
Offiziell handle es sich um eine Aktion der „Fahrradkonzeption 2009 zur Eindämmung des Fahrraddiebstahls und zur Überprüfung der Sicherheit“, sagt Hauptkommissar Beier. Seit diesem Jahr vergleicht im Vaihinger Revier eigens ein Fahrradkoordinator die Daten aufgefundener mit denen gestohlener Räder. Beier: „Im Jahr 2008 gab es im Zuständigkeitsbereich unseres Reviers 66 Fahrraddiebstähle.“ In diesem Jahr wurden in Vaihingen schon 13 Fahrräder entwendet, die meisten davon in der Kernstadt. „Elf davon waren nicht verschlossen“, sagt Beier und gibt zu bedenken, dass Gelegenheit Diebe mache.
Ein weit verbreitetes Problem sei, dass die Rahmennummer im Falle eines Falles häufig nicht bekannt sei. Da kann der Fahrradpass Abhilfe schaffen. In diesen Pass, der beim Revier erhältlich ist, trägt der Besitzer die Daten seines Drahtesels ein.
„Es gibt aber auch die Möglichkeit, Fahrräder codieren zu lassen“, ergänzt Beier. Beispielsweise am 12. Juli, dem „Tag der Helfer“ in Vaihingen. Bei einem Info-Stand zum Thema Fahrrad der Polizei können Fahrräder nachmittags gegen eine Gebühr mit Lasertechnik codiert werden. Manche Radler plagt allerdings die Angst um ihr Vehikel. Beier: „Ein schonendes Verfahren, der Rahmen wird nicht beschädigt.“ Im Lauf des Jahres sind weitere Aktionen geplant, beispielsweise am Enztalbad oder an anderen Schulen. Die Schulleitung wurde im Vorfeld des Polizeiaufgebots übrigens informiert. Immer wieder mal seien solche Aktionen in den letzten Jahren durchgeführt worden.
Insgesamt sind die Beamten zufrieden mit den Fahrrädern der Schüler. Beier: „Die sehen schon alle recht gut aus, keine Wracks.“ Hier und da steckt anschließend ein Mängelbericht am Radl, der die Eltern hoffentlich erreicht. Ein dickes Lob hat der Hauptkommissar noch parat: „Toll, nur ein einziges Fahrrad war nicht verschlossen.“ Doch der Teufel steckt auch hier im Detail. Ein vermutlich hochwertiges Zweirad hat zwar ein massives Schloss und dieses auch aktiviert, leider aber an der falschen Stelle. Beier: „Die drei Speichen sind schnell durchtrennt.“
Beim Abgleich der Rahmennummern landet die Polizei einen Treffer. Das heißt aber vorerst lediglich, dass es sich um ein gestohlenes Fahrrad handeln könnte. Oberkommissar Bernd Nagel: „Die Rahmennummern sind sehr kurz und werden bei minderwertigen Fahrrädern teilweise mehrfach vergeben.“
Ein Schüler darf nach der Schule nicht mehr in die Pedale treten, das Fahrrad ist nicht verkehrssicher. Das erinnert an den Spruch: Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. Nicht vergessen: Der Radler sich Kummer erspart, hat er die Rahmennummer parat!
