Illingen (elf) – Am Ende war es eine klare Sache: Bei nur einer Gegenstimme sprach sich der Illinger Gemeinderat für den Bau einer Westtangente aus. Die Verwaltung wird nun die Aufnahme der Trasse, von der eine deutliche Verkehrsentlastung im Ort erwartet wird, in das Straßenbauprogramm des Enzkreises beantragen. Vor der Abstimmung stellte Dr. Henrik Schwarz vom Vaihinger Ingenieurbüro Schwarz die Linienfindungspläne vor.
„Das ist der erste Schritt, der noch nichts mit einem Vorentwurf oder gar einem Entwurf zu tun hat“, sagte Schwarz. Vielmehr sei der Linienfindungsplan dazu da, zu prüfen, ob die Trasse in der gewünschten Lage und vom Höhenprofil her technisch umsetzbar ist. Die Westtangente könnte demnach dem sogenannten Massentransportweg folgen, über den seinerzeit der Abtransport des Bodenaushubs im Rahmen des Baus der ICE-Bahnstrecke erfolgte. Dieser Feldweg soll erhalten werden, die Westtangente parallel dazu verlaufen.
Jeweils zwei Varianten legte der Planer vor – zwei für den Anschluss an die Bundesstraße 35, zwei für den Anschluss an die Schützinger Straße. Die teure Lösung wäre eine Variante mit Unterführung unter der B35. Der aus Richtung Bruchsal kommende Verkehr würde rechts abfahren und in einer großen Schleife unter der Bundesstraße durchgeführt werden. Diese Variante würde viel Geld für den Grundstückskauf verschlingen, auf eine Ampelanlage könnte dafür verzichtet werden. Bei der zweiten Möglichkeit würde der aus Richtung Bruchsal kommende Verkehr per Ampelanlage nach links auf die Westtangente geleitet. Die Anbindung an die Schützinger Straße könnte einerseits per Kreisverkehr erfolgen. Hierfür wäre allerdings auch viel Grunderwerb nötig. Als zweite Variante schlägt Planer Schwarz eine abknickende Vorfahrt nach Illingen vor, was vor allem für den Lkw-Verkehr angenehmer wäre. Billig ist der Ruf nach einer Westtangente unterdessen nicht. Die teuerste Lösung würde netto knapp 2,6 Millionen Euro verschlingen – Grunderwerb, Ausgleichsmaßnahmen und Nebenkosten noch nicht mit eingerechnet. Die günstige Variante wäre netto für rund 1,6 Millionen zu haben. Zum Vergleich: Die von der Gemeinde ebenfalls gewünschte Osttangente würde 2,14 Millionen Euro verschlingen.
Entgegen den Ergebnissen einer aktuellen Verkehrsuntersuchung äußerte SPD-Gemeinderat Edgar Mantai die Befürchtung, dass mit der Westtangente der Verkehr in der Schützinger Straße zunehmen wird. Auch Ingeborg Beller, Fraktionsvorsitzende der UBL, konnte es sich „nicht vorstellen, dass die Schützinger Straße entlastet wird“. Sie äußerte auch dahingehend Bedenken, dass die Umgehung durch ein Wasserschutzgebiet führen soll. Doch nach Abwägung von Für und Wider stehe für sie die Entlastung der Bahnhofstraße im Vordergrund. Eine Entlastung der Schützinger Straße sei spätestens dann zu erwarten, wenn auch die Osttangente einmal realisiert werden würde.
Winfried Scheuermann (CDU) – ebenso wie Edgar Mantai Anwohner der Schützinger Straße – brach eine Lanze für die Verkehrsuntersuchung: „Das sind keine Dilettanten, die diese Untersuchung gemacht haben.“ Ordnungsamtsleiterin Heidi Schmid pflichtete ihm bei: „Wir haben keinen Anhaltspunkt, die Zahlen anzuzweifeln.“ Gleichzeitig widersprach sie Scheuermanns Aussage, die Schützinger Straße könne man mit Restriktionen (beispielsweise Sperren für Schwerlastverkehr) entlasten.
SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Kluge betonte, dass eine wirksame Verkehrsentlastung in Illingen letztlich nur durch West- und Osttangente zu erreichen sei. Mit der Westumfahrung alleine werde der Verkehr nur umverteilt. Da es sich bei der Schützinger Straße um eine Kreisstraße handele, könne man sie nicht vom Schwerlastverkehr befreien. „Wenn die Westtangente der Einstieg ist für eine Verkehrsentlastung im Zusammenspiel mit der Osttangente, kann ich ihr mit Bedenken zustimmen“, sagte Kluge. Eric Schach, Fraktionsvorsitzender der CDU, wurde genauer: „Wir können mit einer guten Verkehrsentlastung rechnen und sollten den ersten Schritt machen.“ Fraktionskollegin Heidi Bopp („Wir sollten das Verkehrsgutachten nicht anzweifeln“) pflichtete ihm bei.
Am Ende stimmt lediglich Edgar Mantai gegen die Westtangente.

