Mittwoch, 23. Mai 2012

Oettinger in Illingen




Ministerpräsident Günther Oettinger trägt sich in das goldene Buch der Gemeinde Illingen ein. Foto: Elsässer
Ministerpräsident Günther Oettinger trägt sich in das goldene Buch der Gemeinde Illingen ein. Foto: Elsässer

Illingen (elf) – Einen Bogen von Illingen bis nach Europa und wieder zurück spannte Ministerpräsident Günther Oettinger gestern Abend bei einem Bürgerempfang in der Stromberghalle in Illingen. Die Stromberggemeinde war letzte Etappe seines Besuchs im Enzkreis.
Es war der ausdrückliche Wunsch des Ministerpräsidenten, ein Bad in der Menge zu nehmen. Folglich sah das Protokoll auch keine langen Reden vor. Die Gespräche mit den Bürgern, den Kontakt zum Volk hat Oettinger gesucht – und gefunden. Da dauerte es allerdings eine Weile, bis endlich auch ein paar Illinger Bürger zu Wort kamen. Denn ein paar rege Aktivisten aus Ölbronn-Dürrn, die sich gegen die Errichtung eines Mobilfunkmastens wehren, haben den Landesherrn umgehend in Beschlag genommen und wollten ihn so schnell auch nicht wieder loslassen.
Doch schließlich haben es auch noch ein paar Illinger geschafft. So zum Beispiel Heinz Striegel vom Seniorenclub, der mit einem Fotoalbum erschien. Ein Bild darin zeigt Oettinger mit dem Illinger Winfried Scheuermann. „Das habe ich mir signieren lassen“, freute sich Striegel. So hatte der Ministerpräsident in erster Linie Autogramme zu schreiben. Dazwischen immer wieder ernsthafte Fragen wie die von Valentin Zemrich, der sich danach erkundigte, wie die Landesregierung damit umgeht, wenn die Gymnasiasten von G8 und G9 gemeinsam auf den Studien- und Arbeitsmarkt drängen. „Wir haben eine sehr gute Prognose“, sagte Günther Oettinger, „der Übergang bis 2012 ist gewährleistet.“ Vieles würde sich entzerren, da einige zur Bundeswehr oder zum Zivildienst gehen würden. Andere würden erstmal ein Praktikum entwerfen. Außerdem habe die Landesregierung das Hochschulprogramm „Hochschule 2012“ auf den Weg gebracht, das eine deutliche Vermehrung der Studienplätze beinhalte.
Bevor sich der Ministerpräsident unters Volk mischte, sang er ein Loblied auf den Enzkreis. Der Landkreis habe sich in den letzten Jahren hervorragend entwickelt. „Die Menschen wohnen und arbeiten hier gerne“ , sagte Oettinger. Mit den Städten Mühlacker und Pforzheim sei erreicht worden, „dass das Band zwischen Stuttgart und Karlsruhe nicht untergeht“. Die Bürger im Kreis seien nicht Untertan dieser Großstädte.
Fortan zeichnete er ein düsteres Zukunftsbild. Nach drei erfolgreichen Jahren sei seit September 2008 nichts mehr, wie es war. Die Wirtschaft im Land werde erstmals eine Schrumpfung von 6,5 Prozent erfahren. Auf dem Arbeitsmarkt habe dies noch nicht voll durchgeschlagen, was mit den Regeln der Kurzarbeit zu tun habe. Auf dem Finanzmarkt habe man die Talsohle eventuell bereits durchschritten. „Auf dem Arbeitsmarkt kommt die Krise erst im Winter an“, sagte der Landesherr. Dann seien vor allem viele junge Leute betroffen, da viele Betriebe nicht mehr einstellen. „Junge Leute brauchen aber einen Beruf und Perspektiven“, mahnte Oettinger. Deswegen seien Wirtschaft und Arbeitsmarkt die Herausforderungen Nummer eins.
Auch sein Blick auf die öffentlichen Kassen war sorgenvoll. Auf die jetzt wegbrechenden Steuereinnahmen sei die öffentliche Hand nicht vorbereitet. Gleichzeitig könne sie aber ihre zu erfüllenden Aufgaben nicht um 6,5 Prozent kürzen. So stünden den Bürgern „einige Jahre hoher Staatsverschuldung bevor“. 42 Milliarden Schulden würden auf Baden-Württemberg lasten. Aus dieser Schuldenfalle gelte es herauszukommen und zwar durch maßvolles Sparen. Baden-Württemberg verfüge nicht über Bodenschätze. „Unsere einzigen Schätze sind unsere Bildung, unser Verstand, unser Wissen und unser Charakter“, sagte Oettinger. In diesem Bereich gelte es zu investieren. „Unsere Kinder haben Fürsorge, Bildung und Förderung mehr als verdient.“
Amerika, woher die Krise kam, sei jetzt ein Sorgenfall und nicht mehr wie einst der Taktgeber für die Welt. Diese Chance müsse Europa erkennen und nun Verantwortung übernehmen. Im gleichen Atemzug lobte der Ministerpräsident die ehrenamtliche Arbeit in den Vereinen, Kirchen und Institutionen. Von dieser Arbeit hänge es ab, ob eine Gemeinde blüht und gedeiht. Wenn die Ehrenamtlichen hierzulande weiter einen Teil ihrer Freizeit einbringen würden, bleibe der Enzkreis „eine liebenswerte und erfolgreiche Region“.
Bürgermeister Harald Eiberger erinnerte daran, dass seit der Amtszeit von Hans Filbinger kein Ministerpräsident mehr in der Gemeinde Illingen gewesen sei und ließ Oettinger sich in das goldene Buch der Gemeinde eintragen. Gemeinsam mit den Illinger Landfrauen überreichte er einen Geschenkkorb, der unter anderem Wein enthielt sowie eine Rebe Schwarzriesling. Für die musikalische Unterhaltung sorgte der Musikverein Illingen.
Im Rahmen seines Aufenthalts im Enzkreis besuchte Günther Oettinger vorher die Gemeinde Straubenhardt, Pforzheim sowie eine Firma in Wimsheim.




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