Vaihingen (aa). Mitten in Vaihingen soll ein attraktives Wohngebiet mit fast schon parkartigem Charakter entstehen. Auf dem 4800 Quadratmeter großen Gelände der früheren Strickwarenfabrik Adolf Hessenthaler im Quartier zwischen Löbertstraße, Brenzstraße, Heiligkreuzstraße und Hans-Krieg-Straße ist eine Bebauung mit Einzel- und Doppelhäusern geplant. Die Fabrikgebäude Hessenthaler werden abgerissen.
Die Strickwarenfabrik Hessenthaler beziehungsweise später die neue Marke Hardy Strickmodelle gelten in Vaihingen als Traditionsfirmen. Adolf Hessenthaler hatte das Unternehmen 1924 gegründet, sein Sohn Gerhard führte es ab 1955 weiter. Die Anlagen wurden in insgesamt sechs Bauabschnitten erweitert. Bis 1994 wurde in Vaihingen produziert. Die Marke Hardy wird auch vom heutigen Inhaber Thomas Jelden, Enkel des Firmengründers, gepflegt. Die Kollektionen werden nach wie vor im Vaihinger Musteratelier, das sich inzwischen in der ehemaligen Beschälplatte in der Löbertstraße befindet, erstellt. Produziert wird indessen in verschiedenen Lohnbetrieben, die für Hardy stricken, ausrüsten, färben und konfektionieren.
Die Betriebsgebäude waren zum Teil vermietet oder werden als Lager genutzt; eine sinnvolle Gesamtnutzung konnte nicht gefunden werden, zumal ein Produktionsbetrieb quasi mitten in der Stadt Konfliktpotenzial hervorgerufen hätte. Letztlich gab es für Thomas Jelden nur eine sinnvolle Nachfolgenutzung, nämlich durch eine Wohnbebauung. „Der Schritt ist mir nicht leicht gefallen“, sagt Jelden. Die Planung für die neue Wohnnutzung sei aber mit der großen Zustimmung aus Verwaltung, Stadtteilausschuss und Stadtrat auf den Weg gebracht worden, freut er sich. Das nun könnte wiederum Bauinteressierte freuen, denn damit wird eine der besten innerstädtischen Lagen der Kernstadt erschlossen – und dies im Wesentlichen für Einfamilienhäuser und Doppelhäuser, jeweils mit einem großzügigen Gartenanteil.
Mit dem Typus der Neubauten will man sich an der Umgebung orientieren. Der Charakter der Löbertstraße wird im Entwurf eines Architekten aus dem Kreis Esslingen aufgenommen. Es soll ein durchgrüntes Wohnquartier entstehen, wobei die Ausrichtung der zweigeschossigen Häuser einen hohen Wohnwert erwarten lässt und zudem alle Möglichkeiten der Solarnutzung schon berücksichtigt.
Auch an den großzügigen Wohnungen eines möglicherweise im Quartierinneren entstehenden Mehrfamilienhauses besteht offenbar bereits Interesse. Das in seiner Höhenentwicklung und seiner Grundrissabmessung sehr zurückhaltende Gebäude fügt sich harmonisch in die Umgebung ein und würde – falls es realisiert wird – mit Tiefgarage und Aufzug ausgestattet. „Großzügige Terrassen und Balkone ermöglichen den perfekten Alterssitz“, sagen die Ideengeber. Die ruhige Lage des Quartiers und die unmittelbare „fußläufige“ Erreichbarkeit des Stadtkerns sind weitere Argumente für eine zügige Umsetzung des Entwurfs. „Wir wollen damit zur positiven Entwicklung in der Erneuerung unserer Kernstadt beitragen“, sagt Thomas Jelden.
Wie sieht die Zeitplanung aus? Der Einleitungsbeschluss für den städtebaulichen Entwurf ist Anfang des Jahres gefasst worden. Jetzt stehen der Rechtsplanentwurf mit einer Beteiligungsrunde (Träger öffentlicher Belange/Anlieger) und die Verabschiedung des Bebauungsplanes an. Der Abriss der Firmengebäude ist im Februar und März vorgesehen; gleich anschließend kann die Neubebauung (verschiedene Bauträger haben schon Interesse gezeigt) erfolgen. Beim Vaihinger Stadtplanungsamt ist gegen diesen Zeitplan nichts einzuwenden. „Er ist realistisch“, sagt Thomas Schmitt, Stellvertreter von Stadtplaner Ernst Loos.
