Mittwoch, 23. Mai 2012

Illingen will Westtangente




Hier soll die Westtangente durchführen. Foto: Elsässer
Hier soll die Westtangente durchführen. Foto: Elsässer

Illingen (elf) – So richtig glücklich scheinen die Illinger Gemeinderäte nicht damit zu sein. Dennoch werden sie heute Abend allem Anschein nach für den Bau einer Westtangente zwischen B35 und Schützinger Straße stimmen. Das Problem: Der mit der Tangente erwarteten Verkehrsberuhigung im Ortskern steht eine Verkehrszunahme in der Ensinger Straße gegenüber. Außerdem läuft die Trasse durch ein Wasserschutzgebiet.
Die Belastung der Gemeinde Illingen durch Kraftfahrzeuge ist immens. Laut Verkehrsuntersuchung vom November 2007 sind in der Mühlacker Straße täglich 13000 und in der Bahnhofstraße 12200 Fahrzeuge unterwegs. 8200 Fahrzeuge wurden im westlichen Bereich der Vaihinger Straße und 7400 Fahrzeuge in der Ensinger Straße gezählt. Der Anteil des Durchgangsverkehrs liegt bei rund 40 Prozent. In einer Verkehrsprognose sehen Gunter Kölz und Andreas Weber von der Ludwigsburger Planungsgruppe Kölz eine maximale Verkehrszunahme bis zum Jahr 2025 von etwa 23 Prozent. Dringender Handlungsbedarf ist also gegeben. Das Allheilmittel sollen Ortsumfahrungen sein – am besten eine Kombination von westlicher und östlicher Umfahrung Illingens. Heute Abend, 19 Uhr, soll der Illinger Gemeinderat über den Bau einer Westtangente befinden.
„Das Thema Osttangente wird auch noch auf die Tagesordnung kommen“, schickte Bürgermeister Harald Eiberger vorweg, „doch da sind wir mit der Abklärung noch nicht so weit“. Die Frage stelle sich, was in absehbarer Zeit eher zu bewältigen sei. Mit der Realisierung der Westtangente könne die größte Fahrzeugmenge aus dem Ort verbannt werden. Was den Illinger Schultes weiter vorantreibt, ist das Signal des Regierungspräsidiums Karlsruhe, dass für die westliche Umfahrung Fördermittel winken. Da die Trägerschaft für den Bau und den späteren Unterhalt beim Enzkreis liegt, möchte die Gemeinde nun beantragen, dass die Westtangente in das Kreisstraßenprogramm aufgenommen wird.
„Wir wollen erst das eine und dann das andere machen“
Dabei liegen zwei Probleme auf der Hand. Erstens: Die Trasse der Westumgehung führt durch ein Wasserschutzgebiet. Zweitens: Durch die Westtangente ist laut Verkehrsuntersuchung mit einer Verkehrszunahme auf der Ensinger Straße von acht Prozent zu rechnen. Die Entlastung auf der Bahnhofstraße wird mit 33 Prozent weniger Verkehr angegeben. „Die Tangente ist nicht die ultimative Lösung der Verkehrsprobleme in der Gemeinde“, sagte Eiberger. Mit restriktiven Maßnahmen könne man allerdings beispielsweise den Verkehr von der B35 in Richtung Heilbronn auch über Schützingen und Gündelbach leiten. „Wir wollen aber erst das eine und dann das andere machen“, so der Schultes. Er wolle sich jedenfalls „nicht den Vorwurf einhandeln, dass man etwas verschlafen hätte“. Warum der Bürgermeister die Gemeinderäte vorab in nichtöffentlicher Sitzung über das Vorhaben informierte, bleibt unbeantwortet: „Ich werde zu nichtöffentlichen Sitzungen nichts sagen“, so Eiberger.
CDU-Gemeinderat Winfried Scheuermann hat in seiner Eigenschaft als Kreisrat in Sachen Westtangente im Kreistag schon mächtig gewirbelt. Sie sei „ein typischer Fall für eine Kreisstraße“. Es handele sich lediglich um ein kurzes Stück Straße, ein ohnehin existierender und von vielen Autofahrern bereits unerlaubt benutzter Schleichweg. Für den Verkehr zwischen B10/B35 und Schützingen sei die Westtangente ein schneller Weg. Somit sei eine spürbare Entlastung der Bahnhofstraße gegeben. Doch was ist mit der Durchschneidung des Wasserschutzgebiets und der prognostizierten Verkehrszunahme auf der Ensinger Straße? Scheuermann: „Eine Patentlösung gibt es nicht.“ Mit verkehrsregelnden Maßnahmen (die Schützinger Straße für den Schwerlastverkehr sperren) könne man die Lkw auf der B10 weiterlenken. Die Osttangente beinhalte den Nachteil, dass sie zu einem erheblichen Teil auf Vaihinger Markung läuft.
UBL-Fraktionsvorsitzende Ingeborg Beller bezeichnete das Thema als schwierig. Sie hätte gerne alle drei in der Verkehrsuntersuchung vorgeschlagenen Umfahrungen (West- und Osttangente sowie Südostumfahrung Ensingens). Eine Mehrbelastung der Ensinger Straße durch die Westumgehung sieht sie nicht. So gesehen sei diese Tangente eventuell der Einstieg in die „große Lösung“. Dass die Straße durch ein Wasserschutzgebiet führen soll, hält sie für tragbar angesichts der Tatsache, wie viele Autobahnen und Schienenstrecken durch Wasserschutzgebiete führen.
„Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die Realisierung von Ost- und Westtangente, wie es im Gutachten vorgeschlagen wurde, das beste ist“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Kluge. Daher stehe er jetzt dem Vorhaben Westtangente positiv gegenüber. „Ohne Westtangente bekommen wir keine Osttangente.“ Diese dürfe später nicht an der Kreisgrenze scheitern. Das Problem sei in der Tat der zunehmende Verkehr auf der Ensinger Straße Richtung Heilbronn. „Doch wir wollen taktisch einen Schritt nach vorne kommen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende.
„Die Westtangente allein bringt keine Entlastung“ meinte Grünen-Fraktionsvorsitzender Peter Pförsich. Weitere Pferdefüße seien die zu erwartende Verkehrszunahme in der Ensinger Straße und das Wasserschutzgebiet. „Ich sehe die Westtangente daher mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, so Pförsich. Ein Teil des Illinger Verkehrs sei hausgemacht, so der Grünen-Chef, der als Beispiel die Spedition Winner anführt. Er sei hin- und hergerissen, zumal es im Nachbarort Ensingen nur schwer zu vermitteln sei, dass dort der Verkehr zunehmen wird.
Tatsächlich herrscht beim Ensinger Ortsvorsteher Werner Rohloff wenig Freude vor über den Illinger Ruf nach einer Westtangente. „Wir haben schon einmal deutlich gemacht, dass Illingen seine Verkehrsprobleme nicht auf unserem Rücken austragen soll“, sagte Rohloff auf Anfrage unserer Zeitung. Er kündigte Widerstand gegen den Schwerlastverkehr an. Dieser soll seines Erachtens auf der B10 weitergeleitet werden und schon gar nicht durch Illingen und Ensingen rollen.




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