Vaihingen (ub). Die Zeit vor 500, 600 Jahren wurde wieder lebendig. Zum 60-jährigen Bestehen des CJD Jugenddorfes Schloss Kaltenstein gab es am Wochenende erstmals ein mittelalterliches Spektakel. Landsknechte, Minnesänger und Gaukler bestimmten das Geschehen.
Ein Fazit kann bereits jetzt gezogen werden: Das Mittelalter bleibt auf Schloss Kaltenstein lebendig. Tausende von Besuchern wurden am Samstag und Sonntag rund um das Vaihinger Schloss gezählt. „Es wird auf jeden Fall eine Fortsetzung geben“, sagt Jugenddorfleiter Klaus-Dieter Drensek. „Wir können uns auch noch problemlos ausweiten“, ergänzen Jürgen Nagelschmidt und Rainer Weber, die das Spektakel ein Jahr lang organisiert haben. Der Schlossinnenhof, der Rittersaal, der Gewölbekeller, weiteres Freigelände – es gibt noch genügend Flächen, um die komplette Bandbreite des Mittelalters zu zeigen.
Obwohl die Mittelalter-Szene regelrecht boomt und die Besucher als Eintritt ordentlich Wegezoll löhnen müssen, verzichteten die CJD-Verantwortlichen am Wochenende auf zuviel Profihaftes. Das Spektakulum kostete keinen Eintritt, trotzdem wurde mit Schaukämpfen der Landsknechte Neuenbürg, mit Showeinlagen von Forzarello, mit einem Konzert von Geyers Schwarzer Haufen und mit Tänzen der Mittelalterlichen Gesellschaft Bönnigheim ein großes Programm geboten. „Wenn wir null auf null herauskommen, ist das in Ordnung. Wir feiern schließlich unseren 60. Geburtstag“, sagt Nagelschmidt.
In einem „großen Kraftakt“ haben Nagelschmidt und Weber Aktionen für die ganze Familie auf die Beine gestellt. „Das tolle Ambiente hier bietet sich für ein mittelalterliches Spektakulum ja gerade an.“ In einem extra Bereich konnten die Kinder beispielsweise Stockbrot und Würste grillen, sich Schminken lassen oder Spiele machen. Wichtig war den Organisatoren auch, dass sich die Jugendlichen vom Schloss zeigen können. In den verschiedenen Werkstätten wird in 35 verschiedenen Berufen ausgebildet – und beim Mittelaltermarkt traten die Metaller als Schmiede auf, die Friseure als Bader und die Hauswirtschafterinnen verkauften Essig und Öl.
Hobbyisten sind dagegen Engelbert Schmitz aus Überlingen und Klaus-Peter Müller aus Bönnigheim. An ihrem Stand fertigen die beiden Männer Kettenhemden her, quasi die „Arbeitsschutzkleidung“ für die Ritter. 200 Stunden dauert es, bis ein 13 Kilo schweres Kettenhemd, bestehend aus 30000 Ringen, hergestellt ist. Schmitz und Müller haben für die Marktpremiere auf Schloss Kaltenstein nur Lob parat: „Wir fühlen uns sehr wohl hier.“
Eröffnet wurde das mittelalterliche Spektakulum am Freitagabend mit einem Rittermahl in der Aula des Schlosses. Mit 120 Essern war die Veranstaltung ausverkauft. Süffiges Met, Treberbrot und Griebenschmalz, Pastete und Kresse, Linsensüpplein, Zander auf einem Hauch von Wirsing, Schweinekeule nach Landsknechtart an Schwarzbiersoße und ein Quarktraum mit frischen Beeren wurde von der Küche des Jugenddorfs in der mit Kerzen ausgeleuchteten Aula kredenzt. Für die Besucher eine schweißtreibende Angelegenheit, denn um die Atmosphäre zu erhöhen, wurde die Decke mit Tüchern abgehängt.
Stilecht der Tisch der Honoratioren auf der Bühne: Schlossherr Klaus-Dieter Drensek bewirtete hier unter anderem das Ehepaar Griesinger aus Markgröningen, Oberbürgermeister Gerd Maisch und Pfarrer Thomas Moser. „Heute Abend wollen wir Unterhaltung, Essen und Trinken“, so Drensek. Die Becher und Schalen, in denen die Getränke und Speisen gereicht wurden, wurden von jungen Leuten unter 25 Jahren, die sich zu einer speziellen Maßnahme „work and basic“ für ein halbes Jahr im Schloss Kaltenstein aufhalten, selbst gegossen, getöpfert und gebrannt.
Den Mund verbrannt hat sich am Freitagabend höchstens der Herold, der mit flotten Sprüchen zur Unterhaltung der Besucher beitrug. Doch zu einem Rittermahl gehört nun einmal Deftiges – und die Giftprobe hat das Schandmaul problemlos überstanden.
