Mittwoch, 23. Mai 2012

Sogar die Stadt gibt Waffen ab




Tobias Zucker lernt während seiner Verwaltungsausbildung im Vaihinger Rathaus viel kennen – unter anderem die vier Gewehre, mit denen früher die städtischen Feldschützen ausgerüstet waren. Foto: Küppers
Tobias Zucker lernt während seiner Verwaltungsausbildung im Vaihinger Rathaus viel kennen – unter anderem die vier Gewehre, mit denen früher die städtischen Feldschützen ausgerüstet waren. Foto: Küppers

Vaihingen (rkü). Die Stadt Vaihingen geht bei der Verschrottung von Waffen mit gutem Beispiel voran: Auch vier Gewehre, die früher zur Ausstattung der Feldschützen gehörten, werden vernichtet. In den vergangenen Wochen gaben Waffenbesitzer aus Vaihingen und Umgebung insgesamt 200 Langwaffen und 150 Pistolen und Revolver ab.

994 Waffenbesitzer haben im Mai Post aus dem Vaihinger Rathaus bekommen. Inhalt des Schreibens: Die Aufforderung, vorhandene Waffen sicher aufzubewahren und vor unbefugtem Zugriff zu schützen. Und ein Denkanstoß: „Als Alternative zur Anschaffung neuer Waffenschränke bitte ich Sie eindringlich, zu überlegen, ob Sie noch Interesse an dem Besitz Ihrer Schusswaffen haben.“ Unterschrieben hat Oberbürgermeister Gerd Maisch.

Dieser Brief ging an alle Personen, die in Vaihingen, Eberdingen, Sersheim und Oberriexingen als Waffenbesitzer gemeldet sind. Für diesen Personenkreis ist die Vaihinger Verwaltung die zuständige Waffenbehörde. Diese landete mit ihrem Aufruf zur Abgabe einen vollen Erfolg. „Viele waren froh, dass sie jetzt einen Anlass hatten, die alten Waffen abzugeben, die sie schon längst loswerden wollten“, erläutert Wilfried Gutjahr. Er ist in der Stadtverwaltung für öffentliche Ordnung zuständig.
„Wir waren zu dritt vier Wochen lang fast nur mit den Reaktionen auf den Brief beschäftigt“, verdeutlicht er die große Resonanz in der Bevölkerung. „Viele haben Schusswaffen abgegeben, andere haben wir über die Bestimmungen zu Waffenschränken beraten.“ Oft seien es die Ehefrauen gewesen, die ihre Männer dazu gedrängt hätten, alte Karabiner und Zimmerstutzen abzugeben. Der Ausspruch „Der hässliche Stahlschrank kommt mir nicht in die Wohnung“ habe hin und wieder als gutes Argument gewirkt, berichtet Gutjahr schmunzelnd.

Die Erfassung der Schusswaffen erfolgte im Zug des im Jahr 1973 eingeführten Waffengesetzes. In vielen Haushalten gibt es Waffen aus der Zeit der Weltkriege oder kurz danach. Oft handelt es sich dabei um Erbstücke, an die alte Erinnerungen geknüpft sind. In den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts konnte man bei bekannten deutschen Versandhäusern unter anderem Kleinkalibergewehre bestellen. „Einige der Waffen, die jetzt bei uns abgegeben wurden, waren noch in der Originalverpackung der Versandhändler“, sagt Gutjahr. Das verdeutlicht, wie gering das Interesse mancher Besitzer an ihren Waffen war. Abgegeben wurde in den vergangenen Wochen offenbar in erster Linie, was ohnehin nicht genutzt wurde.

„Jäger oder Sportschützen waren das nicht“, schätzt Gutjahr. Wer mehrere Waffen besitze und diese auch häufiger nutze, habe in der Regel sowieso die entsprechenden Aufbewahrungsmöglichkeiten. Diese sind nicht ganz billig. Es gilt der Grundsatz: Langwaffen müssen gut gesichert werden, Kurzwaffen noch besser. Und je mehr Waffen aufzubewahren sind, umso strenger sind die Sicherheitsbestimmungen.
Der Stadt Vaihingen ist es gerade auch aus Sicherheitsgründen wichtig, eingesammelte Waffen schnell zu entsorgen. „Wir geben sie direkt an den Kampfmittelbeseitigungsdienst weiter, der sie endgültig vernichtet“, lautet die Auskunft von Wilfried Gutjahr. Was bei ihm in den vergangenen Wochen abgegeben wurde, zeigt einen Querschnitt durch die Vielfalt der Schusswaffen. Kleinkaliber- und Luftgewehre, Karabiner aus dem Zweiten Weltkrieg, Schreckschusspistolen, Offizierspistolen aus dem Ersten Weltkrieg und Revolver mit Kaliber 45 – und die Dienstpistole von Vaihingens früherem Oberbürgermeister Gerhard Palm. „Die hatte einer dabei, der mehrere Waffen abgegeben hat. Er hat uns auch über ihren früheren Besitzer aufgeklärt.“




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