Vaihingen (ub). Eduard Aldinger tritt nicht mehr zur Wahl des Ortsvorstehers an. Auch aus dem Ortschaftsrat scheidet er zum nächsten Termin aus. Dies teilte Aldinger gestern Nachmittag der VKZ mit.
Damit zieht Aldinger Konsequenzen aus Gerüchten, die in Enzweihingen gestreut werden. In einer schriftlichen Mitteilung von Aldinger heißt es: „Mir wurde berichtet, dass ich Eigentümer des Geländes der ehemaligen Firma Blum sei und daher in Bezug auf den Streckenverlauf der B10 (Tunnel oder Umgehung) finanzielle Interessen hätte. Mir wurde berichtet, dass ich beim Erwerb eines bebauten Grundstücks in Kleinglattbach zwischen Bahnschranke und Bartenbergstraße Insider-Wissen verwertet hätte. Beide Gerüchte sind nicht wahr. Dies kann ich jederzeit eidesstattlich versichern. Ich bin nicht bereit, mich verleumden zu lassen.“ Aldinger weiter: „Ich bin nicht Eigentümer des Grundstücks der ehemaligen Firma Blum. Ich habe das Grundstück in Kleinglattbach erworben, wie es jeder andere hätte auch erwerben können. Es stand schon jahrelang in den Zeitungen zum Verkauf. Vor dem Grundstückskauf habe ich keinerlei Gespräche mit der Stadt geführt. Wer solche Gerüchte verbreitet, muss deren Wahrheitsgehalt beweisen. Ich kündige an, dass jeder, der solche Gerüchte verbreitet hat und insbesondere auch jeder, der in Zukunft solche Gerüchte weiterhin verbreiten sollte, sich einer Strafanzeige wegen Verleumdung und zudem zivilrechtlichen Ansprüchen auf Unterlassung aussetzen würde.“
Auf jeden Fall zieht Aldinger die Konsequenz: Nach drei Amtsperioden als Ortsvorsteher kandidiert er nicht mehr. Nach 27 Jahren scheidet er – obwohl gewählt – zudem aus dem Ortschaftsrat aus.
Bereits bei den Wahlen zu den Vaihinger Ortschaftsräten spiegelte sich die Negativstimmung in Enzweihingen wider. Während sich die Ortsvorsteher aus Aurich, Ensingen, Gündelbach, Horrheim, Kleinglattbach, Riet und Roßwag mehr oder weniger klar durchgesetzt haben, musste Eduard Aldinger aus Enzweihingen klare Verluste hinnehmen. Bekam er 2004 noch 1452 Stimmen und lag unangefochten an der Spitze im Stadtteil, wandelte sich fünf Jahre später der Trend: Aldinger landete mit 974 Stimmen nur an dritter Stelle. Kurt Erhardt von der Bürgerinitiative B10-Umgehung wurde mit 1253 Stimmen Wahlsieger im Teilort. Selbst Matthias Siehler – wie Aldinger von der Freie Wähler Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen – holte noch 13 Stimmen mehr als der amtierende Ortsvorsteher.
Gegenüber der VKZ kündigte Kurt Erhardt an, dass er für den Posten des Ortsvorstehers zur Verfügung stehe. „Der Wählerauftrag ist überwältigend. Ich habe keine andere Wahl, als in den Ring zu steigen.“
Rieter Ortsvorsteherin kann
in der „Beliebtheitsskala“
deutlich punkten
Rechnet man die Stimmen, die die amtierenden Ortsvorsteher bei der Wahl bekamen, in Relation zu den gültigen Stimmen in jedem Stadtteil hoch, gibt sich eine mögliche „Beliebtheitsquote“. Zwar kann man die kleinen Stadtteile nicht unbedingt mit den großen vergleichen (mehr Bewerber), aber ein Trend kann durchaus abgelesen werden. Und da kann die Rieter Ortsvorsteherin Roswitha Haid punkten. 823 Stimmen bekam sie bei insgesamt 4130 gültigen Stimmen – umgerechnet ein Wert von 19,92 Prozent. Damit führt sie die nicht offizielle „Hitliste“ der Ortsvorsteher an. Thomas Fritzlar in Gündelbach kommt auf 14,80 Prozent, Stefan Wasserbäch in Horrheim auf 13,37 Prozent, Werner Rohloff in Ensingen auf 11,93 Prozent, Hans-Dieter Eisinger in Roßwag auf 11,49 Prozent, Helga Eberle in Aurich auf 9,95 Prozent, Sieglinde Kühnle in Kleinglattbach auf 9,25 Prozent und Eduard Aldinger in Enzweihingen auf 6,40 Prozent.
Ihre Position in Riet ausbauen konnte ganz klar Roswitha Haid. Gegenüber 2004 erhielt sie über 200 Stimmen mehr. Die Dienstaufsichtsbeschwerde, die vom Oberbürgermeister abgelehnt wurde, hat sich offenbar positiv ausgewirkt, ebenso das Engagement im Kampf um einen vernünftigen Hochwasserschutz. Die Frauenliste schickt vier Vertreterinnen in den Ortschaftsrat Riet. Auch Thomas Fritzlar in Gündelbach machte bei der aktuellen Ortschaftsratswahl einen deutlichen „Sprung“ nach vorne: Hatte er 2004 noch 363 Stimmen, waren es jetzt 802. Er löste damit Erich Hangstörfer als Stimmenkönig im Ort ab. Unangefochten an der Spitze steht weiterhin Stefan Wasserbäch in Horrheim. Er konnte seine Position mit 1476 Stimmen ausbauen, mit 930 Stimmen folgt auf Platz zwei dann Dieter Faigle.
Stimmenverluste gegenüber 2004 gab es für Werner Rohloff in Ensingen. Aber mit 1390 (2004: 1566) Stimmen hat er die Nase vorn. Die 1000er-Marke knackte allerdings auch Maria Hilgers, ebenfalls von der SPD. Ein ähnliches Bild wie 2004 ergibt sich 2009 in Roßwag. 2004 schaffte Hans-Dieter Eisinger 637 Stimmen, gefolgt von Rolf Allmendinger von den Roßwager Bürgern mit 625 Stimmen. Knapp auch das aktuelle Ergebnis: Ortsvorsteher Eisinger mit 643 Stimmen, Allmendinger mit 632.
Stimmenverluste im Gegensatz zu 2004 für die Auricher Ortsvorsteherin Helga Eberle. Von 848 Stimmen ging es auf 623 Stimmen runter. Aus dem Stand 460 Stimmen schaffte dagegen Hannelore Lutz auf der Frauenliste, langjährige Verwaltungsangestellte auf dem Auricher Rathaus. Mit 643 Stimmen mehr als der Zweitplatzierte Carsten Scholz ist Sieglinde Kühnle mit 1625 Stimmen klar die Siegerin in Kleinglattbach. Nimmt man die Zahlen von 2004 dazu, muss die Ortsvorsteherin allerdings Einbußen hinnehmen. Vor fünf Jahren bekam Kühnle überragende 2211 Stimmen.
Vom 6. bis 16. Juli finden die Verabschiedungen der alten Ortschaftsräte statt. Vom 17. bis 30. Juli sind dann die konstituierenden Sitzungen terminiert, wo die Ortschaftsräte in den jeweiligen Stadtteilen den Ortsvorsteher vorschlagen. Der Vaihinger Gemeinderat wählt dann bei seiner Sitzung am 30. September die Ortsvorsteher.