Mittwoch, 23. Mai 2012

Werkstatt im Unterricht




Im Werkstattunterricht an der Illinger Grundschule arbeiten die Kinder selbstständig. Foto: Elsässer
Im Werkstattunterricht an der Illinger Grundschule arbeiten die Kinder selbstständig. Foto: Elsässer

Illingen (elf) – Seit dem laufenden Schuljahr geht die Grund-, Haupt- und Realschule (GHRS) Illingen bei den Erstklässlern neue Wege. Werkstattunterricht heißt die Lehrform, bei der die Schüler gleich von Beginn an zu mehr Individualität und Selbstständigkeit gelangen sollen. Schulleiter Andreas Petermann berichtete jetzt im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats über die ersten Erfahrungen und die bevorstehende Einführung der jahrgangsgemischten Eingangsstufen.
Auf den ersten Blick mutet es an wie ein heilloses Durcheinander. Die Kinder der Klasse 1a der Illinger Grundschule gehen kreuz und quer durchs Klassenzimmer und scheinen nicht gerade sehr mit dem MeNuK-Unterricht (Mensch, Natur und Kultur) beschäftigt zu sein. Doch dieser Eindruck trügt gewaltig. Die Schüler holen sich nämlich gerade an verschiedenen Stationen ihre Aufträge ab. Dadurch werden ihnen Aufgaben zugewiesen, die sie zu erfüllen haben. Das Thema der aktuellen Werkstatt heißt Wasser. In den nächsten drei bis vier Wochen werden sich die Kinder in MeNuK auf verschiedenste Weise mit diesem Thema befassen. Entsprechend des Auftrags, den sie sich genommen haben, müssen sie ein Experiment machen, etwas basteln, malen, schreiben, und, und, und… Die Kinder können also mehr oder weniger frei aus den verschiedenen Lernangeboten wählen und sie selbstständig erarbeiten. Dabei gibt es Muss-, Soll- und Kann-Stationen. Erstere ist von allen zu erfüllen. Wer schneller ist, macht mit der Soll-Station weiter, wer diese erledigt hat, beschäftigt sich mit der Kann-Station. Diese beinhaltet zum Teil schon Stoff der zweiten Klasse. Neben dem Werkstattunterricht gibt es aber auch noch Unterricht auf herkömmliche Weise zum Beispiel in den Fächern Mathematik und Sport.
„Was mich bislang am meisten überzeugt, ist, dass die Kinder sehr selbstständig arbeiten“, sagt Klassenlehrerin Antje Membrey. Sie hat sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Ursula Muckenfuß (Klasse 1b) intensiv – unter anderem mit Fortbildungsmaßnahmen und Besuchen anderer Schulen – auf den Werkstattunterricht vorbereitet.
„Nicht alle Kinder sind gleich schnell“, wusste Rektor Andreas Petermann den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses zu berichten, „sie können im Werkstattunterricht aber ihr eigenes Tempo gehen und sich dort Zeit nehmen, wo sie Defizite haben.“ Am Ende stünden auch keine Klassenarbeiten sondern Tests für diejenigen Kinder, die einen Baustein absolviert haben. Somit trage dieses Unterrichtsmodell der Tatsache Rechnung, dass Menschen individuell sind.
Der Werkstattunterricht, der zum Anfang des Schuljahres 2008/09 in den beiden ersten Klassen eingeführt wurde, sei Voraussetzung für den jahrgangsgemischten Unterricht, den es ab dem kommenden Schuljahr gebe. Vorschulkinder, die im September in die Schule kommen, werden dann gemeinsam mit den künftigen Zweitklässlern unterrichtet. Und wer im September noch nicht so weit ist, kann auch noch im Februar einsteigen.
Die Vorteile der jahrgangsgemischten Eingangsstufen liegen für Schulleiter Petermann auf der Hand: Kinder lernen von Kindern, sie lernen durch erklären, sie erleben sich als Vorbilder, Lehrer haben mehr Zeit, die Kinder zu beobachten und können gezielt den Eltern sagen, wo deren Kinder stehen. Auch die Kommunikation zwischen den Kindern wird gefördert. Petermann: „Durch den Werkstattunterricht haben wir dieses Jahr weitaus weniger Konflikte in der ersten Klasse als bisher.“
So wird es also ab dem Schuljahr 2009/2010 vier sogenannte Eingangsklassen geben, die von vier Lehrern betreut werden. „Ich bin froh, dass wir noch zwei weitere Kollegen gefunden haben“, sagte der Schulleiter. Einziges Problem sei die Mischung der Jahrgänge und die hierfür notwendige Aufteilung der jetzigen ersten Klassen, die man mit Bedacht vornehmen werde. „Wir gehen in unbekannte Gefilde vor, vor allem auch für die Eltern“, sagte Andreas Petermann, der vor und während des Schuljahrs auch kritische Stimmen aus der Elternschaft vernommen hat. Auch organisatorisch und finanziell sei das neue Modell, das vorerst nicht für die Klassenstufen drei und vier gilt, eine große Herausforderung. „Wir machen etwas, das die Schule elementar verändern wird“, so Petermann. „Wir sind gespannt auf das kommende Schuljahr.“
Übrigens: Nach Informationen des Schulleiters gibt es mit Friedrich Ortius und Wibke Renner-Kasper ab sofort auch zwei neue Konrektoren an der GHRS Illingen. Und: In der Präventivklasse seien derzeit acht Kinder. Im Elternabend für Eltern der Vor-Vorschulkinder sei ebenfalls großes Interesse an der Präventivklasse geäußert worden.




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