Oberriexingen (ub). Geht es nach dem Beifall, ist die Bürgermeister-Wahl am 5. Juli in Oberriexingen bereits entschieden. Nach den offiziellen Vorstellungsreden am Mittwochabend in der Festhalle (die VKZ berichtete bereits) kann Günther Pilz (31) gestoppte 27 Sekunden Applaus verbuchen. Werner Somlai (55) kommt nur auf 17 Sekunden. Doch ob dies als Gradmesser tauglich ist, scheint fraglich. Pilz platzierte vorne im rechten Block seine Anhängerschaft – darunter den Murrhardter Bürgermeister Dr. Gerhard Strobel, der aktuelle Dienstherr von Pilz. Und die „Fans“ des Bürgermeisterkandidaten betätigten sich als fleißige Claqueure.
Die beiden Kandidaten kennen sich, duzen sich. Von 2002 bis 2005 war Pilz Hauptamtsleiter im Oberriexinger Rathaus, Somlai ist seit 27 Jahren Kämmerer. Im Wahlkampf wird der Ton rauer, der ältere, erfahrenere Bewerber will punkten, ebenso der jüngere, forschere Aspirant. Somlai am Mittwochabend: „Ich höre ab und zu: wir brauchen unseren erfahrenen Kämmerer und einen jungen Bürgermeister. Und genau das brauchen wir absolut nicht. Wir brauchen für die Zukunft genau das Gegenteil.“ Der Bürgermeister vertrete die Interessen der Stadt nach außen, gegenüber dem Land und dem Landkreis, im Zweckverband Eichwald, in der Verwaltungsgemeinschaft Vaihingen. „Und dort geht’s zur Sache, da sitzen erfahrene Bürgermeister und Verwaltungsleute, die vor allem ihre eigenen Interessen vertreten.“
Auch Konkurrent Pilz ist um Logik für seine Kandidatur nicht verlegen: „Günther Pilz als Bürgermeister und Werner Somlai als Stadtkämmerer, wir wären das perfekte Gespann. Neue Ideen und Altbewährtes, das ist der Weg für Oberriexingen.“ Und das ist schließlich auch eine Frage aus dem Publikum: Was macht Kämmerer Somlai bei einer möglichen Wahl von Pilz? Die Antwort von Somlai: „Das werden wir am 6. Juli im Familienrat klären.“ Eine klare Aussage hat dagegen der derzeitige Fachdienstleiter der Stadt Murrhardt in seiner offiziellen Rede parat: „Wahlkampf ist Wahlkampf, ich kann das Sachliche vom Persönlichen trennen. Ich bin mir sicher, Werner Somlai kann das auch, denn er hat mir im Falle meiner Wahl eine gemeinschaftliche Zusammenarbeit zugesagt.“
Nur eine halbe Stunde haben die rund 350 Bürger am Mittwochabend in der Festhalle Zeit, den beiden Kandidaten Fragen zu stellen. Vor allem von Somlai, dem „Insider“, werden Antworten erwartet. Neben der Verkehrsberuhigung in der Hauptstraße dürfe auch die Mühlstraße nicht vergessen werden. „Die hat sich zu einer Rennstrecke entwickelt“, so eine Bürgerin. Oder die DSL-Verbindungen, die noch verbesserungswürdig seien – Somlai: „Das Problem ist erkannt.“
Ein Thema auch die Einkaufsmöglichkeiten. Beide Bewerber wollen die Geschäfte am Ort stärken, doch dazu müsse sich auch das Einkaufsverhalten ändern. Einem zweiten Einkaufsmarkt im Erkerstal erteilt Somlai eine Absage: „Dann ist der Markt in der Albertstraße dicht.“
Thema Verkehr: Bei einer hochwasserfreien Zufahrt nach Oberriexingen favorisiert Somlai den Enzabstieg zwischen Ober- und Unterriexingen („Das ist aber Zukunftsmusik“). Beim ÖPNV will Somlai die Strecke nach Sachsenheim verbessern, Pilz will prüfen, welche Strecken gestärkt werden müssen. Für die umstrittene Bushaltestelle im Birkenweg will sich Somlai ein Konzept überlegen.
Um 21 Uhr ist die offizielle Kandidatenvorstellung der Stadt vorbei. Bürgermeister Willi Baur hat für die Zuhörer noch einen wichtigen Tipp zum Schluss. Auf den amtlichen Stimmzetteln steht noch an zweiter Stelle der Name von Armin Zeeb. Der Vaihinger hat aber mittlerweile seine Bewerbung zurückgezogen. Neue Stimmzettel gibt es nicht mehr – der Appell von Baur: „Bitte beachten Sie bei der Stimmabgabe diesen Umstand.“ Dieser Satz dürfte für die Wahl am 5. Juli elementar wichtig sein, sonst droht möglicherweise ein zweiter Wahlgang (siehe Infokasten).
Hintergrund Dritter Name auf dem Stimmzettel
Auf dem amtlichen Stimmzettel zur Bürgermeister-Wahl in Oberriexingen stehen drei Namen, obwohl nur zwei Kandidaten am 5. Juli antreten. Armin Zeeb aus Vaihingen hat mittlerweile zurückgezogen, allerdings erst nach dem Ende der Bewerbungsfrist. Nach dem Gesetz kann ein Kandidat aber nur innerhalb der Bewerbungsfrist zurückgenommen werden. Erfolgt ein späterer Rückzieher, muss der Name auf dem Stimmzettel erscheinen. Deshalb kann die Stadt Oberriexingen auch keine neuen Stimmzettel drucken – das wäre ein Grund für die Wahlanfechtung. Bei zwei Kandidaten gibt es mit ziemlicher Sicherheit bereits im ersten Wahlgang eine Entscheidung (außer die Wähler schreiben gehäuft einen dritten Namen auf den Stimmzettel). In Oberriexingen kann es jetzt passieren, dass Zeeb – obwohl er nicht mehr kandidiert – eine größere Anzahl von Stimmen bekommt und somit einen zweiten Wahlgang am 19. Juli provoziert. Rein rechnerisch könnten drei, vier Prozent für Zeeb verhindern, dass Günther Pilz oder Werner Somlai bereits am 5. Juli die absolute Mehrheit der Stimmen erringen. (ub)
