Mittwoch, 23. Mai 2012

Oberriexingen: Großer Andrang bei Kandidatenvorstellung




Günther Pilz (l.) und Werner Somlai. Foto: Arning
Günther Pilz (l.) und Werner Somlai. Foto: Arning

Oberriexingen (ub). Am Sonntag gab es beim Inselfest den ersten Schlagabtausch, gestern Abend stellten die beiden Kandidaten erstmals ihr Programm vor. Und machten natürlich auch Werbung in eigener Sache. „Es geht nicht im alten Stil weiter“, sagte Werner Somlai. „Die Bürgermeisterstelle ist kein Karrieresprungbrett“, unterstrich Günther Pilz. In der Festhalle fand die offizielle Kandidatenvorstellung für die Bürgermeisterwahl am 5. Juli in Oberriexingen statt.
Strebten vor einer Woche noch drei Bewerber den Chefsessel im Oberriexinger Rathaus an, ist es mittlerweile ein Duo. Zwei Kandidaten, die sich vor allem im Alter unterscheiden: Hier der 55 Jahre alte Werner Somlai, seit 1982 Stadtkämmerer in Oberriexingen; dort der 31 Jahre alte Günther Pilz, der sein Studium mit Prädikat abschlossen hat. Hier der Kandidat, der mit dem „unschätzbaren Wert der langjährigen Erfahrung“ punkten will, dort der Bewerber, der als „dynamischer, kompetenter und unvorbelasteter Bürgermeister“ agieren möchte. Vor über 300 Bürgern stellten gestern Abend Somlai und Pilz ihre Ziele in jeweils 25 Minuten vor. Anschließend gab es eine Diskussionsrunde (die VKZ wird noch berichten).
„An diese Tradition
möchte ich anknüpfen“
Kandidat Werner Somlai
„Der erfolgreiche Kampf um die Selbstständigkeit Oberriexingens hat gezeigt, dass man mit der richtigen Einstellung, einer inneren Überzeugung und einem großen Zusammenhalt auch Berge versetzen und große Herausforderungen meistern kann. Und genau an diese Tradition möchte ich als Bürgermeister anknüpfen“, sagte Somlai. Durch eine solide Finanzpolitik sei es gelungen, die Schulden kontinuierlich abzubauen. Obwohl im Zeitraum 1985 bis 2009 über 30 Millionen Euro investiert worden seien, liege Oberriexingen mit nur 560000 Euro Schulden weit unter dem Landesdurchschnitt vergleichbarer Gemeinden. Dazu komme noch eine sicher angelegte Rücklage von 1,9 Millionen Euro.
Wo liegen die Herausforderungen? „Wir müssen auch in Zukunft in vertretbarem Umfang Wohnbauflächen erschließen, um junge Familien nach Oberriexingen zu ziehen. Wir brauchen Kinder und Jugendliche, um der Überalterung entgegenzuwirken“, sagte Werner Somlai. So müsse man auch künftig für eine gute und bedarfsgerechte Kinderbetreuung, bezahlbare Bauplätze für junge Familien, einen gut ausgebauten ÖPNV und eine Verbesserung und Stabilisierung der Nahversorgung mit besseren Einkaufsmöglichkeiten und anderen Dientsleistern wie Zahnarzt, Apotheke sorgen. „Insgesamt sehe ich gerade in der Ortsmitte noch einiges an Entwicklungspotenzial. Eine der größten Herausforderungen für Oberriexingen sind verbesserte Einkaufsmöglichkeiten, die ich mit Ihrer Unterstützung schaffen kann.“
Dazuhin strebt Somlai eine aktive Wirtschaftsförderung an, um Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. Die Schulabgänger und andere Arbeitssuchende wolle er durch die Einrichtung einer Stellenbörse über die Homepage der Stadt unterstützen.
Lokaler Umweltschutz und Klimaschutz spielen auch in Oberriexingen eine immer größere Rolle. Somlai: „Als Bürgermeister werde ich die weitere Nutzung erneuerbarer Energien durch die Gemeinde verstärken.“ In seiner Rede versprach Somlai das ehrenamtliche Engagement in Kirchen, Vereinen und anderen Institutionen aufrecht zu erhalten und zu fördern.
Zum Thema Verkehr sagte Somlai: „Wir müssen den Pkw-Verkehr weiter reduzieren, den Schwerlastverkehr fernhalten und dafür sorgen, dass unsere Kinder und älteren Mitbürger sicher und gefahrlos über die Hauptstraße kommen. Ich werde mich für eine Verkehrsberuhigung in Oberriexingen einsetzen. Das heißt, ich beabsichtige mit Zustimmung des Gemeinderats, bei der Verkehrsbehörde einen Zebrastreifen in der Hauptstraße und eine Lkw-Beschränkung von Sachsenheim her zu beantragen.“
Unter Bürgernähe und Bürgerbeteiligung versteht Somlai regelmäßige Bürgerfragestunden im Rahmen der Gemeinderatssitzungen, Erweiterung der Öffnungszeiten des Bürgerbüros und der Sprechzeiten des Bürgermeisters, Information im Amtsblatt zu aktuellen Einzelthemen, frühzeitige Bürgerbeteiligung bei der Aufstellung von Bebauungsplänen und geplanten Baumaßnahmen, regelmäßige Bürgerversammlungen und Ortsbegehungen.
Das Plädoyer von Somlai: „Wir brauchen einen erfahrenen Bürgermeister und einen jüngeren Kämmerer.“ Er habe die Kompetenz, die Erfahrung und genau das richtige Alter, um sowohl die Interessen der Kinder, Jugendlichen und Familien als auch die Interessen der älteren Generation zu vertreten. Somlai: „Es geht nicht im alten Stil weiter. Es wird nichts ausgesessen – sondern angepackt.“
Mit einem Goethe-Zitat eröffnete Günther Pilz seine Rede: „Alles was es braucht auf dieser Welt ist ein gescheiter Einfall und ein fester Entschluss.“ Sein Entschluss, Bürgermeister in Oberriexingen zu werden, sei keine zufällige Entscheidung gewesen. Hier in Oberriexingen habe seine berufliche Laufbahn begonnen, hier wolle er sich mit seiner Lebensgefährtin ansiedeln. „Die Bürgermeisterstelle ist für mich auf mindestens zwei Wahlperioden, also 16 Jahre, angelegt.“
In verschiedenen Leitsätzen hat Pilz seine Ziele für die Stadt formuliert. „Gemeinsam stark für Oberriexingen – Stadtentwicklung ist eine Gemeinschaftsaufgabe“ lautete der erste Leitsatz. „Die Nennung von vielen Einzelmaßnahmen führt nicht zum Ziel, das ist Flickschusterei. Nur wenn man weiß, wohin der Weg führen soll, kommt man ans Ziel. Und das Ziel sollen diejenigen mitbestimmen, die hier leben – nämlich die Bürger von Oberriexingen“, sagte Pilz gestern Abend.
„Mitten im Leben – der Bürgermeister gehört in den Ort“, so der zweite Leitsatz. Pilz: „Sie sollen mir offen und direkt sagen können, wo der Schuh drückt.“ Querdenken sei erwünscht und jeder Gedanke sei es wert, zu Ende gedacht zu werden.
„Gut gewohnt ist halb gelebt – Oberriexingen ein attraktiver Wohnort mit Wohlfühlfaktor“ überschrieb Pilz einen weiteren Leitsatz. Wohnqualität auch für Senioren, Mobilität und eine ausreichende Nahversorgung seien ihm ein großes Anliegen. „In meiner Umfrage wurde häufig der Wunsch nach der Aufwertung der Kinderspielplätze im Ortskern, der Verbesserung der Nahversorgung und Verstärkung des ÖPNV geäußert.“
Beim Thema „Oberriexingen – eine Stadt für Alt und Jung“ will Pilz besonderes Augenmerk auf die Jugendarbeit und auf die aktive Seniorenarbeit legen. Beim bürgerschaftlichen Engagement kreierte Pilz den Slogan „Eine Stadt, die lebt, stirbt nicht aus“. Dabei sei es ihm wichtig, alle Vereine, Kirchen, bürgerschaftlich engagierte Gruppen und Institutionen gleich zu behandeln.
„Für mich steht der
Mensch im Mittelpunkt“
Kandidat Günther Pilz
Bei der Arbeit auf dem Rathaus setzt der in Erdmannhausen wohnende Pilz auf Dialog, Vertrauen und Kooperationen. „Für mich steht dabei der Mensch im Mittelpunkt“, sagte er. Die Wirtschaftsförderung erklärte Pilz in seiner Rede zur Chefsache.
Den letzten Leitsatz titelte der Kandidat mit „Verantwortung bedeutet Nachhaltigkeit – ein schonender Umgang mit Ressourcen bildet die Basis für die künftige Generation“. Im Bereich der Bauleitplanung sei der Erstellung eines Baulückenkatasters und eine durchdachte Verdichtung im innerörtlichen Raum genauer zu betrachten. Es müsse das Ziel sein, das Geschaffene zu erhalten, für die Zukunft zu verbessern und mit der Ausweisung von neuem Bauland maßvoll umzugehen. Deshalb gelte es, vor der Planung neuer Baugebiete die bestehende Immobiliensubstanz zu erhalten, Leerstände zu aktivieren und die vorhandenen Baulücken genau zu erfassen.
Oberriexingen brauche als Bürgermeister keinen brillanten Rhetoriker, „sondern einen kompetenten, bodenständigen, zuverlässigen Menschen“. Der Schlussappell von Pilz: „Bei meiner Wahl verlieren Sie überhaupt nichts. Sie haben nach wie vor einen hervorragenden Finanzexperten auf dem Rathaus, aber gewinnen dazu einen jungen, dynamischen, kompetenten und vor allem unabhängigen Bürgermeister mit Erfahrung in allen Bereichen.“




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