Kleinglattbach (aa). Jetzt ist sie in Kleinglattbach angekommen, die Zelter-Plakette. Im vergangenen Jahr sollte sie eigentlich zum 100-jährigen Bestehen des Liederkranzes verliehen werden, doch da stand der Verbandsvorsitzende Rolf Czudzowitz mit leeren Händen da. Der Antrag war offenbar auf dem Weg nach Berlin verloren gegangen.
Oberbürgermeister Gerd Maisch hatte am Samstag die Ehre, die Plakette, die 1956 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss gestiftet worden war, im Auftrag von Bundespräsident Horst Köhler an den Verein zu verleihen, denn der Ehrungsantrag war natürlich nochmals gestellt worden. „Es müssen schon besondere Verdienste nachgewiesen werden“, unterstrich Maisch. Der Liederkranz Kleinglattbach habe ein breites Repertoire und ein attraktives Angebot und erfülle damit die Voraussetzungen. Vorsitzende Rose Tutsch nahm denn Plakette und Urkunde strahlend entgegen.
Dass das mit dem attraktiven Angebot vom OB nicht einfach so dahergesagt war, wurde bei der Jahresfeier in der „Halle im See“ unter Beweis gestellt. So baut der Verein einen Kinderchor auf, der unter der Leitung von Daniela Seemann steht. „Schicken Sie Ihre Kinder alle zu uns“, warb die junge Frau mit Elan.
Schwung hat offensichtlich auch der neue Chorleiter Konstantinos Kalogeropaulos in den Verein gebracht. Er war im vergangenen Jahr unter neun Bewerbern mit eindeutiger Mehrheit zum Dirigenten gekürt worden. „Die Chemie stimmte auf Anhieb“, schwärmte die Vorsitzende. Kalogeropaulos ist 26 Jahre alt; er ist ein in Deutschland geborener Grieche, der in Stuttgart die Musikhochschule besuchte (Hauptinstrument Klavier). Er gibt an einer freien Musikschule Klavier- und Keyboardunterricht und ist nach Aussage von Rose Tutsch auch als Komponist für Film und Fernsehen tätig. Insgesamt dirigiert er drei Gesangvereine. „Uns reißt er mit seinem Optimismus und seinem jugendlichen Temperament mit“, meinte die Vorsitzende.
Für die Feier am Samstag hatte Konstantin, wie ihn seine Sängerinnen und Sänger wegen des schwierigen Namens nennen, vor allem Musicalmelodien ausgesucht: aus Jesus Christ Superstar zum Beispiel, aus Cats, aus Anatevka, Mamma Mia, West Side Story, Phantom der Oper oder Hair („Let the sunshine“). Sogar vor dem „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show schreckte der Chor „Zeitlos“, eine Formation, die vor allem aus Frauen besteht, nicht zurück. Den reinen Männerchor gibt es auch in Kleinglattbach schon lange nicht mehr, doch hat sich der Gemischte Chor zu einem ausdrucksstarken Klangkörper entwickelt – natürlich mit Frauen-Übermacht. Zwei Opern-Vorträge („Barcarole“ und „Chor der Gefangenen“) durften im von englischen Songs dominierten Programm nicht fehlen.
Und auch getanzt wird beim Liederkranz. 14-tägig treffen sich im Vereinsheim Frauen aus dem Ort sowie aus Sersheim, Vaihingen und Sachsenheim, um zusammen mit Monika Gebhardt neue Formationen einzustudieren. Mehrere Kostproben waren am Samstag zu erleben.
„Vor 20 Jahren sind auch in Kleinglattbach die Männer vom Liederkranz zur Einsicht gekommen, dass sie ohne Frauen im Verein nicht mehr alles bewältigen können – auch im musikalischen Bereich.“ So drückte sich die Vorsitzende aus. Frauen von aktiven Sängern haben damals die Initiative ergriffen und einen Frauenchor ins Lebens gerufen. Als Dirigent konnten sie den Lehrer Thomas Kötzle gewinnen. Logisch, dass bald als dritte Chorgattung der Gemischte Chor entstand. Von Anfang an sind im Frauenchor dabei: Renate Bauz, Renate Rudolf, Hilde Seemüller, Ilse Sparenberg, Mechthild Keilbach, Agnes Zeh, Erika Nothwang, Marianne Schütze, Anni Vogel, Gretel Hoffmann, Erna Blum, Rita Dietz und Rose Tutsch. Sie wurden am Samstag bei der Jahresfeier geehrt.
Dazu kamen etliche passive Mitglieder: Zum Beispiel Nicole Budulig (25 Jahre) und Jürgen Trostel (40 Jahre). 50 Jahre sind dabei: Erika Nothwang, Josef Neumann, Josef Schiedeck, Herbert Seemann, Werner Blum, Helmut Renz, Otto Dietz, Ernst Hoffmann, Klaus Baumann und Günther Kern.
