Mittwoch, 23. Mai 2012

Jugendarbeit mit hohem Stellenwert




Das Team der städtischen Jugendarbeit und der Schulsozialarbeit. Foto: Arning
Ds Team der städtischen Jugendarbeit und der Schulsozialarbeit. Foto: Arning

Vaihingen (aa). Die städtische Jugendarbeit hat sich in Vaihingen zu einem festen Faktor entwickelt. Und es gibt ganz offensichtlich genug Arbeit für das Team, das in dieser Woche die Arbeit des letzten Jahres vorstellte.
Natürlich muss Rechenschaft abgelegt werden, wenn es um die Verwendung von öffentlichen Geldern geht. Doch vor dem Auftritt im Sozial- und Kulturausschuss des Gemeinderates brauchen Ingeborg Welz und ihr Team keinen Bammel zu haben. Ihre Arbeit wird durchweg anerkannt. Da hat sogar die als kritisch bekannte Kleinglattbacher Ortsvorsteherin Sieglinde Kühnle (FW) ein dickes Lob parat: „Die Jugendarbeit hat gewonnen.“
Die offene Schüler- und Jugendarbeit beschränkt sich bei weitem nicht nur auf die Aktionen im Schülercafé und im Jugendhaus, auch wenn diese beiden Einrichtungen natürlich im Fokus stehen. Es gibt jede Menge Initiativen und Kooperationen – von der Kinderspielstadt bis zum Berufsplanspiel, vom Sommerferienprogamm bis zur Teilnahme am Frühjahrsputz. Ins Schülercafé kommen im Durchschnitt täglich 40 Kinder und Jugendliche, wobei der Anteil Mädchen/Jungen bei 50/50 liegt. Derzeit beträgt das Durchschnittsalter zwölf Jahre. 95 Prozent der Besucher haben einen Migrationshintergrund (75 Prozent einen türkischen). Dass es nicht immer ohne Reibereien abläuft, ist ein offenes Geheimnis. „Ältere versuchten mit Pöbeleien und permanenten Regelverstößen die Jüngeren zu vertreiben“, schildert es Ingeborg Welz. „Wir hatten nun die schwierige Aufgabe, den Jüngeren den Platz zu schaffen und die Älteren auf ihren Abschied vorzubereiten." Fast alle haben den Übergang geschafft. Aber auch Hausverbote mussten ausgesprochen werden.
Schwerpunkt der Arbeit im Schülercafé ist die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Wie wird das angepackt? Zum Beispiel mit Kochen und Backen. Am Ende wird ein internationales Kochbuch erstellt. Eltern werden regelmäßig eingeladen und bekommen zum Beispiel Theaterstücke vorgeführt. Einmal in der Woche sind im Schülercafé nur Mädchen zugelassen; das ist für viele Mädchen der einzige Tag, an dem sie kommen dürfen.
Angeboten werden inzwischen auch Programme in den Ferien, was vor allem durch den Einsatz der Anerkennungspraktikantin Theresa Lückener möglich ist. In den Faschingsferien gab es zum Beispiel die Aktion „Stille Jungs“ zusammen mit der Schulsozialarbeit; auch mit dem Bürger-Treff wird kooperiert („Jung trifft Alt“).
Als Folge einer Reihe von Auseinandersetzungen am 15. Oktober 2008 ist die Aktion „Null Toleranz gegen Gewalt“ ins Leben gerufen worden. Sie hat ganz augenscheinlich erste Erfolge vorzuweisen. „Die Jugendlichen spüren Druck von allen Seiten“, heißt es im Bericht der Mobilen Jugendarbeit.
Mikayil Toy ist seit Jahren der Mann für die Straße. Seine Präsenz vor Ort war vor allem Ende 2008 gefordert. An vier Tagen in der Woche hat er im wahrsten Sinne des Wortes Brennpunktarbeit geleistet. „Die Situation in der Grabenstraße hat sich wieder beruhigt“, ist sein Fazit. Die Folge der vermehrten Straßenarbeit war jedoch, dass sich im Jugendhaus eine Gruppe Jugendlicher festsetzte, die nicht unbedingt das beste Image hatte und anderes Publikum vom Haus fernhielt.
 Die Angebote wurden daraufhin neu überdacht und Arbeitsstrukturen geändert. Ziel war es, neues und aktives Publikum zu gewinnen, das Interesse an aktiver Freizeitgestaltung hat. „Wir haben Kreativität und Engagement eingefordert“, sagen die Verantwortlichen. Folge: Das seitherige (vor allem auf Konsum bedachte) Publikum war damit nicht einverstanden und versuchte zu stören. Das führte bis zu einem Hausverbot. Inzwischen ist es wohl gelungen, das Jugendhausklientel durchzumischen. Freitags und samstags ist die „Hütte" immer voll. Die Zahl der Besucher variiert zwischen 60 (bei normalem Betrieb) bis zu 150 (bei Konzerten). Die Gäste kommen vorwiegend aus der Kernstadt, aber auch die Gemeinden des Umlandes sind vertreten. „Bei einem Konzert hatten wir sogar Besucher aus Polen“, strahlt Auszubildender Michel Wieland.

Jugendarbeit in Vaihingen

Die Jugendarbeit in Vaihingen ist in die Blöcke Schülercafé, Jugendhaus, Mobile Jugendarbeit sowie Schulsozialarbeit aufgeteilt. Die Gesamtverantwortung liegt bei Ingeborg Welz; sie hat die Dienst- und Fachaufsicht. Zwei Hauptamtliche, zwei Azubis und ein Zivildienstleiter sind in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Mobilen Jugendarbeit eingesetzt. Die Schulsozialarbeit wird von drei Hauptamtlichen an sechs Schulen betrieben (siehe Bericht auf Seite 11).
Das Schülercafé dient als Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche aus der Innenstadt. Angeboten werden Hausaufgabenbetreuung, Mädchenarbeit, Jugendarbeit, Projektarbeit, Angebote aus verschiedenen pädagogischen Bereichen (Theater, Erlebnis, Freizeit). Im Jugendhaus „Abseits“ geht es um Freizeitpädagogik, Projekte, Ausflüge, Veranstaltungen (Konzerte, Themenabende), Sportangebote (Fußballturniere), cliquen- und szenenbezogene Arbeit. Die Mobile Jugendarbeit spielt sich vor allem auf der Straße ab. Mikayil Toy kümmert sich um Brennpunkte, besucht Treffpunkte der Jugend. Eine enge Verzahnung zur Polizei besteht. In der Schulsozialarbeit geht es um Beratung und Einzelfallhilfe, sozialpädagogische Gruppenarbeit , Arbeit in Klassen, Zusammenarbeit mit den Institutionen der Schule. Sechs Schulen werden betreut: Schlossbergschule, Wilhelm-Feil-Schule, Ferdinand-Steinbeis-Realschule, Friedrich-Abel-Gymnasium, Schulzentrum Bartenberg (Kleinglattbach) sowie Grund- und Hauptschule Enz–weihingen. (aa)




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