Illingen (rkü). Der Polizeiposten in Illingen soll nicht aufgelöst, sondern – allen bisherigen Plänen zum Trotz – räumlich und personell sogar aufgewertet werden. Gemeinde und Polizeidirektion ziehen offenbar an einem Strang, wenn es darum geht, die Sicherheit in der Stromberggemeinde auch künftig zu gewährleisten.
Illingen gehört zu den Gemeinden, die im Enzkreis die höchst Kriminalitätsbelastung aufweisen. Dennoch sahen die bisherigen Planungen der Polizei vor, im Zuge ihrer Postenstrukturreform die Zwei-Mann-Außenstelle in Illingen zu schließen. Jetzt könnte statt der Schließung eine Vergrößerung erfolgen. Anlass für die neuen Überlegungen ist die Tatsache, dass derzeit für das Polizeirevier und die Kriminalaußenstelle Mühlacker neue Räumlichkeiten gesucht werden. Dabei spiele es schon eine Rolle, ob das Gebäude für einige Beamte mehr oder weniger dimensioniert sein solle, erläutert Wolfgang Schick.
Der Sprecher der Polizeidirektion Pforzheim unterstreicht, dass auch finanzielle Aspekte eine Rolle spielen. „Gesucht wird eine kostengünstige und adäquate Lösung. Wir als Nutzer sind von Anfang an in die Suche eingebunden“, sagt Schick. Die Entscheidung liege letztlich beim Innen- und beim Finanzministerium, doch würden die Vorschläge der Polizei berücksichtigt, wenn diese gute Argumente habe. Die künftigen Dienststellen der Polizeibeamten in Mühlacker und Illingen seien dabei im Ganzen zu betrachten. Während in Mühlacker bereits seit Jahren zahlreiche Vorschläge für die künftige Unterbringung des Polizeireviers diskutiert wurden, steht man in Illingen jetzt vor einer neuen Situation. „Von uns aus könnte es schnell gehen“, verdeutlicht Schick die Position der Polizeidirektion. „Die Gemeinde zeigt Entgegenkommen und wir sind auf einem sehr guten Weg.“
Illingens Bürgermeister Harald Eiberger will noch keine Details verraten. Doch er zeigt sich erleichtert, dass die Polizei in seiner Gemeinde weiterhin Präsenz zeigen will. „Ich habe Flexibilität bekundet. Die Gemeinde hat unterschiedliche Liegenschaften.“ Noch sei nicht geklärt, ob die Polizei besondere Anforderungen habe, etwa Räume im Erdgeschoss oder mit barrierefreiem Zugang. Eiberger stellte in Aussicht, falls die Gemeinde selbst keine passenden Räume habe, seine Beziehungen spielen zu lassen. So sei der Sparkasse, bei der die Polizei bisher eingemietet ist, sicher daran gelegen, den Polizeiposten in direkter Nachbarschaft zu behalten.
Schon im aktuellen Mitteilungsblatt der Gemeinde Illingen schreibt Eiberger, dass man „die Zahl der Ordnungskräfte auf eine bisher noch nie da gewesene Zahl angehoben und ein bisher nicht gekanntes Sicherheitsgefühl geschaffen“ habe. In Illingen gibt es nämlich nicht nur die Hoffnung auf den noch nicht beschlossenen Erhalt (und die mögliche Ausweitung) des Polizeipostens. Auch der gemeindliche Vollzugsdienst schaut nach Recht und Ordnung. Nachdem Marcel Stöckel seinen Dienst als Vollzugsbediensteter zum Jahresende quittiert hatte, beschloss der Gemeinderat die Vollzeitstelle wieder zu besetzen und zusätzlich eine zweite Person auf 400-Euro-Basis einzustellen.
Während Vollzeitkraft Volker Gruber einen Teil seiner Arbeitszeit am Schreibtisch verbringt, wird Werner Seifert als geringfügig Beschäftigter vor allem vor Ort eingesetzt. Eigenschutz und Beweissicherung nennt Bürgermeister Eiberger als Gründe dafür, dass die beiden Männer vor allem in kritischeren Situationen wie beispielsweise abendlichen Kontrollgängen zu zweit unterwegs sein sollen. Enge Zusammenarbeit mit der Polizei sei wichtig – ein Polizeiposten vor Ort ermögliche gerade in diesem Zusammenhang, viele Dinge auf dem „kleinen Dienstweg“ zu erledigen, wie Eiberger es bezeichnet. Beim Dorf- und Kelterfest werde es in Kürze auch wieder gemeinsame Rundgänge der Polizeibeamten und Vollzugsbediensteten geben.
Bei ihrer Arbeit setzt die Polizei ganz gezielt auf Prävention, unterstreicht Wolfgang Schick. „Entlang der Stadtbahnlinien gibt es Probleme im Ordnungsbereich“, beschreibt er das Phänomen, das in fast allen Enzkreisgemeinden an der Bahnlinie Stuttgart – Karlsruhe auftritt. In Illingen waren es vor allem übermäßiger Alkoholkonsum, Ruhestörung, Schlägerei und Sachbeschädigung, die in der Polizeistatistik auffielen. „Das Problem ist erkannt“, sagt Schick. „Der neue Postenführer Manfred Beyle setzt nicht auf Verdrängung, sondern darauf, die Betroffenen direkt anzusprechen.“ Dabei werde eine gewisse Vertrauensbasis geschaffen. Die Beamten vor Ort kennen ihre Pappenheimer. Durch die frühzeitige Aufnahme von Personalien hat die Polizei zumindest Ansatzpunkte, falls später Ermittlungen notwendig werden sollten.
Falls der Polizeiposten in der Gemeinde Illingen aufgestockt werden sollte, würde das die Präsenz der Ordnungshüter gleich in zweifacher Hinsicht verbessern. Einerseits wären verlängerte Öffnungszeiten des Polizeipostens möglich und andererseits wäre die Polizei tagsüber durchweg in Streifen-Stärke vor Ort. Das war bislang aufgrund von Urlaub und sonstigen Fehlzeiten unmöglich.
