Mittwoch, 23. Mai 2012

Auszählung aufwendiger als erwartet




Das Sortieren und Auszählen der Stimmzettel, die per Briefwahl eingegangen waren, nahm besonders viel Zeit in Anspruch. Foto: Arning
Das Sortieren und Auszählen der Stimmzettel, die per Briefwahl eingegangen waren, nahm besonders viel Zeit in Anspruch. Foto: Arning

Vaihingen (rkü). Zehn Stunden lang waren am Sonntag die Wahllokale geöffnet. Genug Zeit für jeden Bürger, seine Stimme abzugeben. Für die Zählmannschaften begann die große Arbeit erst am Abend. In Eberdingen wurde besonders lange gezählt – das Ergebnis der Gemeinderatswahl stand erst gestern fest.

Sieben Wahlbezirke mussten in der Dreiergemeinde Eberdingen ausgezählt werden. Bei der Europa- und Regionalwahl blieben die Wahlhelfer am Sonntagabend im Zeitplan. Doch ein folgenschwerer Fehler bei der Auszählung der Gemeinderatswahl brachte alles durcheinander. Traditionell wird im Eberdinger Rathaus von Hand ausgezählt. „Es gibt Listen mit vielen Zeilen und Spalten, in die wir die Ergebnisse übertragen“, beschreibt Bernd Unmüßig die Arbeit der Helfer. Der Leiter des Ordnungs- und Sozialamts sagt zum Grund für die Verzögerung: „In einem Wahllokal wurde falsch gezählt.“ Beim Auszählen der beinahe 47000 Stimmen seien die Wahlhelfer auf dem Erfassungsbogen in der Spalte verrutscht. Aufgefallen sei der Fehler beim Abgleich von Kontrollsummen, die beim Auszählen eingetragen werden. Doch wo genau wurde falsch gezählt? „Das war wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagt Unmüßig zurückblickend. Es wurde lange gesucht – sehr lange. Die genaue Zeit will er nicht verraten. Immerhin habe er in der Nacht auf Dienstag zwei Stunden geschlafen, versichert Unmüßig. Gestern Vormittag lagen die Ergebnisse aus Eberdingen sowohl für die Gemeinderats- als auch für die Kreistagswahl vor.

Vaihingens Wahlamtsleiter Wolfgang Schüle hat 30 Jahre Berufserfahrung. Dennoch war er am Sonntagabend überrascht und musste den Zeitplan korrigieren: „Wir hatten weit mehr als 2000 Briefwähler. Statt um 21 Uhr, wie erhofft, waren wir darum erst gegen 22.45 Uhr mit der Regionalwahl fertig.“ Das Ergebnis der Europawahl habe schon eineinhalb Stunden früher festgestanden.
Wie am Schnürchen lief es in Vaihingen bei der Auszählung der Gemeinderatswahl. Schüle hatte zeitweise 90 Zählgruppen an jeweils einem Computer im Einsatz. „Montag um 17 Uhr waren wir fertig.“ Lediglich bei der Kreistagswahl habe man das Ergebnis eines Wahlbezirks nochmals kontrollieren müssen und darum das Gesamtergebnis erst am Dienstagmorgen ans Landratsamt gemeldet.
Bei der Betrachtung der ungültigen Stimmzettel ärgert sich Schüle: „Es tut weh, wenn sich die Wähler bemühen, aber angesichts der unechten Teilortswahl immer wieder in die Falle tappen, zu vielen Kandidaten aus ihrem Wohnbezirk Stimmen zu geben.“ Damit seien die Stimmen für diesen – meist den eigenen – Wohnbezirk ungültig, während die für die übrigen Stadtteile gezählt werden.

„Bei den nächsten Kommunalwahlen brauchen wir mehr Helfer“, stellt Katrin Jahnke fest. Sie ist bei der Stadt Sachsenheim für die Organisation der Wahl mitverantwortlich. „Mindestens einen Briefwahlausschuss mehr müssen wir einsetzen“, analysiert sie. Denn die Briefwahl sei die Schwachstelle bei der Auszählung gewesen. Einerseits gaben viele Bürger ihre Stimme per Briefwahl ab, andererseits ist die Auswertung besonders kompliziert. Als „Riesenaufwand“ bezeichnet es Jahnke, über die Zulassung der Voten zu entscheiden. „Weil Europa- und Kommunalwahl gleichzeitig stattfanden, haben viele Wähler ihre Stimmzettel falsch eingetütet.“ Außerdem müsse jedem Wahlumschlag der amtliche Wahlschein beiliegen. Dass der Kreis der Wahlberechtigten für Kommunal- und Europawahl unterschiedlich gefasst war, machte die Sache nicht einfacher.
120 Ehrenamtliche und bis zu 20 städtische Mitarbeiter waren am Sonntag und Montag in Sachsenheim im Einsatz, um die Stimmen zu sortieren und auszuwerten. „Die Zahl der Wahlberechtigten ist von rund 12000 auf fast 13000 gestiegen“, erläutert Katrin Jahnke, um zu verdeutlichen, dass auch der Aufwand bei der Auszählung immer größer werde. „Wir haben unseren Helfern gesagt, dass wir keine Geschwindigkeitsrekorde brechen, sondern konzentriert arbeiten wollen.“ Offenbar mit Erfolg – Sachsenheim gehörte zwar bei der Europawahl zu den Kommunen, die das Ergebnis als letzte bekanntgaben, doch musste im Nachhinein nichts korrigiert werden. Eine Besonderheit gibt es in Sachsenheim noch zu verzeichnen: Der Gemeinderat besteht ab sofort nur noch aus 21 Mitgliedern. Das sieht die Hauptsatzung zwar schon lange vor, doch aufgrund von Ausgleichsmandaten saßen bislang 23 Gewählte am Ratstisch.




Seitenanfang