Mittwoch, 23. Mai 2012

Erst zu gut gemeint, dann ungültig




Wahlhelfer überprüfen die Gültigkeit von Wahlzetteln. Foto: Rücker
Wahlhelfer überprüfen die Gültigkeit von Wahlzetteln. Foto: Rücker

Vaihingen (sr) – Zahlenkombinationen werden diktiert, Wahlhelfer huschen durch die Gänge: Im Vaihinger Rathaus wurde gestern unter anderem die Gemeinderatswahl ausgezählt. Bei einer Stippvisite am Morgen stand schon fest, dass die unechte Teilortswahl für ungültige Stimmen sorgte.
Vaihingen. „422, 3. 426, 3...“, dringt es aus einer der Amtsstuben des Vaihinger Rathauses. Es sind die Erfasser unter den Wahlhelfern, die die Computer mit den Ergebnissen der Wahlzettel füttern. 29 Wahlteams zählen ab Montagmorgen die Stimmen für die Gemeinderatswahl in Vaihingen aus. Und immer wieder kommt es vor, dass einige Stimmen oder gar ganze Stimmzettel für ungültig befunden werden müssen.
 „Der häufigste Fehler ist, dass der Wähler mehr Bewerbern aus seinem Stadtteil Stimmen gibt, als erlaubt sind“, sagt Hauptamtsleiter Hans Rentschler. „Das tut mir weh, dass die Wähler Leute aus ihrem Ort wählen möchten und gerade diese Stimmen dann ungültig werden“, so Rentschler, Wahlvorsteher im Wahllokal in der Grundschule Aurich. Beispielsweise durften bei dieser Wahl nur zwei Bewerber aus dem Wohnbezirk Aurich bedacht werden. Rentschler fischt in dem Stapel roter Wahlzettel herum und zeigt das Malheur. Ein Auricher Wähler hat gleich drei Auricher Bewerber mit zehn, zehn und sieben Stimmen beglückt. Die Stimmen für diesen Wohnbezirk sind somit ungültig. Gleiches weiß Oberbürgermeister Gerd Maisch nach einem Streifzug durchs Rathaus von den anderen Stadtteilen zu berichten. „Die unechte Teilortswahl birgt viele Fehlerquellen“, sagt Maisch. Ohne diese Sonderregelgung könnten beispielsweise „zehn Enzweihinger und drei Roßwager“ gewählt werden, so der OB.
Auch in den Zimmern, in denen die Gündelbacher Wahlhelfer schaffen, ist das Problem mit dem „Lokalpatriotismus“ bekannt. Wahlhelferin Brigitte Baumann blättert in den Bögen und zieht ein Exemplar hervor. Ortsvorsteher Thomas Fritzlar hat von einem Gündelbacher Wähler drei Stimmen erhalten. So weit, so gut. Doch in der Euphorie übertrug der Wähler den Namen seines Ortsvorstehers gleich noch auf die Liste der Bürgerinitiative B 10 Umgehung und verpasste ihm dort ebenfalls drei Stimmen. Dabei darf für den Wohnbezirk Gündelbach nur ein Vertreter gewählt werden. Fritzlar bleiben bei dieser Doppelnennung wenigstens drei gültige Stimmen.
Selbst in der Kernstadt wurde der eigene Wohnbezirk häufig über Gebühr mit Stimmen bedacht. Ziemlich oft seien dort mehr als die neun „erlaubten“ Kandidaten markiert worden, sagt Detlef Fischer vom Wahllokal Kindergarten Wolfsberg, Tannenweg 25. Die Wahlhelfer dort hatten außerdem noch mit einem ganz spezifischen Problem zu tun. Da zwei Kindergärten am Wolfsberg als Wahllokale dienten, mussten einige Wähler zu dem für sie zuständigen Wahllokal hin- beziehungsweise hergeschickt werden.
Und so wursteln sich die Wahlteams durch den Wust der Stimmzettel. Die einen, die die Wahlzettel vorab auf Gültigkeit überprüfen. Die anderen, die die gültigen Stimmen ins Computerprogramm eintippen. Das Programm kontrolliert ebenfalls nochmals die Eckpunkte: Wurde die mögliche maximale Gesamtzahl der Stimmen überschritten? Wurde die korrekte Anzahl der Bewerber in den Wahlbezirken eingehalten?
Besonders gut meinte es ein Enzweihinger bei der Gemeinderatswahl 2009: Satte 61 Stimmen hat er auf seinem Stimmzettel verteilt. „Es sind aber nur 28 Stimmen erlaubt“, sagt Alexander Noak, Wahlvorsteher im Wahllokal Turn- und Festhalle Enzweihingen. Der Stimmzettel ist somit ungültig.
Insgesamt berichten die befragten Wahlhelfer von einer guten Stimmung in den Wahllokalen. Einen Hauch von Familienausflug witterte Wahlhelferin Brigitte Baumann in Gündelbach: „Mit Kind und Kegel und die Oma noch im Schlepptau“, seien die Wähler teilweise anmarschiert. In gebührendem Abstand zum Wahllokal hatte dort die Agenda Ortsgruppe Gündelbach für das leibliche Wohl gesorgt. „500 Würste wurden bis 15 Uhr verkauft“, so Baumann. Im einzigen Wahllokal Gündelbachs, das somit eines der großen Wahllokale in Vaihingen ist, konnte eine Wahlbeteiligung von insgesamt 67,6 Prozent verzeichnet werden. In der Enzweihinger Turn- und Festhalle erreichte die Wahlbeteiligung dagegen nur einen Wert von 30 Prozent.
 Hin und wieder seien kritische Töne in den Wahllokalen zu vernehmen gewesen. So klagte mancher Wähler, dass alles kompliziert sei und man sich mehr Aufklärungsarbeit gewünscht hätte. Es wurde kritisiert, dass die Farbe der Briefumschläge nicht der Farbe der Wahlzettel entsprochen hatte. „In den Umschlägen für die Regionalwahl sind einige Ortschaftsratszettel gewesen, die sind nun leider ungültig“, stellt dann auch ein Wahlhelfer fest. Hauptamtsleiter Hans Rentschler lässt noch ein Lob vom Stapel: „Es ist sehr erfreulich, dass man in Vaihingen die Wahlhelfer gut zusammenbekommt.“ Auch nach 31 Jahren im Wahlhelferteam sei er noch mit Spaß bei der Sache.
In Sachen Publikumsverkehr ging es bei den drei Briefwahlteams der Stadt ruhig zu. Sie bekamen beim Auszählen vereinzelt Besuch von Neugierigen. Allerdings schlauchte die Masse an Arbeit die Briefwahlteams doch arg.
Wer übrigens beim Auszählen der nächsten Wahl hinter die Kulissen schauen möchte, darf das gerne tun. Hauptamtsleiter Rentschler: „Die Ergebnisermittlung der Wahl ist öffentlich. Theoretisch darf jeder kommen und zuschauen – solange er nicht stört.“

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen auf den Sonderseiten 12 bis 18




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